Windischeschenbach
14.09.2026 - 16:25 Uhr
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Neues Tanzstudio in ehemaliger Porzellanfabrik in Windischeschenbach

Industriegeschichte, rosafarbene Tücher und Musik: In der ehemaligen Porzellanfabrik in Windischeschenbach ist die „Idance-Fabrik“ eingezogen. Über ein Mutter-Tochter-Duo, seine Leidenschaft für Tanz und den Wunsch, Menschen zu verbinden.

Über einen Nebeneingang des alten Fabrikgebäudes geht es in einen gefliesten Eingangsbereich. Eine schmale Treppe mit grauem Anstrich führt hinauf in den zweiten Stock. Grafiken an den Wänden erinnern an die frühere Porzellanproduktion. Es ist ganz still, nur die eigenen Schritte sind zu hören. Die Betriebsamkeit von damals lässt sich heute nur noch erahnen. Wo früher Haushalts- und Hotelporzellan der Marke „Eschenbach-Porzellan“ produziert wurde, wird nun getanzt, trainiert und gelacht. Zwei Frauen haben in der ehemaligen Porzellanfabrik in Windischeschenbach das Tanzstudio „Idance-Fabrik“ eröffnet. Ein ungewöhnlicher Ort für einen Neustart.

„Man denkt, es steht leer, aber es ist unglaublich hier“, schwärmt Alina Subbotina im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Die 21-Jährige und ihre Mutter Aliia Pushilina (46) betreiben das Tanzstudio für Erwachsene seit Anfang August in einem kleinen Teil der früheren Fabrik. Begeistert habe sie vor allem das Flair der Räume, in denen zur Glanzzeit der Porzellanindustrie viele Menschen arbeiteten. „Man spürt hier noch die Energie von früher“, erzählt Subbotina. In dem kleinen Raum mit den großen weißen Holzfenstern, der einst als Büro diente und heute ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit einem Sofa und glitzernden Discokugeln an der Decke ist, stehen Kaffeekannen aus Porzellan – Relikte aus vergangenen Tagen.

Tanz für jeden Geschmack

Die Porzellanfabrik meldete im Jahr 1999 Insolvenz an, eine Nachfolgegesellschaft stellte fünf Jahre später den Betrieb ein. Seitdem herrscht keineswegs Stillstand auf dem Gelände, das als „Werksquartier“ bekannt ist. Dort sind Flächen an unterschiedliche Firmen vermietet.

"Wir bieten hier verschiedene Tanz- und Bewegungsrichtungen an. Jeder, der hierher kommt, soll die passende Richtung für sich finden", erklärt Aliia Pushilina, die wie ihre Tochter ausgebildete Tänzerin ist. Ihre Ausbildung in verschiedenen Stilen bildet die Grundlage für das Angebot in der "Idance-Fabrik", das im September begonnen hat: "Es gibt an drei Tagen der Woche sechs Kurse: Contemporary (zeitgenössischer Tanz), Yoga, Pilates, High-Heels, Hip-Hop und Jazz", sagt Alina Subbotina. Die Altersspanne der Teilnehmer ist groß: "Von 18 bis 55 Jahre. Es tanzt auch eine Dame mit, die über 60 Jahre alt ist und die älteste Teilnehmerin ist 75", ergänzt ihre Mutter. Auch Männer besuchen die Kurse.

Auf hohen Schuhen sicher bewegen

Im Studiobereich hängen große Scheinwerfer und lange rosafarbene Tücher von der Decke bis zum Boden. „Die Vertikaltücher waren der Höhepunkt unserer Workshops am Eröffnungstag“, berichtet Aliia Pushilina. Geschickt wickelt ihre Tochter beide Enden eines Tuchs um Arme und Beine, zieht sich nach oben und kommt in einen Spagat. „Das ist ein super Training für die Arme und Beine, aber auch für den Rücken“, sagt sie. Was bei der Trainerin aussieht wie zirkusreife Akrobatik, soll für alle Sportbegeisterten zugänglich und erlernbar sein.

Auch der High-Heels-Kurs gehört zum besonderen Angebot der Tanzschule. Dass sich das Training auszahlt, zeigt eine Rückmeldung, die Alina Subbotina von einer Teilnehmerin bekam: „Eine Mutter, deren Tochter einen Abschlussball hatte, sagte mir, dass sie so gut auf ihren hohen Schuhen tanzen und sich bewegen konnte.“ Für Subbotina ist das ein Beispiel dafür, dass es nicht nur ums Tanzen auf hohen Schuhen geht, sondern auch um Körpergefühl, Haltung und Selbstbewusstsein.

Tanzen verbindet

Berührungsängste müsse niemand haben – Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. Die Begeisterung für Bewegung und der Spaß stehen bei allen Tanz- und Bewegungskursen im Vordergrund. "Es ist ganz egal, wie beweglich jemand ist, ob er Tanzerfahrung hat oder auf welchem Level er sich bewegt. Jeder kann kommen und es einfach mal ausprobieren", betont die Tanzlehrerin Pushilina. Dafür sei auch keine besondere Kleidung oder Schuhe notwendig. "Man braucht einfach bequeme Sportkleidung in der man sich wohlfühlt."

Dabei soll es nicht nur darum gehen, gemeinsam zu trainieren. Die beiden Frauen möchten einen Ort schaffen, an dem Menschen zusammen kommen und sich kennen lernen. „Mittlerweile sind auch Freundschaften entstanden. Die Frauen gehen auch außerhalb der Kursstunden miteinander zum Essen. Das begeistert uns total“, sagt Alina Subbotina.

Wie viel Lebensfreude in der gemeinsamen Bewegung steckt, zeigen die Trainerinnen in einer Contemporary-Einheit mit einigen Teilnehmerinnen. Gemeinsam tanzen sie durch den Raum, mal kraftvoll, mal mit fließenden Bewegungen. Der moderne Tanzstil lässt Raum für Ausdruck und individuelle Bewegungen. „Bewegung ist Leben“ ist das Motto von Alina Subbotina und ihrer Mutter Aliia Pushilina – und es scheint in diesem Moment greifbar zu sein.

Die Idee von Gemeinschaft begleitet das Team dabei schon seit den ersten Kursen. Angefangen haben Aliia Pushilina und Alina Subbotina mit Tanzkursen für Kinder in Störnstein. Nach und nach kamen Angebote und Kurse in Erbendorf und Floß hinzu. In Windischeschenbach war das „Idance-Studio“ zunächst in einem anderen Gebäudeteil der Porzellanfabrik untergebracht. Mit der „Idance-Fabrik“ haben die beiden nun in Windischeschenbach einen eigenen Raum für ihr Tanz- und Bewegungsangebot geschaffen, und damit ist in die alte Fabrik ein weiteres Stück Leben eingezogen.

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