Wiesau
04.12.2018 - 13:34 Uhr

Wünsche, aber auch Kritik

Die gut besuchte Bürgerversammlung im Rathaus beweist es: Die Wiesauer interessiert, was in ihrer Gemeinde läuft. Bürgermeister Toni Dutz informiert und stellt sich auch kritischen Nachfragen.

Derzeit pausiert der Abriss der Rewe-Brandruine. Versicherungsrechtliche Fragen verzögern laut Bürgermeister Toni Dutz die Vorlage des Bauantrags für den Neubau. Bild: wro
Derzeit pausiert der Abriss der Rewe-Brandruine. Versicherungsrechtliche Fragen verzögern laut Bürgermeister Toni Dutz die Vorlage des Bauantrags für den Neubau.

Vor den Wortmeldungen der Bürger präsentierte Toni Dutz den neuen Imagefilm und damit die Gemeinde Wiesau in Wort und Bild. „Sicher wird sich der eine oder andere wiederfinden“, freute er sich über den gelungenen Streifen, der auf der Leinwand zu sehen war. Zudem hatte er einige Exemplare der Nordgautag-Festschrift mitgebracht, um sie zum Kauf anzubieten. Das Großereignis stand – anders als im Vorjahr – nicht im Blickpunkt der Versammlung.

Dafür rückte Dutz die Investitionssumme von rund 4,5 Millionen Euro in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, denen er regelmäßig humorvolle, aber auch ernste Kommentare beifügte. „Die Kurve steigt leicht nach oben“, merkte er bei der Einwohnerentwicklung an. Inzwischen habe Wiesau 4060 Gemeindebürger. „Das ist erfreulich, auch wenn es im Vergleich zum Vorjahr nur 10 mehr geworden sind.“ Positiv gestimmt zeigte sich der Bürgermeister auch bei den Übernachtungszahlen. „Trotz des leichten Rückgangs von 2,6 Prozent kann man doch zufrieden sein." Gefragt (mit rund 700 Gästen) sei das Angebot „Urlaub auf dem Bauernhof“. Die Zahl der Übernachtungen bezifferte Dutz auf rund 21.300, die der Gäste auf gut 5000.

Wie gewohnt klammerte Bürgermeister Toni Dutz den Haushalt nicht aus. „Rekord“ meldete er beim Vermögenshaushalt (rund 4,5 Millionen Euro). Beim Verwaltungshaushalt hatte der Kämmerer rund 7,8 Millionen Euro errechnet. „Wir haben gespart und trotzdem investiert.“ Damit war Dutz beim Schuldenstand je Einwohner (793 Euro) angelangt. Angesichts dessen bedauerte er: „Geht es der Gemeinde gut, dann bleibt die Stabilisierungshilfe aus.“ Man werde sich aber wieder darum bemühen.

Toni Dutz widmete sich schließlich den abgeschlossenen und geplanten Baumaßnahmen. Das Rathaus sei saniert und jetzt auch barrierefrei. „Fertig ist die obere Hauptstraße." An anderer Stelle informierte er: "Neu gemacht wurden die Dusch- und Waschräume in der Mittelschul-Turnhalle.“ Ebenso lenkte er den Blick auf das „leidige Thema“ Brückenreparaturen, die der Gemeinde bereits 154.000 Euro kosteten. „Es läppert sich zusammen“, kommentierte er die Ausgaben. „Der Tannweg ist schön geworden“, merkte er an. Gerne beteiligte man sich an den Verbesserungen an der Kipp und dem dortigen Spielplatz: „Die Kinder sind es uns wert.“ Im Entstehen sei das interkommunale Gewerbegebiet, verwies Toni Dutz auf den symbolischen ersten Spatenstich vor einigen Tagen.

Stichwort Bahnhof: „Ich denke, wir können 2020 beginnen." Dutz versprach: "Es bleibt ein Bahnhof mit Warteraum und was dazugehört." Eine barrierefreie Lösung sei aber noch lange nicht in trockenen Tüchern. Eine rasche Einleitung forderte er hinsichtlich der Dorferneuerung in Triebendorf. In der Planungsschublade lägen die Sanierung des Schulsportzentrums und einiges andere mehr. Dutz bekannte aber: „Alles auf einmal können wir nicht machen.“ Er wolle nicht verwalten. "Ich will gestalten."

Zum Thema Neubau des Rewe-Marktes äußerte er sich jedoch nur knapp: Versicherungsrechtliche Fragen und Hürden würden die Vorlage des Bauantrags durch den Investor verzögern. Aber Rewe bleibe am Ort und sei nach dem Neubau dann deutlich größer. „Einkaufen heute, ist nicht Einkaufen wie früher“, fügte der Bürgermeister hinzu und verwies auf den Flächenbedarf für das neu entstehende Gebäude. „Schön wäre auch ein Drogeriemarkt“, steuerte er zudem einen persönlichen Wunsch bei.

