21.07.2021 - 09:00 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Schule Windischeschenbach: Architekt und Rektorin ärgern sich über Behauptungen

Am Sonntag stimmen die Windischeschenbacher über die Zukunft der Grund- und Mittelschule ab. Im Vorfeld verunsicherten viele Gerüchte die Bürger. Jetzt melden sich Rektorin Annette Spreitzer und Architekt Alexander Juretzka zu Wort.

Architekt Alexander Juretzka und Rektorin Annette Spreitzer
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Vieles, was in den vergangenen Wochen über den Erhalt der Schulgebäude erzählt wurde, ist falsch. Darin sind sich die Windischeschenbacher Rektorin Annette Spreitzer und der Weidener Architekt Alexander Juretzka einig. "Wir wollen einiges klarstellen", sagen sie. Beide machen keinen Hehl daraus, dass sie für einen Neubau sind. Die Fakten dafür seien eindeutig.

Das sagt der Architekt

"Natürlich könnte man die Schule sanieren", sagt Architekt Alexander Juretzka. Doch dies sei nur mit einer Generalsanierung möglich. Das 70er-Jahre-Gebäude nur teilweise und in Abschnitten wieder herzurichten, sei "sehr sehr schwierig" und mit hohen Kosten verbunden.

  • Schadstoffe: In den 70er Jahren ist mit Materialen gebaut worden, die heute als Schadstoffe eingestuft werden. Juretzka nennt als Beispiele KMF-haltige Mineralwolle (krebserregend), Estrich aus Gussasphalt (teerhaltig) oder die Abdichtungen in den Sanitäreinrichtungen, die PAK-haltig seien. Um bei einer Sanierung all diese Stoffe zu entfernen, ist es notwendig, das gesamte Gebäude zu sperren. Es müssten Schleusen an den Türen errichtet werden, die Arbeiter tragen Schutzanzüge, und das belastete Material muss abgesaugt werden. Auch die Fassade enthält Asbest. Solange die Stoffe verbaut sind, besteht keine Gefahr, doch der Ausbau ist problematisch. "Hier nebenbei Unterricht im gleichen Gebäude zu halten, ist unmöglich", sagt der Architekt.
  • Brandschutz: "Wenn der Brandschutz nicht stimmt, gibt es keine Betriebserlaubnis", stellt Juretzka klar. Das sei vor allem eine rechtliche Frage. Wenn alle Räume genau so erhalten bleiben wie bisher, würde die brandrechtliche Genehmigung aus den 70er Jahren bestehen bleiben (Bestandsschutz). Wird aber auch nur irgendetwas verändert, ist eine neue Genehmigung notwendig. Die wird nur erteilt, wenn die Sanierung zu 100 Prozent den Vorschriften entspricht. "Und dann sind wir wieder bei einer Generalsanierung", so Juretzka. "Das ist alles eine Kostenfrage."
  • Größe des Schulhauses: Die Machbarkeitsstudie ist lediglich eine Vorplanung, die sich am Raumprogramm der Regierung der Oberpfalz orientiert. Zum endgültigen Aussehen eines neuen Schulgebäudes gibt es noch keine Aussagen. Als schlichtweg falsch bezeichnet Alexander Juretzka die Darstellung auf der Homepage der Interessengemeinschaft, die ein 22 Meter hohes Gebäude zeigt. Bei einer normalen Planung sei das Haus maximal 14 bis 16 Meter hoch. "Das ist überhaupt noch nicht festgelegt."
  • Bauzeit: Bei einer Generalsanierung muss man mit vier bis sechs Jahren Bauzeit rechnen. Bei der Neubauvariante sind 36 Monate kalkuliert, einschließlich der Abbrucharbeiten. Juretzka gibt außerdem zu bedenken, dass man bei einer Sanierung um Unterricht in Containern nicht herumkomme.
  • Kosten: Laut Machbarkeitsstudie ist der Neubau mit 18,4 Millionen Euro veranschlagt, eine Generalsanierung kostet 20,2 Millionen Euro. Es gibt Zuschüsse in Höhe von 11 Millionen Euro, egal, welche Variante letztendlich zum Zuge kommt. Allerdings warnt der Architekt vor unvorhergesehen Kosten bei einer Sanierung. "Das ist ein Fass ohne Boden", sagt er. Er gibt auch die Folgekosten zu bedenken, die bei einer Generalsanierung deutlich höher ausfallen würden als bei einem Neubau.

