14.09.2018 - 10:35 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Pilgerkreuz reist mit nach Altötting

Peter Gralla aus Naabdemenreuth führt seit vielen Jahren die Prozession zur Basilika St. Anna in Altötting an. Der 79-Jährige erzählt, warum er einst das Pilgerkreuz auf sich genommen hat.

Im Biergarten des Grundstücks von Peter Gralla hat die Familie neben einem Kreuz eine Gedenktafel für die verstorbene Annemarie errichtet; gebaut hat das Marterl Sohn Markus, Peter Gralla ist zuständig für die immer brennende Grableuchte.
von Inge WürthProfil

Seit 2003 ziehen die Gläubigen die Pfarreiengemeinschaft St. Emmeram und Heilig-Geist mit diesem Kreuz voran ins Gotteshaus ein. Wie es dazu kam, ist eine sehr persönliche Geschichte aus dem Leben von Gralla. Seine Ehefrau Annemarie war lebensbedrohlich an Krebs erkrankt und musste sich 2002 einer schweren OP unterziehen. Ehemann Peter gab zu der Zeit das Versprechen, zu Fuß nach Altötting zu pilgern, wenn seine Frau nach einer Zeitspanne von zwei Jahren - also 2004 - noch am Leben ist. Schon im folgenden Jahr ließ er von Markus Rupprecht ein Pilgerkreuz fertigen und war mit Frau und Wohnmobil am Pilgerort.

2004 schließlich - die zwei Jahre waren um - meinte Gralla zu seiner Frau: "Annemarie, ich glaub' es ist Zeit, den Rucksack zu packen". Feuerwehrkommandant Albert Lang aus Naabdemenreuth hatte, als er 2002 vom Vorhaben Grallas erfuhr, seine Unterstützung zugesagt: "Ich werde dich unterstützen." Lang nahm sich eine Woche Urlaub, um den Pilger zu begleiten und ihn am Ende eines Tagesmarsches dann für die Nacht im Wohnmobil aufzunehmen. Auch das Pilgerkreuz fuhr im Begleitfahrzeug.

Die Route startete an einem Montag am Freibad. Das erste Ziel war Tännesberg nach 44 Kilometern. Gralla war damals wie auch heute noch rank, schlank und fit, war immer schon gerne draußen und gut zu Fuß unterwegs, hatte aber weder Training noch Erfahrung mit solchen Marathon-Strecken. Der Muskelkater am nächsten Morgen war so fürchterlich, dass ein Abbruch des Vorhabens schon wahrscheinlicher war, als das Ganze durchzuziehen. Mit eisernem Willen schulterte er dann doch den Rucksack.

213 Kilometer

"Die Strecke ab Tännesberg ging abwärts, war gut zu bewältigen und nach einer Stunde war der Muskelkater weg", erinnert Gralla sich. Nach Altötting waren 213 Kilometer zu laufen, so dass der Pilger sich ein Ziel von 40 Kilometern pro Tag setzten musste. Diese erste Tagesstrecke mit den massiven körperlichen Beschwerden am Tag danach war der schlimmste Teil. Die weitere Route lief dann ohne größere Probleme.

Weit schwieriger empfand Gralla das Alleinsein. "Ich habe mit jeder Kuh und jedem Dorfhund geredet", erinnert er sich lachend, "Und kaum ein Radfahrer, den ich nicht bequatscht habe." Gut, dass abends dann Wohnmobil und Albert Lang am vorher verabredeten Treffpunkt warteten.

Peter Gralla machte an vielen Kirchen Rast. Am Freitagabend um 24 Uhr schließlich war er am Ziel, genehmigte sich ein Feierabendbier und war somit rechtzeitig vor Ort, um am Samstagvormittag mit den Pilgern seiner Pfarrei, die in Bussen gekommen waren, in die Basilika zu ziehen. Seitdem ist es Tradition, dass Gralla mit dem eigenen Fahrzeug anreist und die Gläubigen aus seiner Heimat am Busparkplatz mit dem Kreuz erwartet. Die Jahreszahlen nehmen inzwischen die ganze Vorderansicht des Kreuzes ein, so dass es auf der Rückseite weitergeht, wo noch jede Menge Platz für viele weitere Pilgerjahre ist.

Gebürtiger Berliner

Ehefrau Annemarie verstarb im April 2010 mit 69 Jahren. Trotz der Krankheit konnte das Paar noch einige gute gemeinsame Jahre verbringen. Im Rückblick ist Gralla, dem der Glaube schon immer viel bedeutete, dankbar für alles in seinem Leben. Viele Dinge waren, wie er meint, im Nachhinein betrachtet kein Zufall oder negative Geschehnisse. "Alles hat sein Sinn", ist er sich sicher. So hatte der gebürtige Berliner eine Ausbildung in der Landwirtschaft gemacht, durch eine Fügung seine Gattin kennengelernt, mit der er 45 Jahre verheiratet war. Annemarie Gralla stammte aus der Gastronomie, und als sich im Sommer 1977 die Gelegenheit ergab, die Gastwirtschaft einer Tante seiner Frau zu übernehmen, wurde er aus Liebe zum Naabdemenreuther und führte 28 Jahre mit ihr das Gasthaus "Zum schwarzen Raben".

Er fühlt sich wohl in seinem Dorf, inmitten seiner Familie, schätzt den guten Kontakt zu den Nachbarn und ist ein echter Einheimischer geworden. Nur sein nach wie vor vorhandenes Hochdeutsch lässt Rückschlüsse zu, dass er eventuell nicht in der Oberpfalz geboren sein könnte. Auch der Zuspruch seiner Stammgäste konnte nichts daran ändern: "Ich verstehe jeden Dialekt, und alle verstehen mich." Am heutigen Samstag, 15. September, wird Gralla die Windischeschenbacher und Neuhauser wieder auf dem Busparkplatz erwarten und mit dem Pilgerkreuz vorangehen.

Im Biergarten des Grundstücks von Peter Gralla hat die Familie neben einem Kreuz eine Gedenktafel für die verstorbene Annemarie errichtet; gebaut hat das Marterl Sohn Markus, Peter Gralla ist zuständig für die immer brennende Grableuchte.
Im Biergarten des Grundstücks von Peter Gralla hat die Familie neben einem Kreuz eine Gedenktafel für die verstorbene Annemarie errichtet; gebaut hat das Marterl Sohn Markus, Peter Gralla ist zuständig für die immer brennende Grableuchte.
Peter Gralla mit dem Pilgerkreuz
Jedes Jahr zieht die Pilgergruppe mit dem Kreuz in Altötting in die Basilika ein
des Jahr zieht die Pilgergruppe mit dem Kreuz in Altötting in die Basilika ein
Das Pilgerkreuz
Das Pilgerkreuz
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