23.07.2019 - 13:24 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Juristin mit Gespür für Gestein im Geo-Zentrum an der KTB

Christina von Seckendorff ist neue Vorsitzende der Stiftung Geo-Zentrum.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Dass ein Mädchen zum Studieren geht, war Anfang der 1970er Jahre zwar nichts Exotisches mehr, aber ein technisches Fach? Außer vielleicht Medizin kam das kaum infrage. Also wurde Christina von Seckendorff Juristin. Eine recht erfolgreiche noch dazu. Sie brachte es bis zur Referatsleiterin im bayerischen Umweltministerium.

250 Kilometer entfernt, in Windischeschenbach, gilt diese Personalie als Glücksfall. Denn Christina von Seckendorff ist so begeistert von Geologie und Technik, dass sie dem Geo-Zentrum an der KTB in den vergangenen zwei Jahrzehnten alle Unterstützertüren in Ministerien und Ausschüssen aufgesperrt hat, zu denen sie in irgendeiner Form den Schlüssel besaß.

Seit Januar ist die Ministerialrätin pensioniert und nun häufiger denn je im Geo-Zentrum zu finden. Alle zwei Monate kommt sie für eine Woche vorbei, um dort Projekte zu besprechen, Finanzierungen zu kalkulieren und Ideen zu schmieden. Ende Mai übernahm sie den Vorsitz der Stiftung Geo-Zentrum vom früheren OBAG-Manager Gert Wölfel. Die Stiftung ist Grund- und Immobilieneigentümerin auf dem KTB-Gelände. Ihr Zweck ist Umweltbildung. Dazu greift sie einem Förderverein, der sich um Personal und Projekte kümmert, unter die Arme.

Wenn Christina von Seckendorff über ihre Aufgaben spricht, wird schnell klar, dass hier keine die Frühstücksdirektorin gibt. Das Gebäude mit Labor, Dauerausstellung, Shop, Vortragssälen, Außenanlagen und Cafeteria ist inzwischen elf Jahre alt. Da fallen demnächst die ersten Reparaturen an, die finanziert sein wollen.

Geld kostet auch das Strategische. Seckendorff und der neue Vorsitzende des Geo-Zentrum-Fördervereins, Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger, wollen den Bohrturm aufwerten und denken darüber nach, ihn bis ganz nach oben hin mit einer Treppe für Besucher begehbar zu machen. "Ich werde dazu bald mit dem Kuratorium sprechen. Vielleicht machen wir auch eine Spendenaktion."

Über Eintrittsgeld ist dies alles nicht zu stemmen. Die Besucherzahlen sind leicht rückläufig, nicht zuletzt, weil die Schulklassen kleiner werden. 2018 waren 22 400 Menschen auf dem Areal in Naabdemenreuth. Die bekommen indes viel zu sehen. Etwa eine neue Ausstellung zur Geschichte der Kontinentalen Tiefenbohrung, zu der der frühere Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuberim Video betont, dass mit diesem Projekt deutsche Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde.

Dazu kommt eine Rohstoffschau, in der auch Seltene Erden vorgestellt werden. Diese Metalle sind in aller Munde, wenn es um Handy-Komponenten und Motoren geht. Dass sie auch in der Oberpfalz vorkommen, verrät das Geo-Zentrum.

Unter anderem wegen dieser Besonderheiten will die frühere Leiterin des Referats für Bodenschutz und Geologie den Standort als außerschulischen und außeruniversitären Lernort erhalten. Nicht nur als Nische für Spezialisten. "Brennende aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben viel mit Geologie zu tun", unterstreicht von Seckendorff.

Den Draht zu den Entscheidern in der Landeshauptstadt lässt sie nicht abreißen. Ihrem Nachfolger im Umweltministerium hat sie bereits den Sitz im KTB-Stiftungskuratorium ans Herz gelegt. Und auch im Kultusministerium lässt die Stiftungschefin nicht locker: "Die Abordnung von Lehrern für den außerschulischen Lernort ist unverzichtbar." Klingt alles nur bedingt nach Pensionistendasein. Die Geologie-Liebhaberin sieht das ganz anders: "Das macht Spaß und hat mit Stress nichts zu tun. Ich bin sehr gern in Nordostbayern", sagt die waschechte Münchnerin.

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