25.04.2019 - 15:09 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Reiselust und Holz im Kopf

Am Amazonas hat er den Palisander im Regenwald ausgerottet und saß im Gefängnis. In Korsika stürzte er Wasserfälle hinunter. Und wenn jemand auf die Schnelle 300 Holzmasten für Telefonkabel braucht, ist Heinrich Frieser der richtige Mann.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Fasziniert vom Regenwald Brasiliens war der kleine Heiner bereits in der Volksschule im Heimatort Wildenreuth. Geboren ist er im Juni 1951 im Krankenhaus Neustadt. Der Vater war Sägewerksmeister beim Baron von Podewils in Wildenreuth. Heiner machte dort eine Lehre zum Sägewerker. Während andere Kinder Autos am Motorengeräusch erkannten, unterschied er Fichte, Eiche und Lärche von klein auf am Geruch. Frieser ging für Praktika nach Schweden und in den Schwarzwald in ein riesiges Sägewerk des Fürsten zu Fürstenberg. Darauf setzte er den Holztechniker in Rosenheim.

Im letzten Semester wurden die Studenten von Betrieben umworben, auf Frieser kam eine Firma aus Nordrhein-Westfalen zu, die ihn für sein Sehnsuchtsland Brasilien anheuerte. "Du hättest damals rund um den Erdball arbeiten können", erinnert sich der 67-Jährige.

Im August hatte Frieser das Zeugnis in der Tasche, im Oktober arbeitete er in Vitória, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaats Espírito Santo, an der Küste über 500 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro. Amtssprache im Werk war Deutsch. "Portugiesisch habe ich erst im Laufe der Monate dort mitgekriegt." Es gab zwei Camps. In einem wohnten die Europäer und im anderen Brasilianer. "Die kamen vor allem aus dem Süden des Landes und waren Auswanderer, die altes oder Pommerndeutsch sprachen."

Der Job des jungen Holzexperten bei Atlantic Veneer do Brasil war es, im Rundholzsektor Stämme einzuschätzen für die Verarbeitung zu Furnierholz. Die von dem westfälischen Unternehmer Karl Heinz Möhring sieben Jahre zuvor aus dem Boden gestampfte Fabrik war zeitweise das größte Edelfurnierwerk weltweit.

Verarbeitet wurde unter anderem Rio Palisander, eines der schönsten und teuersten Hölzer, das rund um Vitória wuchs. "Ich war beteiligt an der nur 20 Jahre dauernden Ausrottung dieser Hölzer", bekennt Frieser heute. "Wenn das nicht wir gewesen wären, hätten es Konkurrenzfirmen gemacht."

Die Flächen habe man damals zwar wieder aufgeforstet, aber mit schnellwüchsigen Hölzern für Zellulose und Papier. "Das ist absoluter Raubbau." Naturschützer habe es in den siebziger Jahren schon gegeben. "Aber die haben nichts bewirken können. "Das ist jetzt wieder ähnlich bei Flächen, die im Amazonasgebiet zur Abholzung freigegeben wurden."

Verhaftet wurde der Oberpfälzer in Südamerika aber wegen einer ganz anderen Sache: Ihm und einem Österreicher wurde Industriespionage vorgeworfen. Es ging um die Weitergabe von Verarbeitungsrezepten an Konkurrenzfirmen. "Ich wurde mit verdächtigt, weil der Österreicher mit in meinem Bungalow lebte." Während Frieser nach 24 Stunden frei kam, hatte der Mitbewohner große Probleme, weil der Verdacht nicht falsch war. "Ich habe versucht, später mit ihm noch einmal in Kontakt zu kommen, aber er ist in den Regenwald gegangen", berichtet Frieser.

Nach zwei Jahren war für ihn das Erlebnis Südamerika bis auf spätere Urlaube vorbei. Außerdem kommen immer wieder Bekannte oder deren Kinder nach Deutschland zu Besuch. "Die Brasilianer sind fasziniert von der Kälte, alten Bauten in Bamberg, Regensburg, Karlsbad oder auch der Kappel bei Waldsassen." Frieser wohnt jetzt in Hersbruck. Studienkollege Werner Theisen hatte ihn in Vitória besucht. "Komm zurück nach Deutschland. Da geht die Post ab mit Holz im Garten." Frieser baute für "Wert-Holz" in Franken die Vertriebsniederlassung mit Schwerpunkt Süddeutschland und Österreich auf, war im Vertrieb und Einkauf mit Schwerpunkt Osteuropa tätig. Der zweifache Vater hält immer noch Kontakt zu Herstellern und Wiederverkäufern, weiß bei einem Anruf sofort, wer kurzfristig 1000 Zaunpfähle liefern kann.

"Ich lebe schon gerne in Deutschland", bekennt Frieser. "Aber ich könnte mir vorstellen zwei bis drei Monate in Brasilien zu leben - trotz aller Schwierigkeiten, die das Land hat." Ehefrau Sibylle würde wohl mitziehen. "Aber sie muss noch etwas arbeiten." Außerdem locken die Enkel, die einjährige Sierra und ihr zwei Jahre älterer Bruder Johann Giacumin, im Moment mehr.

Ich war beteiligt an der nur 20 Jahre dauernden Ausrottung des Rio-Palisander.

Heiner Frieser

Sport und Familie:

"Solange meine Kinder und Freunde in der ganzen Welt unterwegs sind, flieg ich auch noch viel rum", sagt Heiner Frieser. Ehefrau Sibylle lernte er beim Bürgerfest in ihrer Heimatstadt Windischeschenbach kennen. Geheiratet haben die beiden 1981. Tochter Miriam lebt in Australien und Sohn Christian, ein gelernter Schreiner, im Engadin in der Schweiz.

Heiners ältester Cousin ist die Weidener Paddellegende Rudolf Frieser. Von ihm hat Heiner das Kajakfahren gelernt. Er bewältigte Wildwasser der Kategorien 4 und 5 in Korsika, Slowenien, Ecuador, Österreich und der Schweiz sowie in den Pyrenäen. Seit er dort in eine Wasserwalze kam, viel Wasser schluckte und nur mit Hilfe eines Wurfsackes wieder das Ufer erreichte, kennt er Angst. "Ich bin ein richtiger Schisser geworden." Lange laborierte er an den Folgen des Unfalls. "Wenn die Schulter noch einmal herausspringt, laufe ich wieder ein Jahr mit einem Gurt herum."

Auch beim Mountainbiken sei er vorsichtiger geworden. Das hatte er unter anderem in Schweden und Norwegen, aber auch in Kuba und Myanmar dabei.

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