30.11.2018 - 11:07 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Die Welt zu Gast im Zoigl-Land

Die Geschichte des Zoigls begeistert nicht nur Einheimische. Bierexperten aus aller Welt reisen nach Windischeschenbach. Sie bloggen im Internet über das hiesige Traditionsbier. Ferdinand Schraml hat sie getroffen.

Sie haben den langen Weg aus Kanada auf sich genommen: Der Zoigl und seine Tradition gehen um die Welt.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Ferdinand Schraml ist 70 Jahre alt und hat Geschichte studiert. Wenn er in seinem Esszimmer sitzt und blitzschnell Smartphone und Tablet bedient, dann könnte so manch ein Jüngerer neidisch werden. Schraml ist auf Facebook und Whatsapp unterwegs. Die Plattformen nutzt er, um mit den Menschen, die er rund um die Welt kennt, in Kontakt zu bleiben. Das Medium, das ihn mit ihnen zusammen gebracht hat, ist allerdings alles anderes als digital: das Zoiglbier. "Mir ist die Geschichte und der Zusammenhang vom Zoigl in Windischeschenbach wichtig", erzählt Schraml, während er Fotos vom alten Brauhaus auf dem Handy zeigt. Ehrenamtlich bietet er Führungen rund um die Geschichte des Zoigls in seiner Stadt an. Anfangs kamen die Teilnehmer zu ihm, um zu wissen, worum es sich überhaupt handelt, bevor sie den Zoigl tranken.

Nicht nur die Gäste aus aller Welt wissen den Zoigl zu schätzen. Immer wieder kehrt Ferdinand Schraml (links) bei Zoiglbrauer Georg Forster (rechts) ein.

Weltweite Bierkenner

Dann schließlich wandte sich ein Bekannter über Facebook an Schraml und meinte, er hätte Amerikaner zu Gast, die sich sehr für den Zoigl interessieren und zu Hause selbst brauen. Paul Painter aus Colorado sollte der Erste von vielen Bierexperten sein, die zu Schraml kommen. "Mit dem bin ich immer noch befreundet, ein wirklich irrer Typ", lacht Ferdinand Schraml, als er seine Facebook-Kontaktliste durchsucht.

"Im Frühjahr dann bekam ich einen Anruf, ein italienischer Blogger und Bierspezialist aus Trient will unbedingt den Zoigl kennenlernen", erinnert sich der 70-Jährige. "Der ist gekommen, ich bin mit ihm spazieren gegangen." Mit ihm hat er einen alten Keller in Neuhaus besichtigt. "Er hat dann in seinem Blog über uns Windischeschenbacher einen großen Artikel geschrieben", freut sich Schraml.

Im Sommer ist Kevin Holsapple aus New Mexico nach Windischeschenbach gereist. Der Blogger macht sogenannte Beer-Hikes. Das bedeutet, er wandert ganze Landstriche ab und probiert dort die traditionellen Biere. Seine Website heißt "Prime Passages". "Mit dem bin ich dann im Waldnaabtal gewandert, und dann haben wir mit ihm Bier gebraut. Er fährt auf der ganzen Welt rum und wandert Biersorten ab. Von Schottland bis Italien, von Frankreich bis Belgien", sagt Schraml. Der Zoigl-Führer findet ebenfalls Erwähnung in Holsapples Blog. Was da steht, zeugt wohl von der Freundschaft, die aus dem Treffen entstanden ist. "Ferdinand und ich gingen zusammen Windischeschenbach und Neuhaus ab. Von ihm habe ich viele Einblicke in die Gemeinschaft bekommen. Sehr geduldig hat er mir all meine Fragen zum Zoigl beantwortet. Dabei haben wir auch einige Wirtshausbesuche zusammen genießen können." Für ihn sei der Wanderabschnitt "wie ein weiteres kleines Stück vom Himmel" gewesen.

Interesse international

"Das ist eigentlich das Besondere, dass plötzlich Interesse an unserem Zoigl entsteht. Nicht nur in unserem Raum", erzählt Schraml. Als "Genuss, Geschichte, Landschaft, Menschen und Bier", beschreibt er den besonderen Reiz, der von der Zoiglkultur ausgeht. "Plötzlich kommen die Leute aus Amerika und Frankreich." Darüber wundert er sich auch heute noch manchmal.

Vor Kurzem dann kamen Bierspezialisten aus Kanada zu Schraml. Übersetzt nennen sie sich die "Kuriere des Bieres". Für die Führung hat der 70-Jährige dann "einfach mal schnell das alte Schulfranzösisch ausgepackt". "Ich dachte mir, wenn wirklich, dann können die ja auch Englisch", sagt er grinsend. 25 Personen stark war die Gruppe.

Bier-Blogger-App

Die Kanadischen Bierblogger haben beispielsweise bereits über "Heiratsbier aus Helsinki" geschrieben, sogar eine eigene App haben sie. Um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, hat Schraml sie auch gleich zum Startbildschirm seines Tablets hinzugefügt. "Die Kommunbrauer, sie existieren noch im Land des Zoiglbieres", rankt in großen Lettern als Überschrift über dem sehr umfangreichen Blog-Eintrag der Bier-Kuriere. "Wirklich ein riesiger Artikel" freut er sich. "Das war wirklich wunderbar: Die saßen dann da oben in unserem Kühlschiff und waren total hin und weg von den Geschichten." "Die haben dann gesagt, das Brauhaus ist wie ein lebendes Museum", erinnert er sich. Im Frühjahr haben sich wieder Amerikaner angekündigt. "Es geht um Geschichte, Zoigl und Erlebnis", verrät der pensionierte Lehrer.

Neuer Trend

Auf die Frage, ob der ausländische Besuch denn immer mehr würde, antwortet der ehrenamtliche Zoiglführer euphorisch: "Dass es das gibt, ist neu! Das ist also wie so eine Art Einstieg in eine Szene von Leuten, die auf der ganzen Welt unterwegs ist." Ihm zufolge schaut es so aus, als gäbe es ein richtiges Netzwerk von Menschen, die Bierbrauereien auf der ganzen Welt besuchen. "Die haben uns jetzt wohl auch entdeckt", vermutet er.

Wie genau allerdings die Bierinteressierten aus aller Welt auf Windischeschenbach gekommen sind, das kann Schraml nicht nachvollziehen. Zu den Bloggern aber sagt er: "Es ist schon faszinierend. Die suchen nicht das Bier, um es nur zu trinken. Die wollen wissen, wie das gemacht wird und wo es herkommt, welche Geschichte da dahinter steckt."

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