03.12.2019 - 12:54 Uhr
WiesauOberpfalz

Wiesau mit Spielraum für Investitionen

Der Bau eines Schott-Logistikzentrums im Gewerbegebiet war die Neuigkeit des Tages bei der Bürgerversammlung. Weniger spektakulär, aber sehr aufschlussreich waren die weiteren Informationen.

Nach rund 90 Minuten war alles gesagt. Seinen Wunsch nach Ausgleichsflächen äußerte Bürgermeister Toni Dutz am Ende der Bürgerversammlung.
von Werner RoblProfil

Bürgermeister Toni Dutz widmete sich detailliert und mit Fotos illustriert dem Bürgergespräch. Als ein wenig niedriger als im Vorjahr beleuchtete er den Stand laut Einwohnerstatistik: „Die Zahl unserer Mitbürger hat sich auf 4347 eingependelt." 2018 waren es 4367. Der demografische Wandel ist auch in Wiesau spürbar, wie die Informationen aus dem Standesamt belegten. Den 60 Sterbefällen des Jahres bisher stehen 26 Geburten gegenüber. „Geheiratet haben 24 Paare“, ergänzte Dutz.

Als nächsten Punkt sprach er den Feuerschutz an. Die Ausgaben dafür bezifferte er auf rund 92.000 Euro, die Einnahmen auf rund 48.100 Euro. Dutz streifte noch kurz die Schülerzahlen der Grundschule (144) und die der Mittelschule (105), um danach über den „Rekordhaushalt“ zu informieren. „Wir stehen vor großen Herausforderungen", kommentierte er die rund 8,1 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und die gut 6,8 Millionen im Vermögenshaushalt. Ein Plus verzeichnet auch der Tourismus. Die Zahl der Übernachtungen (insgesamt 21.906) stieg um 3,06 Prozent, die der Ankünfte (5126) um 1,75 Prozent.

Die Pro-Kopf-Verschuldung hat mit 804 Euro einen laut Bürgermeister „Tiefstschuldenstand“ erreicht. Insgesamt steht die Marktgemeinde aktuell mit rund 3,2 Millionen Euro in der Kreide. Humorvoll fügte Dutz aber hinzu: „Was nützt mir eine schuldenfreie Gemeinde, wenn uns dafür, weil nichts investiert wird, die Einwohner den Rücken kehren?“ Weitere Informationen betrafen den Einkommensteueranteil (Ansatz für 2019: 1,8 Millionen Euro) und die Schlüsselzuweisungen (rund 1,5 Millionen Euro).

Beim Foto, das ihn mit Finanzminister Albert Füracker zeigt, freute sich Toni Dutz besonders: „Zuletzt wurden wir nicht bedacht. Ich habe aber nicht lockergelassen: Wir sind wieder Stabilisierungsgemeinde und freuen uns über 1.010.000 Euro aus dem Fördertopf der Staatsregierung.“ Mit der Stabilisierungshilfe könne man nicht nur Schulden abbauen, sondern auch 800.000 Euro für Investitionen in die Zukunft verwenden.

Humorvoll schaffte Dutz den Sprung von der Hundesteuer hin zur Gewerbesteuer. „Davon dürfen wir aber längst nicht alles behalten. Leider hält auch unser Finanzminister die Hand auf“, bedauerte der Sprecher die „Zwangsabgabe“. Um die steigenden Aufgaben bewältigen zu können, habe man das Verwaltungspersonal aufgestockt und in manchen Bereichen auch verjüngt. Stichwort Bauanträge: Mit insgesamt 27 Neu- oder Umbauten waren die Sachbearbeiter heuer beschäftigt. 5 neue Bauplätze wurden im Baugebiet „Nördlich Marktplatz“ geschaffen. Aktuell reifen auch die Pläne für den „Sonnenhang“ am Kreuzberg, freute sich Dutz über das Interesse an den neuen Bauplätzen: „Anfragen sind genügend da.“

Zufrieden äußerte er sich mit der Entwicklung im Interkommunalen Gewerbegebiet, ebenso über die bereits fertig gestellten Maßnahmen am Urnenfeld im Friedhof und über den barrierefreien Zugang am Kindergarten St. Elisabeth. Saniert wurden der Dorfplatz und die Gehwege in Schönfeld, wofür der Markt rund 88.000 Euro in die Hand genommen hat.

„Nachdem der Bahnhof in Angriff genommen wurde, werden wir uns auch wieder der Hauptstraße und anderen Projekten widmen“, ließ Dutz anklingen. Grünes Licht wurde für den Anbau der Schönhaider Mehrzweckhalle und die Feuerschutzmaßnahme am Dorfstadel gegeben. Als vorrangig bezeichnete der Bürgermeister die Dorferneuerung in Triebendorf und die Sanierung der Gemeindeverbindungstraße nach Oberteich. Die Anschaffung von neuen Fahrzeugen für die drei Feuerwehren werde man nach und nach abarbeiten. In den kommenden Jahren seien weitere Sanierungen der Straßen, Wasser- und Kanalleitungen geplant, schloss Dutz und äußerte noch einen Herzenswunsch, dem Markt Ausgleichsflächen zur Verfügung zu stellen: „Wir suchen dringend nach Grundstücken. Wir zahlen faire Preise.“

Anfragen von Bürgern gab es nicht viele. Über den Stand der Elektrifizierung der Bahnlinie erkundigte sich ein Wiesauer beim Bürgermeister, der dazu jedoch nur wenig sagen konnte. Die Straße zwischen Triebendorf und Tirschnitz sollte baldmöglichst repariert werden, bat ein Triebendorfer. „Die Straßen bleiben ein Thema ohne Ende", kommentierte Dutz die Anfrage, ohne sich festzulegen, wann auch dort die Baumaschinen anrollen werden.

Das Interesse am Gemeindegeschehen war erneut groß. Der Rathaussaal war bis auf den letzten Platz besetzt.
Bürgerversammlung 2019 in Wiesau im Rathaussaal.
Bei der Bürgerversammlung wurde Bürgermeister Toni Dutz vom Geschäftsführer Thomas Weiß (rechts) unterstützt.
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