12.07.2019 - 18:07 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

"Nach dem fünften Zoigl geht's"

Frank Holzförster ist Leiter des Geo-Zentrums an der KTB in Windischeschenbach - und ein Zugereister. In unserer Serie "Zugroast" erzählt er, warum er die Oberpfalz mag. Nur mit der Sprache hapert's noch.

Frank Holzförster lebt seit 2008 in der Oberpfalz.
von Julian Trager Kontakt Profil

Ein Forschungsbohrloch hat ihn in die Oberpfalz gelockt: Frank Holzförster ist seit 2008 Leiter des des Geo-Zentrums an der KTB (Kontinentale Tiefbohrung) in Windischeschenbach. Der 50-Jährige lebt in Pirk (Kreis Neustadt/WN), ursprünglich stammt er aus Fuldatal-Simmershausen bei Kassel. Aus einer Region, die gar nicht so unähnlich zur Oberpfalz ist, wie er betont. Vielleicht mit ein Grund, warum er sich in seiner neuen Heimat so wohlfühlt.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Frank Holzförster: Grantler? Nein. Sturkopf? Wenn damit unverrückbare Zielstrebigkeit gemeint ist, dann ja.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Ich hatte keine Vorurteile über die Oberpfalz. Es war halt eine Region, die einfach ein großer weißer Fleck auf meiner persönlichen Landkarte war. Selbstverständlich war für mich als Geologe Windischeschenbach mit dem Forschungsbohrloch ein Begriff. Da ich von Würzburg aus in die Oberpfalz gezogen bin, gab es über den Fasching in Franken auch gewisse Kenntnisse zu einer etwas schrägen Feuerwehrkapelle aus der Oberpfalz, die herrlich boshaft über Franken schimpfte. Meine Erwartungen waren, mich beruflich am Geo-Zentrum an der KTB kräftig einzubringen und in einer Region mit viel Landschaft gut mit meiner Familie leben zu können. Das hat sich beides voll erfüllt.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Nein, meine alte Heimat sind aber auch viele verschiedene Orte im In- und Ausland. Ursprünglich stamme ich aus einem Dorf vor den Toren von Kassel. Diese Region ist der nördlichen Oberpfalz nicht ganz unähnlich. Die Landschaft ist hügelig, es gibt viel Wald, man bezeichnet beides als Bayerisch- beziehungsweise Hessisch-Sibirien, und man hält die Leute gerne für Dickschädel. Nachdem ich seit nunmehr 30 Jahren aus der alten Heimat fort bin, sind dort meine Wurzeln und einige liebe Menschen, die ich zwei- bis dreimal im Jahr besuche.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Wir erzählen gerne, wie schön hier die Landschaft ist, wie ruhig man leben kann und trotzdem per Schiene und Straße schnell an die große weite Welt angebunden ist. Das, was ich zuerst zeige, sind das Geo-Zentrum an der KTB mit dem höchsten Bohrturm der Welt, die Stadt Weiden, die Biergärten und Zoiglstubn oder auch einfach die herrliche Landschaft um meinen Wohnort.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Nach dem fünften Zoigl geht’s. Sonst bin ich dankbar, wenn man hochdeutsch mit mir redet.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Ja, schon. Ich fühlte mich hier sehr schnell zu Hause. Aber um ein echter Oberpfälzer zu sein, muss man wohl wirklich hier geboren sein und die Sprache sprechen. An der Sprachprüfung wird meine Einbürgerung dann letzten Endes auch sicher scheitern.

Neue Heimat Oberpfalz: Alle Artikel zur Serie

Serie "Zugroast":

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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