13.12.2019 - 18:13 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Bayerns Retter trainieren den Ernstfall jetzt in der Oberpfalz

In Windischeschenbach ist das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen wie Terroranschläge oder Amokläufe eröffnet worden. Hier üben künftig haupt- und ehrenamtliche Retter aus Bayern, Deutschland und dem Ausland den Ernstfall.

Retter und Polizisten simulieren eine blutige Beziehungstat im neuen Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen.
von Julian Trager Kontakt Profil

Draußen vor der Halle im Gewerbegebiet Neuhaus parken sieben Polizeiautos, ein Sanka, Notarztwägen und weitere Rettungsfahrzeuge. Ein Hubschrauber steht in der nahen Wiese. Ein besonderer Einsatz? Ja, ein ganz besonderer: Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat am Freitag in Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN) das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) eröffnet. In der bundesweit einmaligen Einrichtung trainieren Hilfsorganisationen für den Einsatz bei Amok- und Terrorlagen, bei Naturkatastrophen. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK), Malteser, die Johanniter und der Arbeiter-Samariter-Bund sind die Betreiber.

Herrmann, auffallend oft am Lächeln, freut sich über die Eröffnung. "Das ist höchst dringend und gleichzeitig großartig", sagt er bei seiner Ankunft in die Kameras der zahlreichen Fernsehteams, von denen einige nach seiner Rede schnell wieder verschwinden. In letzter Zeit häuften sich Terroranschläge, Amoklagen oder Naturkatastrophen, so der Innenminister. "Gerade in solchen Situationen brauchen wir eine optimale Zusammenarbeit. Und genau das wollen wir hier üben." In seiner Rede erinnert er an die "schreckliche Woche im Juli 2016", an den Terror in Würzburg und Ansbach sowie an den Amoklauf in München. Solche Einsätze seien zwar nicht Alltag, "aber wir müssen darauf vorbereitet sein, dass so etwas in unserem Land wieder passiert", warnt Herrmann.

Deswegen habe der Freistaat viel investiert, für die erste Phase wurden 5,2 Millionen Euro bewillgt. Für die zweite Phase, im nächsten Jahr soll neben der Halle ein weiteres Trainingszentrum entstehen, habe man gerade erst 20 Millionen Euro zugesagt. Mit der Wahl von Windischeschenbach als Standort wolle der Freistaat ein Zeichen setzen, die Region weiter stärken. "Hier tut sich was", lobt der Minister. "Hier ist das Zentrum gut aufgehoben."

Der erste Blick ins Zentrum

Neuhaus/Windischeschenbach

Nach den Reden, in denen der Wert der Zusammenarbeit und der Respekt vor Ehrenamtlichen im Fokus steht, gewähren Retter und Polizisten einen kurzen Blick in das Training. Die Einsatzkräfte simulieren eine blutige Beziehungstat - mit Maschinenpistolen und Mikrofonen. Der Einsatz wird von mehreren Kameras gefilmt und auf der große Leinwand gezeigt.

"Das ist eine ganz neue Art zu lernen", findet Sebastian Windschügl. Der Bereitschaftsleiter des BRK-Kreisverbands Weiden und Neustadt ist Trainer am BayZBE und war einer der ersten, der dort üben durfte. "Wahnsinn, was man mit der Technik machen kann." Die Simulationen, der Stress-Faktor seien sehr realistisch. "Da ist man gleich im Tunnel", sagt Windschügl.

Die ersten Lehrgänge starten im Januar. Das erste Halbjahr sei bereits gut gebucht, sagt Thomas Haas, einer von zwei Geschäftsführern des BayZBE. Aber: "Es sind schon noch Plätze frei." Anfragen kämen auch aus Österreich, Tschechien und der Schweiz. "Aber die ersten Lehrgänge sind für unsere bayerischen Einsatzkräfte."

Gute Laune: Innenminister Joachim Herrmann (links) freut sich mit BRK-Präsident Theo Zellner (Zweiter von links) und vielen Vertretern der bayerischen Hilfsorganisationen über die Eröffnung des Bayerischen Zentrums für besondere Einsatzlagen in Windischeschenbach.
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