28.08.2019 - 10:08 Uhr
Wildenreuth bei ErbendorfOberpfalz

Ein Platz für die Erinnerung

Vor zwei Jahren baute Tobias Thurm mit Hilfe von Freunden eine Hütte am OWV-Wanderparkplatz in Wildenreuth. Das Projekt half dem jungen Mann, mit einem schweren Schicksalsschlag fertig zu werden.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Auf die Idee zum Bau der Hütte am OWV-Wanderparkplatz kamen Tobias Thurm und seine damalige Freundin Sabrina vor zwei Jahren. Dass der damals 18-Jährige die Hütte alleine in Angriff nahm, hat einen tragischen Hintergrund: Ein fürchterlicher Unfall riss die 18-jährige Fuchsmühlerin am Abend des 29. August 2017 aus dem Leben. Auf dem Heimweg von Wildenreuth nach Fuchsmühl kam sie nach etwa eineinhalb Kilometern auf der abschüssigen Straße nach dem Waldstück Richtung Gebersdorf von der Straße ab und prallte mit ihrem Auto gegen einen Baum. Sabrina starb noch an der Unfallstelle. "Wir waren zwar erst drei Monate zusammen, aber sie war die Richtige. Es hat einfach super gepasst zwischen uns beiden. Sie hat mich verstanden", sagt der 20-Jährige aus Wildenreuth. Eigentlich plante das Paar in dieser Woche, mit dem Bau des Baumhauses anzufangen.

Mandala als Bauvorlage

Das hat Tobias dann mit seinen Freunden gemacht. "Ich musste mich irgendwie beschäftigen", erzählt der junge Mann. Im September fing er an. Die Skizze, wie das Baumhaus aussehen sollte, hatte Sabrina auf einen kleinen Notizzettel gezeichnet. "Es sieht aus wie ein Mandala. Nach der Vorlage haben wir die Hütte gebaut." Insgesamt 50 Freunde und Bekannte unterstützten ihn dabei, schätzt Tobias. Einige Materialien bekam er von Bauern aus der Nachbarschaft. Einen Monat arbeitete er mit vielen Freunden jeden Tag an dem Baumhaus. Auch im Oktober und November machten seine Freunde und er nach Feierabend weiter. Mit dem Projekt verarbeitete Tobias seine Trauer.

Der Kfz-Mechatroniker fing mit dem Grundgerüst um einen Baumstamm herum an. Für die tragenden Balken fällten die Freunde 15 mittelgroße Bäume. Das restliche Holz für die Hütte stammt von den Nachbarn. Für die 40 Zentimeter hohe Grundmauer organisierten Tobias und seine Freunde Feldsteine. "Wir sind drei Mal gefahren und haben mehrere Kipper voll geholt." Gemauert wurde mit Lehm und Stroh. Die Jugendlichen wollten, dass das Baumhaus nur aus natürlichen Materialien besteht. Deshalb schnitzten sie sich auch selbst Holznägel aus stabilen Ästen. Für das steile Reetdach aus Stroh verarbeitete die Gruppe 20 gepresste Strohballen, die sie an das innere Gerüst aus Tannenzweigen und Holzlatten anknüpfte.

Lieblingsplatz

Die Verantwortlichen des OWV Wildenreuth hatten nichts gegen die Idee, auf dem Wanderparkplatz eine Hütte zu errichten. "Die freuen sich immer, wenn ich mit neuen Ideen komme", sagt Tobias. Ihm war wichtig, dass das Baumhaus lebt. Unter dem Dach haben sich Vögel ihre Nester gebaut und auch Bienen und andere Insekten fanden in der Hütte ein Zuhause. Im Frühling pflanzte der 20-Jährige verschiedenen Kletterranken. Er möchte, dass die Hütte komplett einwuchert. Das besondere Baumhaus und das angrenzende Biotop mit einem kleinen Weiher sind der Lieblingsplatz des Wildenreuthers. "Das hier oben war schon immer mein Platz. Ich war auch oft mit Sabrina hier. Sie war ein sehr mitreißender Mensch. Sie hat ihr Leben voll genossen", berichtet Tobias.

Er erzählt gerne von ihr. "Beautiful world", das Leben als schön anzusehen, ist nur eine Botschaft, die sich der junge Mann auf den rechten Unterarm tätowieren ließ. Zusammen mit anderen Sprüchen und Motiven, die ihn an seine Freundin und die gemeinsame Zeit erinnern. "Ich habe mit ihr so viel erlebt. Wir haben nie lange überlegt, sondern einfach gemacht. Man muss nicht immer so viel über alles nachdenken." Kennengelernt hatten sich die beiden an ihrem Geburtstag Mitte Mai. Nach einem ersten Treffen waren sie unzertrennlich, verbrachten den ganzen Tag miteinander. Zusammen erlebte das Paar viele unvergessliche Momente. Das Baumhaus dient nicht nur als Erinnerung an Sabrina, sondern ist mittlerweile auch ein beliebter Treffpunkt und ein Ort für Feste.

Dank:

Tobias Thurm möchte sich besonders bei einigen Menschen bedanken, die ihn beim Bau der Hütte unterstützt haben: Katharina Sturm, Diana Pelzer, Christoph Lang, Tobias Schreier, Mitglieder des Frodersreuther sowie des Neuenreuther Haisls und viele weitere Helfer. Dank geht auch an die Familien Hofmann, Reis und Fütterer für die Materialien und Geräte.

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