27.11.2018 - 17:30 Uhr
Oberpfalz

Willensstark und tugendhaft

Die Heilige Barbara ist heute noch sehr präsent im vorweihnachtlichen Brauchtum. Viele Menschen schneiden am 4. Dezember einen Kirschzweig ab und stellen ihn ins Haus. Mit etwas Glück blüht er zu Weihnachten.

Die Geschichte der Heiligen erzählen die behutsam renovierten Fresken der gotischen Barbara-Kapelle des Franziskaner-Klosters, die heute im Diözesanmuseum in Pilsen zu sehen sind.

Historisch Gesichertes wissen wir von der Heiligen Barbara sehr wenig. Was über sie bekannt ist, entstammt ausnahmslos der Heiligenerzählung, der Legende. Sie zählt offiziell zu den Vierzehn Nothelfern. Am 4. Dezember ist Barbara-Tag.

Auch Legenden enthalten "Wahrheiten", die es zu entschlüsseln lohnt. Sie scheint vor dem 7. Jahrhundert im byzantinischen Raum entstanden zu sein. Von hier aus gelangt die Legende nach Italien. Als um das Jahr 1000 die türkischen Heere Kleinasien überrennen, werden ihre Reliquien im Kloster S. Giovanni Evangelista in Torcello "in Sicherheit" gebracht.

Die Geschichte der Heiligen erzählen beispielsweise die behutsam renovierten Fresken der gotischen Barbara-Kapelle des Franziskaner-Klosters, die heute im Diözesanmuseum in Pilsen zu sehen sind. Sie berichten von der schönen Barbara, der ihr Vater Dioskuros alles angedeihen lässt, was ein wohlhabender Kaufmann seinem Kind bieten kann: ein schönes Zuhause, eine gute Ausbildung und die Erfüllung vieler Wünsche. Dies alles unternimmt der heidnische Vater, damit Barbara keinesfalls Christin wird oder sich zu einer Heirat verleiten lässt.

Heimlich getauft

Das Mädchen darf sich in einem Turm ihre Wohnung einrichten und wird von guten Lehrern unterrichtet. Von einem von ihnen erfährt sie vom Christentum und lässt sich taufen. Um einen eigenen Betraum zu haben, der auch Treffpunkt für andere Christen sein soll, erbittet Barbara von ihrem Vater die Einrichtung eines Badezimmers. Auch diesen Wunsch erfüllt der Vater. Barbara lässt zusätzlich zu zwei Fenstern ein drittes einfügen - als Lob an den dreifaltigen Gott. Vor die Wahl gestellt, einen heidnischen Mann zu heiraten oder grausam bestraft zu werden, flieht sie vor dem Vater, der sie mit gezücktem Schwert verfolgt. Auf der Flucht öffnen sich Barbara die Felsen und verbergen sie. Ein Hirte beobachtet das und verrät sie bei ihrem Vater. Dieser schleppt sie nach Hause und misshandelt sie schwer. Qualvolle Marter erfolgt auch nach dem Gerichtsurteil.

Vom Blitz erschlagen

Der Vater schlägt ihr den Kopf ab. Auf dem Nachhauseweg wird der grausame Mann vom Blitz erschlagen. Das soll an einem 4. Dezember geschehen sein. Zur dieser Legende wird zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt, dass Barbara versprochen worden sei, dass kein Mensch, der sie anrufe, ohne Sterbesakramente sterben werde.

Worin besteht aber nun die Wahrheit der Legende? Im Mittelalter und den nachfolgenden Jahrhunderten wird weniger nach dem verborgenen Sinn gefragt. Den Menschen ist die Verheißung wichtig: Wer die Heilige Barbara anruft, wird nicht ohne Sterbesakramente sterben.

Dargestellt wird sie stets mit einem Turm, der in der Legende eine wichtige Rolle spielt. Der Turm sei das "Rückzugsgebiet" der Heiligen gewesen, habe ihr Sicherheit gegeben, erklärt die kirchliche Forschung. Durch die drei Fenster im Turm möchte Barbara ihre Weltsicht verdeutlichen. Es sei ihr nicht egal, wie sie in die Welt hinaus sehe. Es sei ihr auch nicht egal, wie sie von der Welt gesehen werde.

