Proppenvoll war der Gasthof "Bayerischer Hof" am Dienstagabend beim Vortrag der BN-Kreisgruppe über den Wolf. Jäger, Landwirte, Schafzüchter, Naturschützer und sonstige Interessierte drängten in den Saal, um mehr über das Tier und seine Rückkehr zu erfahren. Weitere Tische und Stühle mussten aufgestellt werden. Befürworter und Gegner einer weiteren Verbreitung des Wolfs rückten eng zusammen.
Selbst ein Schafzüchter
Referent war Markus Martini, der Wolfsbeauftragte für den Bezirk Oberpfalz am Landesamt für Umwelt (LfU) Bayern. Martini, der selbst Schafzüchter ist, behandelte das Thema sachlich, ausführlich und emotionslos. BN-Kreisgruppenvorsitzender Josef Siller begrüßte unter den Gästen auch Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg, den Vorsitzenden der Kreisgruppe Tirschenreuth des Jagdverbandes Bayern.
Glaubt man Martinis Worten, ist kein Wolf in Bayern aufgrund intensivem Monitorings "unbeaufsichtigt" unterwegs. "In Vohenstrauß haben zwei Frauen einen Wolf sogar vom Auto aus gefilmt", erzählte Martini.
Die Zahlen von Wolfssichtungen würden ansteigen. Es komme zu Konflikten, auch mit Menschen. Laut Martinis Statistik wurden von 1950 bis 2000 in ganz Europa insgesamt 59 Übergriffe von Wölfen auf Menschen gemeldet, 38 Tiere waren tollwütig. Vier Menschen seien gestorben, darunter Kinder in Spanien. Doch die Gefahr von Angfiffen durch das Tier sei gering. "Menschen gehören nicht zum Beuteschema", betonte Martini. Dies sei dem aufrechten Gang zuzuschreiben. Komme es trotzdem zu einer Begegnung mit einem Wolf riet Martini zu respektvollem Verhalten. "Nicht weglaufen!" Man solle sich langsam zurückziehen. Hunde müssten angeleint werden. Hilfreich seien bei einer Begegnung mit einem Wolf klatschen, sprechen und sich groß machen. "Und niemals einen Wolf füttern!" Steine werfen oder mit einem Stock herumschlagen hielt Martini ungeeignet zur Abwehr.
Europaweit streng geschützt
Der Wolf sei europaweit streng geschützt, sagte der Fachmann. Bei verhaltensauffälligen Wölfen gebe es einen Maßnahmekatalog, der angewandt werden könne. Bei sicherheitsrechtlichen Problemen werde auch der Abschuss freigegeben. Zwar gehörten zum Beuteschema des Wolfes lediglich 1,1 Prozent Nutztiere. "Aber das nützt einem Schafzüchter wenig, der 40 Tiere in einer Nacht verloren hat", verschwieg Martini Problemfälle nicht.
Auch die gerissenen Schafe bei Windischeschenbach sprach er an. Er vermutete fehlende Schutzvorrichtungen. Der Fachmann riet Schafhaltern zum Bauen von Elektrozäunen und zur Haltung von Hirtenhunden. Ein Elektrozaun müsse mindestens 90 Zentimeter hoch sein, um Wölfe abzuhalten. Martini räumte ein, dass die Haltung von Hirtenhunden zwar effektiv, aber zeitaufwendig sei. Ausgleichszahlungen für gerissene Tiere hielten sich bisher in Grenzen, wusste er. Ein Landwirt meinte, es gehe bei einem gerissenen Tier auch um Emotionen. Ein weiterer wollte wissen, wie er seinen offenen Laufstall schützen könne, da laut Martinis Informationen auch Kälber in Kälberboxen schon Opfer wurden. Für Schafzüchter Johannes Rudolf aus Tirschenreuth sind Touristen und Wanderer ein Problem beim Schutz der Herde durch Hunde. Martini meinte, dass Touristen dazu gebracht werden müssten, auch mal umzukehren oder einen Umweg in Kauf zu nehmen, wenn ein Hund eine Herde bewache.

















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