07.09.2020 - 16:59 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Krise der Kulturbranche: Politik hat keine Lösung

Noch immer gibt es keine Aussicht für Kulturschaffende, wann und wie es weitergehen wird. Auch die Firma LTTG Showtechnic aus Windischeschenbach kämpft ums Überleben. Chef Tobias Grünes wendet sich an die Politik.

Tobias Grünes (zweiter von links) übergibt Politiker Albert Rupprecht eine Mappe mit den wichtigsten Infos, wo der Schuh in der Eventbranche drückt.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Tobias Grünes (52) ist seit 27 Jahren Veranstaltungstechniker, seit 24 Jahren gibt es seine Firma LTTG Showtechnic in Windischeschenbach. Die Auftragsbücher wären für dieses Jahr komplett gefüllt gewesen. Veranstaltungen in der Region - und deutschlandweit. Doch dann kam die Corona-Krise - und Grünes steht, so wie viele seiner Kollegen im Kulturbereich, vor einem Scherbenhaufen. Seine Ersparnisse, sämtliche Rücklagen zur Vorsorge - komplett aufgebraucht.

"Wir haben einfach nicht so eine große Lobby wie die Lufthansa", sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Hilferufe wie die "Night of Light" hätten zwar schöne Bilder für die Zeitung geliefert. Politisch aber habe sich "gar nichts" getan. Es gibt keine Aussicht, wann es irgendwann wieder weitergehen wird. "Private Feiern werden zwar genehmigt mit Hunderten von Leuten, aber größere Kulturveranstaltungen mit professionellem Hygienekonzept sind nicht erlaubt." Grünes kann darüber nur den Kopf schütteln. Er sagt: "Das versteht doch kein Mensch."

Am Freitagvormittag besucht Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht Tobias Grünes und seinen Sohn Jonas (23) am Firmensitz in Windischeschenbach. Eine Powerpoint-Präsentation hat Grünes vorbereitet, sogar eine Mappe zusammengestellt, in denen die Probleme nochmal konkret niedergeschrieben sind. Die wird er Rupprecht am Ende des Treffens überreichen.

Tobias Grünes (links) und Albert Rupprecht bei der Diskussion

Grünes' Firma ist ein Dienstleistungsunternehmen. Vier feste Mitarbeiter arbeiten dort, aber auf Veranstaltungen unterstütze regelmäßig ein größeres Team aus Freiberuflern. Grünes stellt Equipment für Veranstaltungen zur Verfügung. "Man muss da ständig investieren", sagt er dem Abgeordneten. "Das Material ist sehr schnelllebig, man muss immer auf dem neuesten Stand sein." Das allerdings ist aktuell für ihn finanziell nicht drin. Grünes berichtet von vielen Hürden durch unterschiedliche Verordnungen. Die erste Soforthilfe habe er "sofort" beantragt. Die zweite zu beantragen sei ein enormer bürokratischer Aufwand, wegen der starren Gesetze würden viele Kollegen durch das Raster fallen.

Herzblut hängt an der Firma, die sein Sohn Jonas eines Tages einmal übernehmen soll. Trotz finanzieller Schwierigkeiten will Grünes den Kopf aber nicht in den Sand stecken. Weitergehen müsse es ja. "Es ist aber schwierig, Gehör zu finden", sagt er dem Abgeordneten. "Wenn nicht schnell etwas passiert, wird es richtig eng."

In seinem Bekanntenkreis, berichtet er, kenne er einen Pianisten, der sich arbeitslos melden wollte. Doch aufgrund der Vorgaben hätte dieser seinen Flügel verkaufen müssen. Ohne Flügel allerdings könne der Pianist nicht regelmäßig üben. Der Todesstoß wäre das für ihn. "Das ist Irrsinn."

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Tirschenreuth

Rupprecht hört sich an, was Grünes vorträgt, hakt vor allem beim Finanziellen nach. Er sagt, Bürgernähe sei ihm "enorm wichtig". Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien räumt er ein, dass der Termin am Freitagvormittag der erste vor Ort zu dieser Thematik ist. Zur Erinnerung: Seit Öffnung der Gastronomie im April wurden von Seiten der Veranstaltungsbranche Rufe nach Lösungen laut - nun ist September.

Was die Politik in den Augen von Grünes konkret tun solle, will Rupprecht wissen. "Es würde helfen, sich mit den Leuten zusammenzusetzen und zu reden", antwortet der.

Am Ende zieht Rupprecht ein Fazit, das er "nach Berlin mitnehmen" möchte: "Es sollte ein größerer Ermessensspielraum herrschen, auch wenn das Risiko besteht, dass manche diesen ausnutzen."

Nach dem Gespräch sagt Grünes, dass er vor allem Hoffnung auf eine Demonstration der Kulturschaffenden in Berlin setzt, die am 9. September stattfinden wird. "Da soll jeder Teilnehmer ein T-Shirt mit seinem Firmenlogo auf dem Boden legen." Sinnbildlich soll das stehen für das letzte Hemd, das sie noch tragen.

Hintergrund:

Konzerte am Autohof Bergler

Den Kopf in den Sand stecken will Tobias Grünes trotz der aktuell schwierigen Lage nicht. Gemeinsam mit seinem Sohn gründete er kurzerhand die Plattform Oberpfalz-Events - und veranstaltete ab dem 23. Mai Live-Veranstaltungen mit umfassendem Hygienekonzept am Autohof Bergler. Unter anderem Django 3000 standen dort auf der Bühne. "Die Leute feierten in ihren Autos", erinnert sich Grünes zurück. "Und das wahnsinnige Hupkonzert und die tolle Resonanz hat uns gezeigt, wie gut die Veranstaltung angekommen ist."

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