15.02.2021 - 18:31 Uhr
Wildstein bei TeunzOberpfalz

Dorfchronik als neues Hobby entdeckt

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Hans Pfannenstein macht sich in Etappen auf den Weg, eine Chronik über sein Heimatdorf Wildstein zu erstellen. In Ausgabe eins geht es um das Schulwesen und das Benehmen der Dorfjugend im Jahr 1963.

Hans Pfannenstein sammelt Fotos und Aufzeichnungen für eine Chronik über sein Heimatdorf Wildstein. Ausgabe eins „Schulwesen“ (links) ist bereits verteilt, während Band zwei „Der Schlossberg“ (Mitte) aktuell in Arbeit ist.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Viertklässler Georg Meier solle nicht soviel mit den Tauben handeln und Georg Voith aus der ersten Klasse sei ein „unaufmerksamer Lauser“. Was der Nikolaus im Jahr 1963 bei seinem Besuch im Schulhaus vortrug, gibt es im Heft „Wildstein wie’s früher war“ nachzulesen. Die Ausgabe eins der Dorfgeschichte liegt seit zwei Wochen in den Haushalten der Ortschaft vor.

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Jeweils acht Seiten

Herausgeber ist Hans Pfannenstein aus Teunz (Erfassung und Gestaltung). Er ist mittlerweile mit der zweiten Ausgabe beschäftigt, welche dem Schlossberg gewidmet ist. Mindestens zehn weitere Themen (wie Vereine, Einwohnerentwicklung, Hutschaabende) hat er bereits im Visier. „Die Hefte umfassen jeweils acht Seiten“, berichtet er bei seinem Besuch in der NT-Redaktion. Als Ziel schwebt dem gebürtigen Wildsteiner ein Gesamtwerk über sein Heimatdorf vor: „Die Endstufe ist eine Häuserchronik.“

Interesse an der Vergangenheit hat der gelernte Buchdrucker, der zehn Jahre lang beim „Neuen Tag“ in der Akzidenzdruckerei beschäftigt war, schon viele Jahre: „Sammeln tu ich schon länger.“ Er präsentiert einen Ordner voll mit Zeitungsartikeln über runde Geburtstage der Dorfbewohner. „Darin erfährt man viel“, stellt Pfannenstein fest. Als er aber dann im vergangenen Jahr von seiner Mutter alte Aufzeichnungen bekommen hat, welche er sortierte und in Form brachte, reifte der Gedanke, die Dorfgeschichte für die Nachwelt zu erhalten. „Es werden immer weniger, die darüber berichten können“, sagt Pfannenstein und ergänzt: „Das Schönste bei der Recherche war es, mit den Älteren am Stammtisch im Wirtshaus zu sitzen und stundenlang über frühere Begebenheiten zu debattieren.“ Leider ist das Anzapfen von Informationsquellen in der Corona-Pandemie nicht mehr so einfach. Deshalb hat er zusammen mit der ersten Ausgabe von „Wildstein wie’s früher war“ einen Wurfzettel in die Postkästen gesteckt. Darin bittet er für weitere Bände um Mithilfe in Form von historischem Bildmaterial: „Vieles ist interessant, wie beispielsweise Luft- und Personenaufnahmen, Häuserfotos der 50er-Jahre oder Zeitungsausschnitte aus alter Zeit.“

Der Teunzer freut sich, dass er schon etliches erhalten hat. Beispielsweise ein Bild von einer Hausschlachtung, vom Wildenstein ohne Gipfelkreuz oder von einer diamantenen Hochzeit im Jahr 1963: „Das wird der Eyecatcher für die Ausgabe zur Kapelle.“ Gerne holt er die Bilder nach telefonischer Mitteilung auch ab. Die Fotos werden digitalisiert, Schwarz-Weiß-Aufnahmen teilweise coloriert und die Original-Bilder anschließend wieder zurückgegeben.

„Das Schönste bei der Recherche war es, mit den Älteren am Stammtisch im Wirtshaus zu sitzen und stundenlang über frühere Begebenheiten zu debattieren.“

Hans Pfannenstein

Mit Zeugnis der Großmutter

Hans Pfannenstein entdeckt dabei auch immer etwas Neues, wie beispielsweise auf einer alten Aufnahme von einem Feuerwehrjubiläum: „Ich hatte bis dahin kein Bild von unserem alten Haus.“ In der aktuellen Ausgabe „Schulwesen“ ist das Schlusszeugnis seiner Großmutter aus dem Jahr 1924 abgedruckt. Was überrascht: Die Schülerzahl blieb einhundert Jahre lang bis zur Auflösung der kleinen Dorfschule relativ konstant: Im Jahr 1866 besuchten 35 Kinder und im Jahr 1967 immerhin 31 Schüler die Einrichtung. Und dies, obwohl es in den beiden Nachbarorten Kühried und Wildeppenried eine eigene Schule gab.

In kurzen, sehr interessanten Episoden mit lesefreundlicher Aufmachung wird auf die Schulgeschichte eingegangen. Höchst unterhaltsam ist es, mit welchen Worten der Nikolaus den Schülern von der ersten bis achten Jahrgangsstufe im Jahr 1963 die „Leviten“ gelesen hat. Auf Seite sieben findet sich die Grabrede über Lehrer Paul Gall, der 1922 im 32. Lebensjahr verstarb. „Aller Anfang ist schwer“, zitiert Hans Pfannenstein, Jahrgang 1959, aus einem Lesebuch von 1823 über den „idealen Schüler“. Er selber hat den Anfang für die Dorfchronik Wildstein bravourös gemeistert. Die zweite Ausgabe zum Thema „Der Schlossberg“ erscheint voraussichtlich Mitte März. Diese wird jedoch nicht mehr an alle Haushalte verteilt. Wer Interesse daran hat, sollte sich beim Autor melden (Druckkosten je Heft 1,50 Euro).

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Hintergrund:

„Wildstein wie’s früher war!“

  • Historische Fotos können bei Hans Pfannenstein, Fichtenweg 12 in Teunz (Telefon 09671/3356, bzw. E-Mail an hans.pfannenstein[at]freenet[dot]de) sowie bei seiner Mutter in Wildstein abgegeben werden. Gerne holt er diese auch persönlich ab.
  • Die zweite Ausgabe der Dorfgeschichte zum Thema „Schlossberg“ erscheint voraussichtlich Mitte März und wird nicht mehr an alle Haushalte verteilt. Wer Interesse daran hat, sollte sich bei Hans Pfannenstein melden.
  • Die Druckkosten (1,50 Euro je Heft) für die Erstausgabe übernahm der Autor. Für künftige Ausgaben kann gerne gespendet werden.
  • Das 2007 erschienene Sterbebilder-Buch der Ortschaft Wildstein (ab 1941) wurde überarbeitet (aktueller Stand Januar 2021) und ist zum Selbstkostenpreis bei Hans Pfannenstein erhältlich.
Hochzeit bis Vereinsfest: Die Fotos werden digitalisiert und anschließend wieder zurückgegeben.

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