02.09.2020 - 19:27 Uhr
Wildenau bei PlößbergOberpfalz

Streit um Funkmast-Standort in Wildenau: Telekom rückt nicht ab

Mehr erhofft hatten sich die Wildenauer vom Infoabend zum geplanten Mobilfunkmasten. Die Diskussion drehte sich im Kreis: Die Telekom weicht nicht von ihren Plänen ab, damit wollen sich die Betroffenen nicht zufrieden geben.

Am Dienstagabend fand im Kultursaal eine Infoveranstaltung bezüglich des geplanten Mobilfunkmasten in Wildenau statt. Als Referenten waren neben Telekom-Kommunalbeauftragter Christian Blenk (vorne, links) auch Moderator und städtebaulicher Berater Klaus Zeitler (vorne rechts) sowie Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Ende Juni formierte sich Widerstand: Die Wildenauer sind zwar nicht gegen den 28 Meter hohen Funkmasten, den die Telekom am Ortsausgang des Orts Richtung Wurmsgfäll plant. Sie kritisieren den Standort. Weil es ein privilegiertes Bauvorhaben ist, kann die Gemeinde aber wenig Einfluss nehmen.

Eine Infoveranstaltung am Dienstag im Kultursaal mit den Referenten Christian Blenk, Kommunalbeauftragter der Telekom für die Oberpfalz und Niederbayern, sowie Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt in Hof sollte Antworten auf die vielen Fragen der Anwohner liefern. Die maximal 100 Sitzplätze wurden nur zu einem Drittel belegt. 30 Zuhörer aus den betroffenen Ortsteilen Wildenau, Schirnbrunn und Wurmsgfäll (alle Gemeinde Plößberg) sowie Auerberg (Gemeinde Püchersreuth) und Schlattein (Gemeinde Floß) waren gekommen. Viele der Teilnehmer waren schon beim ersten Krisengespräch vor zwei Monaten dabei. Bürgermeister Lothar Müller ließ anfangs die Vorgeschichte noch einmal Revue passieren und betonte, dass der Bauantrag der Telekom aktuell noch vom Landratsamt geprüft werde.

Funkmast nicht beliebig platziert

Die Moderation übernahm Klaus Zeitler. Der städtebauliche Berater sollte als Unbeteiligter zwischen den Bürgern und der Telekom vermitteln. Erst seit kurzem ist Christian Blenk von der Telekom für 460 Gemeinden in der Oberpfalz und Niederbayern zuständig. Er erklärte, dass in Wildenau bezüglich des Mobilfunknetzes "eklatante Versorgungsengpässe" bestünden. In der Gemeinde möchte der Netzbetreiber bis Ende 2022 87 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s versorgen. "Eine Funkzelle ist ein Teil eines komplexen Netzes, das die letzten drei Jahrzehnte ständig gewachsen ist. Daher kann ein Mobilfunkmasten nicht beliebig platziert oder verschoben werden." Die Versorgungslücke in den fünf Ortsteilen könnten die bestehenden Masten in der Plößberger Ortsmitte und im Südwesten von Püchersreuth nicht abdecken. Am liebsten hätte die Telekom den Funkmasten im Wildenauer Ortskern, nahe der Kirche, aufgestellt, berichtete Blenk.

Die Gemeinde sei gegen die Ortsmitte gewesen und schlug der Telekom 2019 sieben alternative Standorte vor. Davon kam aus topografischen Gründen nur einer infrage: am Ortsausgang von Wildenau Richtung Wurmsgfäll - Flurnummer 735. 28 Meter hoch müsste der Masten laut Blenk sein, damit das Signal über hügelige Landschaft geht. Jeder weitere Meter nach oben solle vermieden werden, sonst würde das Ortsbild negativ beeinflusst. Das alles war den Zuhörern nicht neu. Dann referierte Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt über elektromagnetische Felder (siehe Hintergrund).