Das sagt die Schulleiterin

Ein Satz auf der Karte, die die Interessengemeinschaft Anfang Juli in Windischeschenbach verteilen ließ, bringt Rektorin Annette Spreitzer ganz besonders auf die Palme. Darauf werden die Bürger aufgefordert, mit ihrer Stimme den Erhalt der Grund- und Mittelschule zu unterstützen. "Doch dabei geht es nicht um den Erhalt des Schulstandorts, sondern nur um die Gebäude", erklärt die Schulleiterin. Am Schulstandort Windischeschenbach wird nicht gerüttelt.

  • Pädagogisches Konzept: Der neue Lehrplan sieht nicht mehr so wie früher ausschließlich Frontalunterricht vor, sondern beinhaltet kompetenzorientiertes Lernen und die Arbeit in individuellen Gruppen. Und dazu eignen sich Klassenzimmer in der klassischen Fluranordnung nicht. Annette Spreitzer lässt den Vorwurf der kleineren Klassenzimmern bei einem Neubau nicht gelten. Da es zu jedem Zimmer einen Differenzierungraum gibt, bleiben die Quadratmeter, die eine Klasse zur Verfügung hat, unterm Strich gleich. "Wenn wir eine tolle und fortschrittliche Schule wollen, brauchen wir das." Bei einer Infofahrt nach Mitterteich habe sich das Lehrerkollegium vor Ort vom Konzept einer Lernlandschaft überzeugt.
  • Umsetzung und Planung: Da die Machbarkeitsstudie nur eine grobe Übersicht darstellt, was geht und was nicht geht, bleibt für die Gestaltung einer neuen Schule viel Freiraum. Um die Schulleitung und das Kollegium bei einer Entscheidungsfindung zu unterstützen, würde es Worksshops mit einer Fachkraft geben.
  • Diskussion um die Fachräume: Behauptungen, in einem Neubau würde es keine Fachräume mehr geben, sind falsch. "Das lässt sich in der Machbarkeitsstudie für jedermann nachlesen", sagt Spreitzer. "Auch für einen Laien." Die Neubau-Variante beinhaltet zwei Werkräume sowie einen Musik-, Textil-, Zeichen- und Informatikraum. Ebenso sei eine Ganztagsbetreuung mit eingeplant. Die Studie kann auf der Homepage einer Windischeschenbacher Partei eingesehen werden.
  • Lärm durch die Sanierung: Die Rektorin weiß aus ihrem privaten Umfeld, wie belastend es sein kann, wenn der Schulbetrieb auf einer Baustelle weiterlaufen muss. "Baulärm, der im Gebäude entsteht, ist bei weitem intensiver, als der von einer Baustelle nebenan", sagt die Schulleiterin. Als Beispiel nennt sie die Sanierung des Gymnasiums Neustadt.

Plädoyer für den Neubau der Schule

Windischeschenbach

Interessengemeinschaft reicht Unterschriften ein

Windischeschenbach
Info:

Bürgerentscheid am Sonntag, 25. Juli, 2021

  • Im April 2021 hat der Stadtrat beschlossen, eine neue Grund- und Mittelschule zu bauen.
  • Eine Interessengemeinschaft will dies verhindern und hat Unterschriften gesammelt.
  • Am Sonntag, 25. Juli, wird nun in einem Bürgerentscheid abgestimmt, ob die Schule saniert oder neu gebaut wird.
  • Die Wahllokale in der Schule und im Pfarrheim in Neuhaus sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Briefwahl kann bis Freitag, 15 Uhr, im Rathaus beantragt werden.

 

 

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