23.04.2021 - 10:35 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Onegai shimasu zum Aikido-Schnuppertraining im Wohnzimmer

Der ATSV Windischeschenbach bietet Online-Training in Aikido an. Ist im Wohnzimmer Platz dafür? Kann man die japanische Kampfkunst tatsächlich online lernen? Ein Test.

Beim Zoom-Schnuppertraining vom ATSV Windischeschenbach versucht sich Julia Bendzinski an den Grundtechniken der japanischen Kampfkunst Aikido.
von Julia BendzinskiProfil

Aikido online trainieren - kommt man da als Anfänger wirklich mit? Der Anbieter, der ATSV Windischeschenbach, spricht von einem großen Erfolg seiner Online-Stunden, die von den Mitgliedern gerne in Anspruch genommen würden. Julia Bendzinski, freie Mitarbeiterin bei Oberpfalz-Medien, macht zu Hause die Probe aufs Exempel. Gleich vorab: Sie gewinnt nur positive Eindrücke.

Donnerstagabend. Barfuß und mit Sportkleidung sitze ich auf einer Sportmatte vor meinem Laptop. Denn gleich beginnt das erste Aikido-Training meines Lebens. Nachdem ich das Zoom-Meeting des ATSV Windischeschenbach betreten habe, geht es auch gleich los. "Onegai shimasu" schallt es aus dem Computerlautsprecher, auf deutsch so viel wie "wir sind bereit für den Unterricht". Danach verneigen sich Trainer und Schüler voreinander, ein Zeichen dafür, dass sie sich Respekt zollen.

Nach diesem Begrüßungsritual werde ich gleich freundlich vom Trainer und ersten Kyu Simon Mauerer begrüßt und eingeladen, so viel vom Training mitzumachen, wie ich mir selbst zutraue. Was zudem auch gleich geklärt wird: Beim Aikido duzt man sich. Dann geht das Training los. Und zwar mit einer kleinen Meditation. Auch das ausführliche Dehnen gehört zum Training dazu, sodass sich später keiner verletzt. Einige Übungen kenne ich bereits von anderen Sportarten, ein paar sind neu für mich, aber gut machbar. Währenddessen schaue ich, wer alles in unserer kleinen Zoom-Gruppe ist. Wie ich sehe, nehmen heute nur Männer teil, vom Alter her ganz gemischt. Was aber keinesfalls heißt, dass Aikido nichts für Frauen ist. "Im Gegenteil", wie ich später von Dojo-Leiter Karl Hecht erfahre. Denn beim Aikido geht es weniger um Kraft und Größe, sondern vor allem um die richtige Technik und Bewegungsrichtung.

Das richtige Abrollen

Schon im Voraus habe ich mir auf YouTube ein Aikido-Video angesehen. Am meisten faszinierten mich dabei die Abrolltechniken, wenn ein Gegner zu Fall gebracht wurde. Eine Übung dazu gibt es auch gleich im Training. Wichtig ist es dabei, sich nicht direkt auf der Wirbelsäule, sondern links und rechts davon abzurollen. Gar nicht so leicht, wie es bei meinen Trainingskollegen auf Zoom aussieht. Koordination und Gleichgewicht sind gefordert. Wenn ich auf den Bildschirm schaue, habe ich lauter Paradebeispiel vor mir. Für meine Trainingskollegen gehört das zur Routine.

Grundtechniken

Nach einer guten halben Stunde Aufwärmen steigen wir nun in ein paar Grundtechniken ein. Dabei muss Trainer Simon nur die jeweiligen Namen der Bewegung sagen, und die Gruppe weiß Bescheid. Mir kommt das erstmal "Japanisch" vor. Aber dank Simons Erklärung weiß ich jetzt, dass "Shiho Nage" der Vier-Richtungs-Wurf ist. Während alle anderen schon üben, zeigt er mir ausführlich die einzelnen Schritte. Ein bisschen ungewohnt am Anfang, aber nach ein paar Mal Üben fühlt es sich gar nicht mehr so seltsam an.

Allgemein geht es im Aikido gerade in den ersten zwei Jahren viel um Geduld, bis man die Grundtechniken richtig umsetzen kann, erfahre ich so nebenbei. "Also üben, üben, üben", ermuntert Karl. Das machen wir auch bei der nächsten Technik, dem "Ikkyo", dem ersten Armhebel. Dabei greift der Verteidiger den Angreifer an Ellbogen und Handgelenk, und beugt ihn schließlich nach unten. Während ich alleine in meinem Zimmer übe, kann ich mir das eher schwer vorstellen. Aber dank Familie Sommer, die zu dritt im Training ist, bekomme ich den "Ikkyo" einmal richtig gezeigt. Einige Male üben wir auch diese Technik noch, dann neigt sich die Stunde auch schon dem Ende zu. Nach ein paar Entspannungs- und Kräftigungsübungen, in denen es darum geht, den Körper bewusst wahrzunehmen, verbeugen wir uns erneut voreinander und bedanken uns. Domo arigato.

Einsteiger willkommen

Fazit zum Training: Ich wurde nicht nur herzlich in der Zoom-Gruppe aufgenommen, sondern habe viel gezeigt und dadurch einen schönen Einblick in die Welt des Aikido bekommen. Auch den Leitsatz, dass es beim Aikido nicht um das Gegeneinander, sondern viel ums Miteinander geht, habe ich von Simon erfahren. Wer nun Lust bekommen hat, die japanische Kampfkunst auszuprobieren, ist jederzeit beim ATSV Windischeschenbach willkommen. Das Training findet Dienstags und donnerstags jeweils online um 19 Uhr statt. Wichtig sind Sportkleidung, eine Sportmatte und ein Zugang für Zoom. Auf der Homepage des Vereins (www.aikido-windischeschenbach.de) stehen die Kontaktdaten und alles weitere. Otagai ni rei.

Zur Homepage des Vereins

Es gibt Neuerungen

Windischeschenbach
Björn und Clemens Sommer beim Aikidotraining zu Hause im Keller: Nach drei Jahren Training beherrschen sie einige Techniken der japanischen Kampfkunst.
Hintergrund:

Wichtiges über Aikido

  • Aikido ist eine japanische Kampfkunst, auch bekannt ist sie als Philosophie der Gewaltlosigkeit
  • Beim Aikido wird die Konfrontation vermieden. Der Verteidiger lässt es dem Angreifer offen, ob es wirklich zum Kampf kommen soll. Wenn dem aber so ist, kann es durchaus gefährlich für den Angreifer werden
  • Vertrauen, Respekt und Geduld sind unabdingbar
  • Beim Aikido gibt es keine Wettkämpfe, sondern Prüfungen und Graduierungen (Schülergrade: Kyu, später Meistergrade: Dan)
  • "Dojo" ist sowohl die Übungshalle, als auch die Gemeinschaft, in der trainiert wird.
  • Aikido beschränkt sich nicht auf ein bestimmtes Geschlecht oder Alter

 

 

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