17.02.2020 - 12:57 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

"I moch de wäi d'Sau": Tremls musikalische Liebeserklärung zum Valentinstag

Eine Lehrstunde für Oberpfälzer Dialekt, musikalisches und komödiantischen Könnens ist der Liederabend am Valentinstag am Schafferhof.

Keine Scheu vor dem Publikum haben Hubert Treml (mit Hut) und Franz Schuier. Der Saal im Schafferhof ist am Valentinsabend g'steckt voll.
von Redaktion ONETZProfil

Ein musikkabarettistischer Liederabend im Schafferhof mit Oberpfälzer Liebeserklärungen am Valentinstag? Das war das bekannte Kleinkunst-Duo Hubert Treml und Franz Schuier mit mal poetisch-besinnlichen, mal groovigen Blues-, Folk-, Rock- und Popklängen. Das war a g'steckt voller Saal, in dem sogar einige Zuhörer mit auf der Bühne saßen und flugs zum "Background-Chor" ernannt wurden. Das war eine Lehrstunde in Sachen Mundart, ein wortgewandtes, melodiöses, uriges, über zweistündiges Erlebnis in einer laut Treml "wunderbaren Location".

Passend zum Anlass informierte er, wie sich denn eine echte Oberpfälzer Liebesbezeugung anhört: Angefangen von "Ich moch de" mit der leidenschaftlichen Steigerung "wäi d'Sau" über "Ich hob di (fei) gern" und den möglichen Einfügungen "narrisch" oder "sakrisch" bis zum lapidaren "Du taugst ma" und "Passt scho". Immerhin könne man bei späterem Misserfolg behaupten, dass von Liebe nie die Rede war. Ganz Kreative gelangen gar zu Beschreibungen wie "Du bist für mi wäi a frischer Zoigl in da Wüst'n".

Dieses Thema beherrschte natürlich auch die präsentierten Eigenkompositionen und die Coverversionen – vor allem von Bruce Springsteen, aber auch den Beatles oder Liza Minelli, deren "New York, New York" einfach zu "Neihaus, Neihaus" geriet. Dabei wurden die Besucher aktiv mitgenommen: durch rhythmisches Klatschen und Fingerschnippen, durch Mitsingen der Endreime und Refrains oder gar als polyphoner Chor bei "Jeder vo uns houd a hungrigs Herz". Da begaben sich die zwei Musiker schon mal beim G'stanzl "Mei Moidl kummt vo Grafawehr" mitten unter die Leute und traten mit ihnen in Kommunikation. Hubert sang "Es stäiht a Pferdl in da Schweiz", mit dem er gern tauschen würde, weil es von einem Moidl gehütet wird, das ihn verzaubert hat. Im Song "Fire", der zu "Feia" wurde, ging es um ein heißes Liebesabenteuer, aus "Can't help falling in love" wurde "Wenn i nix gecha mei Liebe dou", "Yesterday" hieß im Dialekt "Spiegelei (und Lebakaas)" und bei "Dancing in the dark" lautete die Weisheit "Du entfachst koi Feia, wenn'st koin Funk'n housd". Sehr lyrisch interpretierte das Duo "Du, i mog di so, Moidl, renn' ma niad davo", "Wenn i zruckfalln sollt, woart af mi" (If I should fall behind). Auf große Begeisterung und Resonanz stießen Tremls Hits: der "Unterhemd-Brando vom Hammaweg", das "Annamirl am Stodldouatirl" in Bluesform, "Obladi oblada, s'Leb'm lafft weida" und besonders "Ich bin ganz nasch af oine hint' vo Pfaffareith und ihra selwag'machte Erdbeermamalad.

Fast unmerklich konnte man wegen der witzigen Moderation, den gehaltvollen Dialekttexten der Songs und der Wechselbeziehung Künstler zu Publikum in Gefahr geraten, das beachtliche Können der beiden Vollblutmusiker auf ihren Instrumenten zu überhören. Singer und Songwriter Hubert Treml begleitete sich gekonnt und unaufdringlich auf seiner Gitarre. Er verstand sich nahezu blind mit seinem langjährigen Pianisten Franz Schuier, der nicht nur mit seinen Zwischenspielen und Begleitakkorden seine musikalische Virtualität bewies, sondern auch mit fast parodistischen Szenen voll aus sich herausging. Vehementes Fordern einer Zugabe erfüllten die beiden Musikpoeten gerne.

Pianist Franz Schuier und Gitarrist Hubert Treml auf der Bühne.
Franz Schuier baut auch die Melodica ins Programm ein.
Keine Scheu vor dem Publikum
Beifall von den Musikern Schuier und Treml für ein aktives, aufgeschlossenes Publikum
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