16.10.2020 - 09:56 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Eine Mutter erzählt: Erstklässler knapp zwei Wochen in Quarantäne

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"Hoffentlich erwischt es uns nicht." Dieser Gedanke geht zurzeit vielen Eltern durch den Kopf. Doch wie sieht der Alltag aus, wenn das Kind dennoch in Quarantäne muss. Eine Mutter erzählt.

Homeschooling für Erstklässler: Die Kleinen lernen während der Quarantäne das S.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Als am Samstag, 3. Oktober, bekannt wurde, dass in einer ersten Klasse der Grund- und Mittelschule Windischeschenbach und in einer Gruppe der Kinderoase St. Emmeram jeweils ein Kind positiv auf das Coronavirus getestet wurden, waren viele Eltern in heller Aufregung. "Die Nachricht ging herum wie ein Lauffeuer", erinnert sich eine Mutter von zwei Kindern an das Wochenende. Unentwegt seien Nachrichten am Handy aufgeploppt. "Am Nachmittag hat dann die Lehrerin angerufen und bekanntgegeben, dass die Schüler zu Hause bleiben müssen", erzählt die Windischeschenbacherin. Das Gesundheitsamt habe sich am Sonntag gemeldet, um die Quarantäne anzukündigen. In ihrer Familie hat es die sechsjährige Erstklässlerin getroffen.

Die ganze Klasse wird am Montagnachmittag ins Gesundheitsamt zum Coronatest bestellt. "Allerdings nur vom Auto aus durch das Fenster", blickt die Mutter zurück. Das hieß, im Hof in der Schlange anstehen und bis zur Tür fahren. "Wir haben unserer Tochter vorher ein paar Bilder gezeigt, um sie darauf vorzubereiten, was passieren könnte." Doch alles halb so schlimm, es habe keine fünf Minuten gedauert. "Und hinterher gab's von der Testerin noch einen Lutscher." Bei den Kindern sei nur ein Rachenabstrich genommen worden. Das Töchterchen war tapfer: "Das war nur kurz wie wenn ich mich verschluckt habe", beschreibt sie das Stäbchen im Hals. Eltern werden in dieser Situation nicht getestet. Dies geschieht nur, wenn das Ergebnis des Kindes positiv ausfallen sollte. "Zum Glück hat sich in der Klasse niemand angesteckt", fällt der Windischeschenbacherin ein Stein vom Herzen.

Bis 13. Oktober war die Quarantäne angeordnet. In dieser Zeit musste nur die Tochter zu Hause bleiben. "Man meint, man ist megainformiert, aber wenn es dann soweit ist, tauchen dennoch viele Fragen auf", gibt die Mutter zu. Allerdings müssen Eltern mit dem Arbeitgeber abklären, ob sie zum Dienst kommen dürfen oder nicht. Manche hätten auch unbezahlten Urlaub nehmen müssen, weiß die Frau von anderen Eltern. Die Windischeschenbacherin habe aber gehört, dass es für Quarantäne mittlerweile Sonderurlaubstage geben. "Doch da muss ich mich noch erkundigen, wie das genau läuft." Der jüngere Bruder hätte in die Kita gehen dürfen, doch die Familie entscheidet sich dagegen. "Ich musste ja sowieso zu Hause sein", sagt die Mama.

Quarantäne heißt für das betroffene Kind im Haus und im Garten bleiben. Auch Spazieren oder schnell mal auf den Spielplatz gehen fallen flach. Ebenfalls tabu ist das Einkaufen mit den Eltern. "Man merkt erst, wenn's nicht mehr geht, wohin man die Kinder überall mitnimmt." Die Mutter hatte allerdings nicht den Eindruck, dass sich ihre Tochter in dieser Zeit eingesperrt gefühlt hat.

Gut gelöst habe die Lehrerin ihrer Meinung nach das Homeschooling. Vor der Schule standen am Montag Kisten mit Papiertüten bereit, in denen die Mädchen und Buben Arbeitsblätter für die Zeit zu Hause vorfanden. "Das Highlight des Tages war aber die Videokonferenz jeden Abend", berichtet die Mutter. Es sei sehr beeindruckend gewesen, wie 20 Erstklässler samt Lehrerin vor dem Computer gesessen und 30 Minuten miteinander kommuniziert haben.

Zahlen der positiv Getesteten nach Orten aufgeteilt

Neustadt an der Waldnaab

"Die Kids haben das super gemeistert", schwärmt sie. "Zu meiner Schulzeit wäre so etwas noch undenkbar gewesen." Natürlich hätten die Eltern ihre Kinder dabei unterstützt, aber gegen Ende der Quarantäne hätten die Kleinen schon ganz genau gewusst, wann der Lautsprecher stumm geschalten werden muss und wann nicht. "Dafür, dass all dies über Nacht organisiert werden musste, ist es sehr gut gelaufen."

Ihre Tochter habe in der Quarantäne die Buchstuben S (wie Sonne) und U (wie Uhu) sowie die Zahlen 7 und 8 gelernt. Eine Dauerlösung sei das zwar nicht, aber es hätte gezeigt, was dennoch alles möglich ist. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", meint die Windischeschenbacherin. Der Familie, auf die die Quarantäne zurückgeht, will sie keinen Vorwurf machen. "Die haben ja auch nichts falschgemacht", ist die Frau überzeugt.

Auch wenn sie froh ist, die Zeit zu Hause nun überstanden zu haben, sieht sie dennoch einen positiven Aspekt in der Sache. "Die Kinder haben sich total gefreut, wieder zum Unterricht gehen zu dürfen und haben so gemerkt, wie schön es eigentlich in der Schule ist", zieht die Mutter Bilanz.

Info:

Wer muss wann in Quarantäne?

Das Gesundheitsamt teilt Kontaktpersonen in verschiedene Kategorien ein. Zu Hause bleiben muss nur, wer in Kategorie I ist. Dazu zählen Personen, die mindestens 15 Minuten ohne Mundschutz nahen Kontakt (Abstand unter 1,5 Meter) mit einem Infizierten hatten. Darunter fallen neben der Klasse eines infizierten Schülers auch alle Mitglieder des Haushalts.

Wer selbst nicht direkt Kontakt zu einem positiv auf das Coronavirus Getesteten hatte, sondern nur zu einer Kontaktperson der Kategorie I, ist nicht betroffen. Deshalb müssen Eltern oder Geschwister von Mitschülern des Infizierten nicht in Quarantäne.

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