12.07.2019 - 13:50 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

CSU nominiert Andreas Meier als Landratskandidat für Neustadt/WN

Eine gute Dreiviertelstunde bewirbt sich Andreas Meier bei seiner Kreis-CSU um die erneute Nominierung als Landratskandidat. 193 von 198 Delegierten sind danach dafür. Ein Satz in Meiers Rede hat ihnen ganz besonders gefallen.

Er sei vorher nervös gewesen, gesteht Andreas Meier bei der Nominierungsversammlung der Kreis-CSU auf dem Schafferhof. Das entpuppt sich nach der Wahl als unbegründet. Zwei Minuten stehender Applaus und 97,9 Prozent der Stimmen sind ein überaus stattliches Ergebnis.

Der Kommunalwahlkampf für den Urnengang im März 2020 ist mit dem offiziellen Antritt des Amtsinhabers eröffnet. Das hebt am Donnerstagabend in der Schwüle der proppenvollen Schafferhof-Tenne aber keiner hervor. Im Gegenteil: Meier erwähnt politische Konkurrenten in Bilanz und Vorschau mit keinem Wort.

Zum Austeilen nimmt er sich eine schwerere und fernere Ebene vor - den Europäischen Rat. Wie die Regierungschefs den Wählerwillen und das EU-Spitzenkandidatenprinzip missachteten, sei "beschämend". Die Quittung bekäme "die Politik" auch auf kommunaler Ebene. "Vertrauen und Verlässlichkeit müssen aber die Grundlagen jeglicher politischer Arbeit bleiben."

Obst und Ortsumgehung

Da brandet zum ersten Mal Beifall auf. Der ist an folgenden Stellen besonders laut: "Stellt man die Restschulden des Landkreises von 5,7 Millionen Euro unseren Rücklagen in gleicher Höhe gegenüber, sind wir de facto schuldenfrei"; "Wir stehen zur Ortsumgehung Mantel und bauen diese Straße. Wir warten fast täglich auf den Planfeststellungsbeschluss"; "Wenn es kein staatliches Obstprogramm für Krippenkinder gibt, dann zahlen wir diese 10 000 Euro aus eigener Tasche", "Uns sind alle Schulformen gleich wichtig, von der Förderschule bis zum Gymnasium."

Bei Bauprojekten setze der Landkreis auf regenerative Energien und nachhaltige Baustoffe. Apropos Ökologie: "Der Naturpark Nördlicher Oberpfälzer macht sich seit Jahrzehnten für Nachhaltigkeit, Artenschutz und regionale Produkte stark und nicht erst seit ,Rettet die Bienen'." Auch das ist den Vertretern aus den 38 CSU-Ortsverbänden reichlich Applaus wert.

Meier präsentiert seine Heimat immer wieder als "Macher-Landkreis". In dem werden Klassenzimmer und Behörden digitalisiert, alte Gebäude saniert, die Energieversorgung modernisiert sowie in Bildung, Soziales, Infrastruktur und Kultur investiert. In so einem Umfeld lasse es sich gut leben. Dass müsse allerdings in die Köpfe von Einheimischen und Auswärtigen. Daher entwickle das Landratsamt die Imagekampagne "Denk mal NEW" beständig weiter. Seit Kurzem umgarnt es staugeplagte und gehetzte Großstädter mit Radio-Werbung am Freitagnachmittag auf Bayern 3. Den einzigen kräftigen Nadelstich setzt Meier bei der Kliniken AG. "Ich will hier Innovationen sehen. Wir brauchen landkreisweit flächendeckend medizinische Versorgung." Er lese davon, dass bei den Kliniken Kosten und Verluste gedrittelt werden sollen. "Wir haben gemäß unserem Anteil aber nur 1,5 Prozent zu sagen. Es kann nicht sein, dass man uns moralisch unter Druck setzt. Mehr Engagement ja, aber nur gegen mehr Mitsprache."

Soll aber keiner auf die Idee kommen, darin einen Schwenk Richtung Konfrontation zu erkennen. "Bei der Zusammenarbeit mit Tirschenreuth und Weiden haben in den vergangenen sechs Jahren die unterschiedlichen Parteibücher nie eine Rolle gespielt." Im Gegenteil: Die Ansiedlung des gemeinsamen Atemschutzzentrums und des Zentrums für besondere Einsatzlagen in Neuhaus seien Musterbeispiele erfolgreicher interkommunaler Zusammenarbeit.

Versöhnungsgeste

Noch besser gefällt der Basis eine Streicheleinheit für die Parteiseele. "Rup, entschuldige dafür, was letztes Jahr war", reicht Meier dem Neustädter Bürgermeister die Hand. Der hatte vor einigen Monaten die Wirtschaftsförderung des Landratsamtes scharf kritisiert. Meier hat ihn daraufhin als "Silberrücken" bezeichnet, dessen Zeit abzutreten, gekommen sei. Das kam in einigen Ortsverbänden nicht gut an.

Bei der Versöhnungsgeste zeigt das gefühlte Klatsch-Barometer den stärksten Ausschlag. Die CSU liebt das "Mia san mia" mindestens so wie der FC Bayern. Auffällig: Bereits vergangene Woche hatte Rupert Troppmann im Neustädter Stadtrat das Landratsamt lauthals gelobt, weil es einen Datenschutzbeauftragten einstellt, der die Kommunen unterstützt. Hinter all dem ein taktisches Manöver zu vermuten, lässt die gelöste Stimmung im Saal kaum zu. Es bliebe Sache der Opposition.

Für CSU-Kreischef Stephan Oetzinger ist daraus nur ein Fazit möglich: "Andreas Meier ist der Richtige für dieses Amt. Er hat ein Gespür für die Menschen." 97,9 Prozent der Delegierten sehen das bei der Abstimmung genauso.

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