SPD-Marktrat Marcus Fritsch aus Wildenau betonte: "Wir alle wollen den Mobilfunkmasten. Nur nicht an diesem Standort. Bis Ende Juni wusste niemand aus dem Dorf wer, wie, was, wohin?" Nun bekomme eine Familie den Masten vor die Haustüre gesetzt. Sie wohne nur 150 Meter entfernt. Auf dem gleichen Areal sei ein Baugebiet geplant. Die Bürger arbeiteten weitere drei Alternativen aus. Ein Wildenauer würde auch einen Standort auf einem Feld an der Landkreisgrenze zur Verfügung stellen.

Grundstücksmietvertrag ist bindend

"Ich nehme ihre Vorschläge wertschätzend entgegen", sagte Blenk. "Aber die zu prüfen, hat keinen Wert. Der Bauantrag läuft schon." Das Beteiligungsverfahren sei vergangenes Jahr gelaufen. Zum Zeitpunkt der Standortsuche lasse sich vieles regeln, erklärte der Münchener Telekom-Mitarbeiter. Der einzig verwertbarer Standort der Vorschläge sei auf der Flurnummer 375. Um einen neuen Standort zu finden seien die Wildenauer zu spät dran. Die Suche nach Alternativen ist abgeschlossen: "Wir sind einen Schritt weiter. Wir haben eine Lösung und einen Mietvertrag." Der Vermieter würde zurücktreten, erwiderte Fritsch, um die Anwohnerfamilie zu unterstützten. Ob man den Masten keine 300 oder 500 Meter verschieben könnte, fragte der Marktrat. Das Areal sei groß genug. "Damit wäre uns schon geholfen." "Nein", antwortete Blenk. "Da gibt's keine Möglichkeit." Auch in Sachen Mietvertrag: "Wenn die Unterschrift geleistet wurde, ist es nicht mehr möglich zurückzutreten." Das ginge nur, wenn die Telekom eine besseren Standort hätte. "Und die Alternativen sind weitaus schlechter." Der einzige weitere machbare Standort wäre nach seinen Angaben in der Ortsmitte an der Kirche. "Aber das ist immer kritisch." Der aktuelle Standort sei die äußerste Grenze. Die Anwohner erwiderten: "Wir verstehen nicht, warum die Entfernung von 2,5 Kilometer nach Schlattein kein Problem ist, aber der Mast keine 500 Meter weiter rechts gebaut werden kann." Die Funk-Architektur stimme 500 Meter weiter nicht mehr, begründete Blenk. "Mit der Aussage gebe ich mich nicht zufrieden", sagte Fritsch.

"Wenn der Bauantrag beim Landratsamt nicht durchgeht, wie geht's dann weiter?", fragte eine Teilnehmerin. "Wenn wir im Vorfeld wissen, dass der Bauantrag nicht durchgeht, reichen wir ihn gar nicht ein", erklärte Blenk die detaillierten Vorbereitungen. Wegen des Denkmalschutzes im Bezug auf die Burg könnte das Landratsamt zwar Einwände haben. Aber: "Ich gehe davon aus, dass der Bauantrag so durchgeht", sagte der Telekombeauftragte achselzuckend.

Ob man die Technik nicht auf den O2-Funkmasten nahe der B 15, etwa 5 Kilometer entfernt, "draufschalten" könne, war eine weitere Frage. Auch das verneinte Blenk. Der O2-Masten sei nur für die Bedingungen des anderen Netzbetreibers ausgelegt, die Telekom könne so außerdem nicht alle Ortsteile versorgen.

"Ich sage das nicht, weil ich nicht auf ihre Vorschläge eingehen will. Wenn's ginge, würde ich einen Funkmasten weit weg im Wald bauen. Aber wir brauchen diesen Standort, um die Ortsteile versorgen zu können. Wenn wir könnten würden wir woanders hin, aber hier geht's nicht anders", wiederholt Blenk.

Wenn wir könnten, würden wir woanders hin, aber hier geht's nicht anders.

Christian Blenk von der Telekom über den Funkmaststandort Wildenau

Christian Blenk von der Telekom über den Funkmaststandort Wildenau

Mangelnde Kommunikation

Dass der Masten den Wert des Neubaugebiets mindere, ließ Bürgermeister Müller nicht gelten. Auch wenn dieser unästhetisch für die Landschaft sei - schnelles Internet und gutes Netz würden viele Bauwillige begrüßen. "Aus meiner Sicht ist der Funkmast relativ weit weg von der nächsten Bebauung und zumindest aus dem Ortskern raus", sagte Müller.

