Windischeschenbach
11.04.2023 - 11:13 Uhr
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Berliner Familie kauft Campingplatz Schweinmühle: So läuft's nach einem Jahr in der Oberpfalz

Seit einem Jahr betreibt eine Familie aus Berlin den Campingplatz Schweinmühle bei Windischeschenbach. Chefin Celina Dinger erzählt, warum sie den Schritt von der Großstadt in die Oberpfalz noch keine Sekunde lang bereut hat.

Als einer der Gäste "noch an Pfiff" bestellt, ist Celina Dinger ratlos. "Das kannte ich nicht", gibt sie zu. "Da musste ich meine Bedienung fragen." Inzwischen weiß sie, dass mit "Pfiff", ein ungefähr halb gefülltes Glas Bier gemeint ist, das meist von jemandem bestellt wird, der eigentlich schon längst heimgehen wollte, sich aber dennoch zum Bleiben entschlossen hat. Celina Dinger stammt aus der Nähe von Berlin. Vor eineinhalb Jahren hat sie zusammen mit Ehemann Daniel, dessen Bruder und den Schwiegereltern den Campingplatz und die Gaststätte Schweinmühle bei Windischeschenbach gekauft.

"Den Oberpfälzer Dialekt werde ich wahrscheinlich nie ganz lernen", erzählt die 32-Jährige schmunzelnd. "Doch mittlerweile verstehe ich das meiste." Auch bei ihren Töchtern, die in Windischeschenbach in die Schule und in den Kindergarten gehen, hat sie bemerkt, dass sich immer mehr bayerische Ausdrücke einschleichen. Wie etwa "Wurscht" statt "Wurst". Auch dass der Junge hier ein Bub ist, war den Kindern neu.

Zweite Sommersaison startet

So kurz vor Beginn der zweiten Sommersaison auf der Schweinmühle kann Celina Dinger jedoch ganz klar sagen: "Wir sind angekommen." Mittlerweile weiß die Familie, was sie erwartet. 2022 wusste sie das nicht. "Wir sind ins kalte Wasser gesprungen", blickt die Wirtin zurück. Auf dem Campingplatz seien im vergangenen Jahr zu Ostern alle 90 Plätze belegt gewesen. Danach habe es sich wieder beruhigt. "Aber es hat gepasst", kann Celina Dinger im Nachhinein mit Stolz behaupten.

Auch der Vatertag sei "der absolute Wahnsinn" gewesen. Die ganze Familie und auch Freunde hätten mit angepackt. "Wir haben nicht erwartet, dass unser Angebot so gut angenommen wird", sagt sie und gibt gleichzeitig zu, dass man auch an solchen Tagen viel gelernt habe, was man besser machen könne. Zum Beispiel eine kleinere Karte anbieten, um die Speisen auch bei Ansturm schneller servieren zu können. Celina Dinger kommt beruflich zwar nicht aus der Gastronomie, hat aber als gelernte Hauswirtschafterin durchaus Ahnung von der Materie.

Zelte in Berlin abgebrochen

Die Idee, einen Campingplatz zu kaufen, sei irgendwann einmal bei einem Fest an einem Lagerfeuer entstanden. Celina Dinger hat in den Tagen danach gegoogelt und ist so auf die Schweinmühle gestoßen. Die Entscheidung, in Berlin alle Zelte abzubrechen und einen Campingplatz in der Oberpfalz zu kaufen, habe die Familie keine Minute bereut. "Natürlich gibt es auch stressige Tage, an denen man nicht weiß, wo oben oder unten ist, aber damit haben wir gerechnet", erzählt die junge Frau. Immer wieder habe sie von Einheimischen gehört, dass der Oberpfälzer an sich sehr schroff sein soll. "Doch das kann ich nicht bestätigen", sagt sie. Viele hätten auch gefragt: Wie konntet ihr nur freiwillig hierher ziehen? Auch hier kann die ehemalige Berlinerin nur sagen: "Wir sind sehr gut aufgenommen worden."

Tiere gab's auf der Schweinmühle schon immer. Der kleine Streichelzoo war auch zu Zeiten von Vorbesitzer Hans Senft ein beliebtes Ziel für Eltern mit Kindern. Die Dingers wollen diese Tradition auf jeden Fall fortführen und haben sogar noch ein paar Tiere mitgebracht beziehungsweise zusätzlich angeschafft. Von Berlin in die Oberpfalz zog etwa die Spornschildkröte "Spike" um. "Die haben wir schon seit 2010, eine sehr große Rasse. Mittlerweile wiegt sie 45 Kilogramm." Die Hühner, die Celina Dinger ebenfalls aus Berlin mitgebracht hat, sind inzwischen vom Marder gefressen worden. Um die neue Hühnerschar vor weiteren Angriffen zu schützen, sind ins Gehege zwei Minischweine mit eingezogen. Außerdem gibt es noch die Ponys „Jan“ und „Henry“, die Eseldame „Emma“ sowie viele Ziegen und Hasen.

Die Arbeit, die neben der Gaststätte und dem Campingplatz so anfällt, hat sich die Familie aufgeteilt. "Ich kümmere mich um die Tiere, die Jungs machen alles Handwerkliche, und meine Schwiegereltern betreiben den Hofladen", berichtet Celina Dinger. "Doch ein Jahr ist an Erfahrung noch viel zu wenig", meint sie. "Das Ganze ist ein Marathon und kein Sprint."

Auch Anfragen im Winter

Obwohl der Sommer die Haupturlaubszeit auf der Schweinmühle ist, kämen auch im Winter immer wieder Anfragen von Campern, die auf der Durchreise Station machen oder als Monteure eine Zeitlang in der Region zu tun haben. Auch der Gaststättenbetrieb sei im Winter anders: "Wir hatten viele Weihnachtsfeiern", blickt die 32-Jährige zurück.

Für die kommende Saison hat sich Familie Dinger vorgenommen, den Badeweiher herzurichten. "Ausgebaggert ist er schon", erzählt Celina Dinger. "Wir wollen auch noch ein Holzdeck bauen und einen kleinen Strand mit weißem Sand anlegen."

Hintergrund:

Campingplatz Schweinmühle

  • in der Nähe von Windischeschenbach
  • 90 Stellplätze
  • gehörte viele Jahre lang der Familie Senft
  • seit einem Jahr betreibt die Familie Dinger Campingplatz und die dazugehörige Gaststätte
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