22.02.2019 - 18:31 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Spatenstich für neues Zentrum für besondere Einsatzlagen

"Ich hoffe, dass Sie Ihr hier erworbenes Wissen nie anwenden müssen." Landrat Andreas Meiers Wunsch scheint auf den ersten Blick seltsam. Doch bei diesem Anlass ergibt er sehr viel Sinn.

Symbolischer geht's nicht: Auf Asphalt simulieren Vertreter von Rettungsorganisationen, Stadt Windischeschenbach und Landkreis den Beginn der Bauarbeiten im Bayerischen Ausbildungszentrum für besondere Einsatzlagen im Gewerbegebiet Neuhaus.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Meier begrüßte im Gewerbegebiet Neuhaus am Freitagnachmittag Vertreter von sechs bayerischen Hilfsorganisationen zu – ja, zu was? "Zu Spatenstich/Richtfest/Grundsteinlegung", beschrieb Rainer Zollitsch vom Malteser Hilfsdienst im Bistum Regensburg den großen Auflauf an Organisationen, die statt im Rampenlicht meist im Blaulicht stehen. Sie alle sahen sich im künftigen Domizil des neuen Bayerischen Zentrums für besondere Einsatzlagen (BAYZBE) um. An den Tischen fällt dabei manchmal der Name "Katastrophenschutzzentrum", doch den hören die Verantwortlichen um die Projektleiter Daniel Pröbstl und Thomas Haas nicht so gerne.

"Besondere Einsatzlagen" klingt umfassender - nach Amokläufen in Schulen, Terrorattacken bei Großveranstaltungen oder Überschwemmungen in Wohngebieten. Um dafür gewappnet zu sein, sollen ab Sommer in Neuhaus wöchentlich Helfer trainieren und analysieren.

Theo Zellner, ehemaliger Landrat von Cham und Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, hofft, dass die Um- und Einbauten zügig vorangehen, damit im Juli Einweihung gefeiert werden kann. Dann mit Gästen aus dem bayerischen Kabinett. Zu Spatenstich/Richtfest/Grundsteinlegung war aus dieser Riege keiner da. "Das ist mir schon klar, die sitzen gerade alle in der Maske", spielte er auf den Veitshöchheimer Fasching am gleichen Abend an. Dabei haben die Hilfsorganisationen dem Freistaat viel zu verdanken, unterstrich Zellner. "Es wäre alles nicht gegangen, wenn nicht mit 90 Prozent gefördert würde." Im ersten Schritt flossen 4 Millionen Euro, im nächsten sind 23 Millionen vorgesehen.

Vor allem Innenminister Joachim Herrmann habe sich in das Projekt reingekniet, schickte Zellner einen Gruß nach München. Am Rande erwähnte er auch, dass das BAYZBE anfangs gar nicht nach Neuhaus sollte. "Es war als Ersatz für den Abzug von Siemens aus Ruhstorf gedacht." Doch im Rottal habe man sich dann für ein anderes, landwirtschaftliches Ersatzprojekt entschieden. "Dann hat Joachim Herrmann bei mir angerufen und gefragt, ob ich mir so ein Zentrum in der nördlichen Oberpfalz vorstellen könnte", erinnert sich Zellner an die Situation vor knapp drei Jahren. "Da hab ich als Oberpfälzer natürlich innerlich gejubelt."

Zu diesem Zeitpunkt hatte Herrmann schon eine gemeinschaftliche Bewerbung von Neustadt, Tirschenreuth und Weiden auf dem Tisch. Landrat Meier hatte dazu den Impuls gegeben und lobte seine Mitstreiter Wolfgang Lippert und Kurt Seggewiß: "Ich hatte an einem Montag auf der Fahrt zur Arbeit im Autoradio gehört, dass das Kabinett so ein Zentrum plant. Um halb vier am Nachmittag hatten wir drei dann schon die Bewerbung für Neuhaus abgeschickt." Neuhaus deshalb, weil die beiden Landkreise und Weiden im gleichen Gebäude schon gemeinsam die Feuerwehr-Atemschutzstrecke betreiben.

Das sei ein guter Standort, betonte Ministerialdirigent Gunnar Wiegand. Er räumt ein, dass es Stimmen gegeben habe, die Windischeschenbach für nicht zentral genug in Bayern gehalten haben. "Die kamen aber von Leuten, die Geretsried oder Würzburg für zentraler hielten." Architekt Reinhold Krausch aus Grafenwöhr brachte ein Hoch auf die beteiligten Firmen aus der Region aus. Einheimische sollen auch bei den nächsten Arbeiten zum Zug kommen. Die hochkomplizierte Simulationstechnik liefert jedoch eine Firma aus Wien.

Architekt Reinhold Krausch (vorne) zeigt Vertretern diverser Rettungsdienste schon mal mittels Virtual-Reality-Brille, was sie nach dem Umbau einer Halle im neuen „Zentrum für besondere Einsatzlagen“ erwartet.
BRK-Präsident Theo Zellner.
Projektleiter Daniel Pröbstl.

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