Ein Bürger wollte geklärt wissen, wer für die Reinigung der Schönhaider Straße zuständig ist. Der Verursacher der Verschmutzungen sei ja bekannt, fügte der Anlieger mit Blick auf die vielen durchfahrenden Lastwagen eines bestimmten Unternehmens hinzu. „Die Gesprächsbereitschaft liegt doch vor. Es wurde versprochen, dass die Straße regelmäßig sauber gemacht wird“, schob ein anderer Wiesauer nach und empfahl noch einmal Kontakt mit der Firma aufzunehmen. „Das greifen wir gerne auf“, schaltete sich Bürgermeister Toni Dutz ein und bedauerte: „Leider habe ich keine Patentlösung für das leidige Problem der permanenten Verschmutzung.“ Schließlich könne man doch dafür keine Kehrmaschine anschaffen, ergänzte Dutz.

Viele Fragen folgten zum Thema „interkommunales Gewerbegebiet“ und dessen spätere Ausweitung. Diskutiert wurde auch der Lärmschutz am entstehenden Gelände und welche Waldflächen für die Erschließung geopfert werden müssen. „Reicht das Regenüberlaufbecken? Wie wird das Wasser dort entsorgt? Wie werden die künftigen Verkehrsströme gelenkt und wie steht die Gemeinde zu allem?“ Dazu Geschäftsleiter Thomas Weiß: „Die Bescheide erlässt das Landratsamt und nicht die Gemeinde.“ Er ergänzte mit Blick auf die zu erwartende steigende Verkehrsbelastung: „Die Straßen sind öffentlich und können somit auch frei gewählt werden.“ Mit den Planungen im Gewerbegebiet seien Ingenieurbüros beauftragt.

Probleme und Anliegen:

„Wer darf eigentlich die sanierte Brücke in Leugas befahren?“, wollte ein Landwirt wissen. „Darf jedes Fahrzeug drüber fahren, auch Lastwagen?“ Man werde das prüfen, versprach Thomas Weiß, Geschäftsleiter im Wiesauer Rathaus. Eine Geruchsbelästigung im südlichen Teil Schönhaids beklagte eine Anliegerin der Kläranlage. Bürgermeister Toni Dutz versicherte, der Sache auf den Grund zu gehen. Themen waren auch die Netto-Markt-Schließung und der Güterverkehr. Für viele Bürger ein Ärgernis sind die Baustellen zum Ausbau des schnellen Internets. Dazu eine Frage eines Fichtenschachters: „Wann wird die Sache endlich abgeschlossen?“ Der Bürgermeister machte deutlich, dass die Gemeinde nicht zuständig sei. Er versprach, demnächst Ross und Reiter zu nennen und die Kontaktdaten zu veröffentlichen. Auch ihn ärgerten die Verzögerungen. (wro)

2020 soll die Sanierung des Wiesauer Bahnhofs starten. Wichtig ist dem Bürgermeister ein barrierefreier Zugang zu den Bahnsteigen. Bild: wro
2020 soll die Sanierung des Wiesauer Bahnhofs starten. Wichtig ist dem Bürgermeister ein barrierefreier Zugang zu den Bahnsteigen.
Geschäftsleiter Thomas Weiß nimmt in der Bürgerversammlung zu mehreren Anfragen Stellung. Bild: wro
Geschäftsleiter Thomas Weiß nimmt in der Bürgerversammlung zu mehreren Anfragen Stellung.
Gut besucht ist die Bürgerversammlung im Wiesauer Rathaus. Bild: wro
Gut besucht ist die Bürgerversammlung im Wiesauer Rathaus.
Bürgermeister Toni Dutz (links) geht gut vorbereitet in die Bürgerversammlung. Das Zahlenwerk hat Kämmerer Harald Seitz (rechts) zusammengestellt. Bild: wro
Bürgermeister Toni Dutz (links) geht gut vorbereitet in die Bürgerversammlung. Das Zahlenwerk hat Kämmerer Harald Seitz (rechts) zusammengestellt.
Ärgernis DSL-Baustellen: Die Gemeinde sei bei Verzögerungen der falsche Ansprechpartner, sagt Bürgermeister Toni Dutz mit Nachdruck. Bild: wro
Ärgernis DSL-Baustellen: Die Gemeinde sei bei Verzögerungen der falsche Ansprechpartner, sagt Bürgermeister Toni Dutz mit Nachdruck.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.