"Für mich war diese Veranstaltung heute sinnfrei. Jede Diskussion ist überflüssig", meldete sich eine Wildenauerin zu Wort. "Es scheiterte an der Kommunikation." Die empörten Dorfbewohner geben dem Bürgermeister die Schuld. "Er hat es versäumt, alle Bürger der Ortschaft Wildenau in das Funkmast-Thema einzubeziehen", sagt ein Zuhörer deutlich.

Dazu sagte Müller, dass die Gemeinde mit dem Standort nicht hinterm Berg gehalten habe. Zum Zeitpunkt der Dorfversammlung im November 2019 wusste er nur, dass dieser Standort wahrscheinlich favorisiert ist, erst als der Bauantrag vorlag, wurde dieser Verdacht konkret. "Wir empfinden das als Diktat!", kam es aus der hintersten Reihe. Die Bürger fühlen sich in Sachen Standortfrage übergangen.

Einigen konnten sich die Bürger und die Telekom in der zweieinhalbstündigen Versammlung nicht. Der Netzbetreiber zieht den Bauantrag nicht zurück. Die Wildenauer wollen weiter für eine Standortverlegung kämpfen. Der Moderator bedankte sich für die sachliche Diskussion. Ein letzter Hoffnungsschimmer für Fritsch und seine Mitstreiter ist der Denkmalschutz. Wenn die Gemeine aber dann immer noch einen Mobilfunkmasten haben will, ist laut Telekom einzige Alternative der Bau im Ortskern.

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Wildenau bei Plößberg
Hintergrund :

Risiko liegt beim Endgerät, nicht bei Basisstaion

Damit der Netzbetreiber überhaupt einen Funkmasten bauen kann, braucht es eine Sicherheitsbescheinigung, erklärte Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt in Hof. Darin sind Grenzwerte sowie Sicherheitsbereiche geregelt. Anders als bei einer Glühbirne, die in jede Richtung gleichmäßig strahlt, gebe es beim Funkmasten eine Hauptstrahlrichtung. Der Sicherheitsbereich bei einem Masten mit 28 Metern (wie in Wildenau geplant) beginne direkt an den Sektorantennen in 28 Meter Höhe - rund 20 Meter nach vorne und etwa 4 Meter nach unten. Zur Basisstation habe man also immer genügend Abstand, so Kurz. Die Grenzwerte würden regelmäßig überprüft.

Der Mobilfunkmast sei nur eine Hälfte des Problems, erklärte er. Das Endgerät - das Mobiltelefon - sei die andere Sache. Weil man das Handy immer nahe am Körper hat, beispielsweise in der Hosen- oder Jackentasche oder zum Telefonieren am Ohr, wirke dies mehr auf den Menschen ein, als der Funkmast. Die Mobilfunkthematik ist laut Kurz sehr gut untersucht. Bisherige Studien lieferten keinen Hinweis auf Restrisiken. "Bei Restrisiken müssen wir - wenn überhaupt - über die Endgeräte sprechen und nicht über die Basisstation." Wegen der elektromagnetischen Felder müssten die Anwohner keine Bedenken haben, in München gebe es mehrere Mobilfunkmasten im Umkreis von 300 Metern.

Stellten sich den Fragen der Dorfgemeinschaft Wildenau: (von links) Verwaltungsmitarbeiter Jonas Würner, Bürgermeister Lothar Müller, Moderator Klaus Zeitler, Christian Blenk von der Telekom und Thomas Kurz von Landesamt für Umwelt.
Bei der Infoveranstaltung im Kultursaal Plößberg zum geplanten Mobilfunkmasten in Wildenau kam es zu keinem Ergebnis. Die Telekom weicht nicht von ihren Plänen ab, damit wollen sich die Betroffenen nicht zufrieden geben. Sie fühlen sich übergangen.
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