Papa Marco arbeitet als Büroleiter in der Deutschen Botschaft in Seoul. Jule (14) und Eric (17) besuchen die deutsche Schule in der Hauptstadt Südkoreas, und Mama Silvia engagiert sich bei SIWA, der Seoul International Womens Association, einer Art Serviceclub. Seit Mai lebt die Familie, zu der auch noch Dackelrüde "Benny" gehört, in Fernost. Die Monate davor haben die vier das Haus in der Hauptstraße als Anlaufpunkt in Deutschland weitgehend in Eigenregie hergerichtet. In der Oberpfalz schwärmt Silvia von Zoigl, dem Essen, und sie geht gerne Schwammerl suchen.
"Um koreanisch gegrillten Bauchspeck mit Stäbchen zu essen oder die langen Nudeln in der Suppe zu zerschneiden, bestellst du im Restaurant eine Schere", berichtet Eric. Das koreanische Essen sei phänomenal, pflichten ihm die anderen Familienmitglieder bei. Schon jetzt weiß das Quartett, dass es Kimchi nach der Rückkehr aus Seoul in drei Jahren vermissen wird. Silvia will ausprobieren, den fermentierten Kohl sowie Makgeolli, eine Art Reisbier, selbst herzustellen. Als Projekt bezeichnet es Marco, Gäste in Korea mit selbst fabrizierten groben Bratwürsten zu überraschen.
Begeistert ist die Familie vom öffentliche Nahverkehr in Südkorea: "super pünktlich, super billig, super sauber". Eine App zeigt nicht nur an wann, sondern auch wie voll der Bus oder die U-Bahn ist, die als nächste kommen. "Mit dem Bus würde ich hierher nach Windischeschenbach nicht finden", meint Silvia.
Schnelle Anbindung
Die Koreaner seien unter den Bewohnern der meisten asiatischen Länder die anspruchsvollste Zielgruppe, beobachtete Marco. Deshalb gelte das Land als Indikator, ob Entwicklungen auch anderswo Erfolg hätten. Schnelles Internet sei bald bis in den hintersten Winkel Standard. "Mitten im Chilli- oder Reisfeld auf der Insel Ganghwa gibt es 4G- beziehungsweise LTE-Empfang. 5G gibt es in Seoul und soll flächendeckend, auch in entlegenen Gegenden, bis 2020 umgesetzt sein." Mit dem Feldstecher könne man von Ganghwa aus nach Nordkorea schauen. "Hier fährst du raus zum 'Waldfrieden' und hast gar kein Netz mehr."
Vier Jahre Bukarest, vier Jahre Köln-Bonn, jetzt vier Jahre Südkorea. Marco Wenzl spricht von betreutem Auswandern auf Zeit. "Vom Tag der Auswahl etwa zwei Jahre vor der Abreise bis zum Tag der Heimkehr gibt es immer einen Ansprechpartner bei der Bundeswehr." Der Stabsfeldwebel hat sich für die diplomatischen Auslandsaufgaben beworben. Er diente zuvor bereits im klassischen Militärdienst etwa ein Jahr im Kongo und in Afghanistan. "Ich wollte in Vorleistung gehen, wenn ich etwas fordere."
Einige Jahre lang hatte der Berufssoldat aus der Oberpfalz bereits Interesse bei seinem Dienstherren für eine Versetzung an eine Botschaft irgendwo in der Welt bekundet. In Afghanistan erreichte ihn der Anruf, dass er wählen könne zwischen Rumänien und Bulgarien. "Sofia und Bukarest standen sicher nicht auf unserer Liste", erinnert sich der 44-Jährige. Bis zum nächsten Morgen sollte er für eine der beiden Städte zusagen. "Es war eine Bauchentscheidung", sind sich Marco und seine ein Jahr jüngere Ehefrau einig. Die sollte sich als richtig erweisen.
Trauerfeier organisiert
"Bei uns wird Rumänien unterschätzt, man hört nur das Negative", weiß Marco. "Die 2001 und 2004 geborenen Kinder waren auf der amerikanischen Schule." Als dienstlichen Höhepunkt nennt Wenzl die Organisation einer Trauerfeier auf dem großen deutschen Soldatenfriedhof in Bukarest. Protokollarisch musste alles stimmen, von der Kranzniederlegung bis zum Empfang.
Obwohl Familienmensch, genoss er in der Freizeit auch die Motorradtouren in die Karpaten. Bei einem Besuch würden Wenzls an ihrem ehemaligen Haus vorbeischauen, ins Konzerthaus Athenäum gehen und aufs Land fahren.
Zurück in Deutschland, fing die Familie im Rheinland in Brühl wieder bei Null an. In Silvias Heimat hatte sie im schwäbischen Weingarten bei Ravensburg Haus und Wohnung. Doch beides war vermietet. "Für mich ist ein Neuanfang kein Problem", sagt Marco. "Ich gehe in die Kaserne und arbeite weiter."
Diplomat ja, Arbeit nein
Schwieriger ist das für Ehefrau Silvia. Während der Auslandseinsätze von Marco fühlte sie sich wie eine verheiratete Alleinerziehende. Im diplomatischen Dienst begleitet die Familie Marco. Alle genießen Diplomatenstatus, aber eine Arbeitserlaubnis für Partner gibt es im Ausland nicht ohne weiteres. In Köln profitiert Silvia auch vom vorbereitenden einjährigen Koreanisch-Kurs beim Bundessprachenamt.
Als Büroleiter des Militärattachés in Seoul startet Wenzls Arbeitstag wie der der meisten Büroangestellten: Mails checken. "Wenn ich abends heimgehe, fangen die Kameraden in Deutschland wegen der Zeitverschiebung an zu arbeiten." Der restliche Tag besteht aus Besprechungen, organisatorischen Aufgaben, Außenterminen und dem Aufbau und der Pflege von Netzwerken auch mit Vertretern der gleiche Hierarchiestufe anderer Botschaften. Die sind wichtig, um bei Problemen aller Art schnell weiterzukommen. Wenzl kümmert sich bei Staatsbesuchen um seine Kollegen von der Flugbereitschaft, betreut Gruppen oder politische Entscheidungsträger, welche die Botschaft besuchen.














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