01.05.2019 - 15:23 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Sozial an allen Tagen

Soziale Gerechtigkeit, ausreichend Lohn, Altersversorgung, der Erhalt des arbeitsfreien Sonntags und die Europawahl – diese Themen beherrschen die Maikundgebung des DGB Windischeschenbach am Vorabend des 1. Mai.

Hauruck: Mitglieder des VdK, der AWO, der KAB und der Gewerkschaft stellen den Freiheitsbaum auf.
von Walter BeyerleinProfil
Markus Nickl, KAB-Sozialsekretär (am Rednerpult) spricht die wichtigsten sozialen Themen an. Vor allem fordert er Steuergleichheit in der Europäischen Union und eine Vollbeschäftigung auch nach der Digitalisierung. DGB-Ortskartellsprecher Manfred Haberzeth (Mitte), Ismail Ertug und DGB-Organisationssekretär Peter Hofmann hören aufmerksam zu.

Bei wohltuenden Sonnenstrahlen wurde vor der Kundgebung der „Freiheitsbaum“ aufgestellt. Mitglieder des VdK, der AWO, der KAB und der Gewerkschaft legten miteinander Hand an, um mit den Schwalben den auf 22 Meter Länge geschätzten Baum aufzurichten und in der Halterung zu verankern.

Ismail Ertug, Abgeordneter des Europaparlaments, wies im SpVgg-Sportheim auf die Notwendigkeit hin, dass die Europäische Union vermehrt Schutzschirm für den „normalen“ Arbeitnehmer sein müsse, weil gerade nationale Haushaltskrisen zu einer Jugendarbeitslosigkeit führten. Dieser Personenkreis brauche eine „helfende Hand“ auf der „höheren Ebene“, betonte Ertug. Als Vorschlag nannte er dazu die Einführung eines europäischen Mindestlohns, aber auch beispielsweise die Einführung einer europäischen Arbeitsagentur. Nach den Worten des Europaabgeordneten sei es auch notwendig, der Jugend unter 25 Jahren eine verpflichtende Arbeitsplatzgarantie zu geben. Als nicht hinnehmbar und steuergerecht bezeichnete er, dass jeder „normale“ Mensch Steuern bezahlen müsse, sich aber „Googles“ und „Facebooks“ um diese Verpflichtung drücken.

VdK-Ortsvorsitzende Angela Erfurt kritisierte, dass vielen Menschen im Alter das Leben nur noch über die Grundsicherung möglich sei. Gerade Menschen, die aufgrund gesundheitlicher Probleme vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind, müssten nicht tragbare Rentenkürzungen hinnehmen, bemängelte sie. Dies bedeute in nüchternen Zahlen, dass dieser Personenkreis oftmals mit einer Rente von 780 Euro auskommen müsse, weil dazu unterstellt werde, dass diese Menschen freiwillig aus dem Berufsleben ausgeschieden seien.

Petra Schmidt, AWO-Ortsvorsitzende, nannte die bevorstehende Europawahl „die Straße für ein solidarisches und gerechtes Europa“. Um dies zu erreichen, müssten aber auch alle gesellschaftlichen Kräfte mitarbeiten. Das 100-jährige Jubiläum der Arbeiterwohlfahrt sei mit der entsprechenden Zeit der Wohlfahrtpflege, konkreter Hilfen, dem Bewusstsein für soziale Themen und auch mit dem seit dieser Zeit geltenden Wahlrecht für Frauen in Deutschland verbunden. Damit appellierte die Vorsitzende an die Gäste, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Markus Nickl, Sozialsekretär der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB), hob zu Beginn seiner umfangreichen Rede hervor, dass die Thematik des 1. Mai mit ihren sozialen Gedanken an allen 365 Tagen des Jahres ihre Berechtigung habe. Bei den Europawahlen könne jeder Wähler entscheiden, in welchem Europa er leben wolle. Eine Verpflichtung nannte es der Sozialsekretär, gegen Populismus, Nationalismus und Angstmacherei zu stimmen, vielmehr die Stimme für ein friedliches und zukunftsorientiertes Europa abzugeben. Im Bereich Arbeit sieht der Referent die Notwendigkeit den Wandel in der Arbeitswelt zum Wohl aller zu gestalten. Der beschleunigte technologische Wandel fordere Politik und Wirtschaft gleichermaßen auf, die Vollbeschäftigung der Menschen als vorrangiges Ziel zu sehen. Ein klares Ja gab es von Markus Nickl für die „längst überfällige“ Grundrente, um zu vermeiden, dass Menschen im Alter als Bittsteller auftreten müssen.

DGB-Organisationssekretär Peter Hofmann nannte die Entwicklung der DGB-Kundgebung in Windischeschenbach eine „Wahnsinnsgeschichte“. Seine Kritik galt den Höhen der Renten, die vielen Menschen in der Deutschen Rentenversicherung nicht einmal bekannt seien. „Wo es für einen bestimmten Betrag nur einen Parkplatz gibt, gibt es wo anders ein Haus“, meinte Hofmann mit Blick auf die Einkommen und die Preise für Wohnraum.

Hauruck: Mitglieder des VdK, der AWO, der KAB und der Gewerkschaft stellen den Freiheitsbaum auf.

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