Der Turm ist in der Antike und im Mittelalter das befestigte Haus des Adels. Den Kern unserer Burgen bilden die Türme, die Bergfriede. Wer auf den Zinnen des Turms steht, hat den Überblick, kann unbeholfenen Angriffen leicht trotzen. Aber der widerstandsfesteste Turm ist auf die Dauer nichts wert, wenn er keinen Brunnen in die Tiefe hat. Der freie Zugang zum Leben spendenden Wasser macht den Turm erst zum Lebensretter.

"Die Fremde"

Der Namen der Heiligen ist uns sehr vertraut. Viele Frauen haben sie als Namenspatronin. Die alte Bedeutung ihres Namens kennt jedoch kaum noch jemand. Wird der Name als "Barbára" betont, hören wir eine neue, ganz andere Variante. "Die Fremde" wäre eine höfliche Übersetzung, "die wilde, ungebildete Andere" trifft den Sinn schon eher. Barbara war ursprünglich kein Rufname, sondern eher ein Spitzname: "Barbarin". Die Heilige wird damit gekennzeichnet als eine Andersartige, nicht Eingegliederte, die auf die Menschen fremd wirkte. Sie ist in ihrer Gesellschaft wohl eine Geächtete.

Die historische Existenz von Barbara ist zwar ungesichert, doch die Beliebtheit der schönen, klugen und standhaften Frau zeigt sich in zahlreichen Bräuchen, die bis heute praktiziert werden. Am verbreitetsten sind die Barbarazweige: Von Kirsch- oder Apfelbäumen werden am 4. Dezember Zweige abgeschnitten und ins Wasser gestellt. Mit etwas Glück blühen die Zweige zu Weihnachten. Der Brauch soll an die Gefangenschaft der Barbara erinnern: In der Zelle habe die zum Tod verurteilte Barbara einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt. Der Zweig beginnt zu blühen und spendet ihr Trost in den letzten Tagen ihres Lebens. Somit ist Barbara auch eine Lichtbringerin. Was am Barbaratag als Zweig wie tot aussieht, wird in der Heiligen Nacht blühen und das Leben in seiner Fülle zeigen. In den Blüten leuchtet uns das Leben entgegen.

Tschechische Barborkas

Am Vorabend von St. Barbara finden früher in der Tschechischen Republik die "Barborky Umgänge" statt. Mit der Heiligen Barbora (Barbara) haben sie aber nur den Namen gemeinsam. Das Wort Barborka ist die Verkleinerungsform von Barbora. Die Barborkas besuchen am Vorabend des Feiertages, also am 3. Dezember, die Menschen in den Dörfern. Sie ziehen vor 1938 auf dem Lande vom Haus zu Haus.

Ihre Kleidung variiert von Region zu Region. So tragen die Barborkas zum Beispiel ein weißes Kleid und haben um die Taille ein breites blaues oder rotes Band mit langen flatternden Enden. Das Haar kämmen sie sich ins Gesicht, damit sie nicht zu erkennen sind. Auf den Kopf setzen sie sich ein Blumenkränzchen, als eine Art Krone. In der rechten Hand halten sie einen Kehrbesen und in der linken ein Bündel oder einen Korb mit Geschenken. Anderswo tragen die Frauen ein weißes, feines Tuch und einen Tüllschleier oder ein schwarzes Kleid. Sie klopfen an den Türen der Häuser des Dorfes. Beim Eintreten in die Stube sagen sie: "Wir sind zu euch aus der Kapelle von Drazic (eine Kleinstadt in Südböhmen) gekommen. Wir wollen die Kinder zu prüfen, ob sie auch brav sind. Zu ihnen kommt ja bald aus der weiten Ferne der heilige Mikulás mit vielen Geschenken. Schon die Engel haben gesagt, wo die Kinder brav sind, wird ihnen der Mikulás wunderschöne Geschenke bescheren." Also eine Ermahnung brav zu sein und vielleicht die Chance für manch kleinen Racker, sich vor dem Nikolaustag zu besinnen. (cr)

Die Hl. Barbara - Schutzpatronin ...:

... des Bergbaus, der Türme, Festungsbauten und der Artillerie, der Bergleute, Geologen, Architekten, Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Bauern, Metzger, Köche, Glöckner, Glockengießer, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, Artilleristen, Waffenschmiede, Sprengmeister, Buchhändler, Bürstenbinder, Goldschmiede, Sprengmeister und Salpetersieder, der Mädchen, Gefangenen und Sterbenden; für eine gute Todesstunde; gegen Gewitter, Feuersgefahren, Fieber, Pest und jähen Tod. (Quelle: Ökomenisches Heiligenlexikon).

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