(wro) Der Anlass "60 Jahre Wiesauplast" bewog sogar die "Tagesschau", eine Wiederholungssendung aus dem Jahr 1958 ins Nachmittagsprogramm einzuschieben: Diesen nachgestellten Überraschungs-Einfall präsentierte Geschäftsführer Hans Ammer. Er verkündete, dass er seine Festrede auf genau 60 dicht beschriebenen Seiten vorbereitet hatte. "Für jedes Firmenjahr ein Blatt." Wiesauplast - gegründet vor sechs Jahrzehnten am Ursprungsstandort Max-Planck-Weg - feierte bei weit geöffneten Werkstoren mit vielen Gästen aus den Chefetagen, Produktions- und Verwaltungsabteilungen, Weggefährten aus Wirtschaft und Politik. Zur Familienfeier waren aber auch die Betriebsrentner und andere Unterstützer willkommen. Denn auf deren Schultern stehe die Firma schließlich, wie es hieß.
Begonnen hatte alles mit der Gründung durch Herbert Kupke im Sommer 1958. Knapp drei Jahre später orderte Volkswagen unzählige Blinkerleuchten für den Käfer. Weitere Wiesauplast-Produkte sollten folgen, mehr und mehr eroberte man auch den Weltmarkt. "Aus ovalen Formen wurden präzise Zylinder gepresst", beschrieb Ammer den Produktionsablauf. Dem Namen "Plastik" folgte der Begriff "Kunststoff", lenkte er den Blick auf innovative Produkte und das Material, das ein Markenzeichen für den Fortschritt wurde.
Gemeinsam mit der Indus-Holding AG wurde das Unternehmen zu einem Synonym für Erfahrung, Kompetenz und Fortschritt in Sachen Kunststofftechnik, sagte der Geschäftsführer: "Wir sind ein weltweit bedeutender Schlüssellieferant geworden." Qualität sei der Garant für den Erfolg. "Das, liebe Mitarbeiter, ist auch euch zu verdanken. Das wichtigste Gut eines Unternehmens sind die Spezialisten." Mit der Belegschaft, der Geschäftsleitung und einer gehörigen Portion an Oberpfälzer Beharrlichkeit sei es immer wieder gelungen, sich den Herausforderungen zu stellen. Ins Blickfeld rückte Hans Ammer auch das von Michael Dörrbecker geleitete "Vorzeigewerk" in Mexiko.
Der Sprecher erinnerte an gute, aber auch an andere Jahre an den drei Standorten, die zusammen gemeistert worden seien. Schließlich seien die Wiesauplastler eine große und starke Familie. "Es war eine gute Entscheidung, nach reiflicher Überlegung am Ursprungsstandort Wiesau zu bleiben", betonte er mit Rückblick auf den Neubau am Ortsrand. Der Marktgemeinde bleibe man verbunden, versprach er mit Nachdruck. Wiesau sei ein guter Partner. "Wir werden weiterhin zusammen arbeiten", versprach auch Bürgermeister Toni Dutz, der ebenso wie sein Vorredner einen humorvollen Rückblick vorbereitet hatte und Geschenke überreichte.
Durch den Zusammenschluss mit der Indag Holding AG vor rund elf Jahren wurde ein Meilenstein gelegt. Die Glückwünsche überbrachte deren Vorstand Dr. Johannes Schmidt, der das Unternehmen als ein Produkt der Wirtschaftswunderzeit bezeichnete. "Es gibt immer neue Herausforderungen. Man muss den Kunden Lösungen anbieten, die von ihnen verlangt und auch erworben werden." Als Vertreter der Zulieferpartner ergriff Manfred Heinbach von DSM Germany das Wort und bekräftigte die Nachhaltigkeit: "Zusammen wollen wir die Zukunft gestalten", lobte er das positive Miteinander. Betriebsratsvorsitzender Alois Staufer sprach für die Belegschaft. "Wiesauplast ist zu einem Lebensraum und zur Heimat geworden. Menschen, die sich vorher nicht kannten, wurden zu guten Freunden und Kollegen." Mit einem Geschenk gratulierte der stellvertretende Landrat Roland Grillmeier. Im Namen des Landkreises überreichte er eine Tafel aus Granit.
Eine weite Reise aus Übersee hatten Michael Dörrbecker und seine Gattin hinter sich. Im Namen der Mitarbeiter von Wiesauplast de Mexiko überreichte er ein Geschenk, das er sich in Mittelamerika besorgt hatte. Die "runde Sache" wird einen Ehrenplatz finden, bedankte sich Ammer mit einem "muchas gracias" in der Landessprache der Menschen im Zweigwerk. Schriftliche Grüße übermittelte Klaus Kupke, der an der Feier wegen eines Auslandsaufenthaltes nicht teilnehmen konnte. Ammer schloss mit einem Dank an die ehemaligen und derzeitigen Weggefährten und Beschäftigten: "Es ist mir eine Ehre, euch hier willkommen heißen zu dürfen. Ohne euch wäre das schöne Werk nur eine leere Hülle."
Wiesau
22.07.2018 - 11:12 Uhr
Wirtschaftswunder aus Wiesau
von Werner Robl
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