Windischeschenbach
26.10.2018 - 14:09 Uhr

Wilde Jahre mit den "Hot Dogs"

Sie spielen Songs von Elvis, Chuck Berry oder den Beatles. Die "Hot Dogs" gehören in den 60er Jahren zu den angesagtesten Bands in der Region. Helmuth Neubauer, damals noch keine 18, erinnert sich.

Die "Hot Dogs" mit Peter Neubauer (von links), Helmuth Neubauer, Heinrich Kopatsch (ohne Kopf) und Oswald Lindner. Bild: exb
Die "Hot Dogs" mit Peter Neubauer (von links), Helmuth Neubauer, Heinrich Kopatsch (ohne Kopf) und Oswald Lindner.

"Das war vor einem Auftritt", sagt Helmuth Neubauer und deutet auf das kleine Schwarz-Weiß-Foto. Auf dem Bild sitzt ein junger Mann mit Sonnenbrille und E-Gitarre auf einer Bank vor dem Haus. Aus heutiger Sicht sieht der Kerl ganz ordentlich aus: Er trägt Hemd, Krawatte, Sakko und eine Stoffhose. Der braune Schopf fällt in die Stirn, die Ohren sind bedeckt.

In den 60er Jahren brachte ein solches Outfit viele Eltern auf die Palme. Auch der Vater von Neubauer konnte sich mit dem Aussehen seines Sohnes nicht anfreunden. Aus seiner Sicht trug der Sprössling die Haare viel zu lang. "Ich höre ihn noch heute wie er schimpft", schmunzelt Neubauer. Letztendlich ließ sich der Sohn nichts einreden, denn der Erfolg auf der Bühne gab ihm recht.

Rund vier Jahre lang stand der junge Helmuth in den 60er Jahren mit der Band "Hot Dogs" auf den Bühnen in der Region. Mit Liedern von Chuck Berry, The Hollys, The Animals, Elivs Presley und natürlich den Beatles eroberten die vier Windischeschenbacher die Herzen vieler Oberpfälzer und Oberfranken. Neben Helmuth Neubauer (Sologitarre) gehören Heinrich Kopatsch (Schlagzeug), Peter Neubauer (Bass) und Oswald Lindner (Rhythmusgitarre) der Gruppe an.

Erst beim Spielmannszug

Doch zunächst machte das Quartett ganz andere Musik. "Wir waren beim Spielmannszug der Feuerwehr Windischeschenbach dabei", blickt Neubauer zurück. "Ich war damals 14 Jahre alt." Oswald Lindner, ein paar Jahre älter als die anderen drei, kommt schließlich auf die Idee, eine Band zu gründen. "Er hat uns damit in seinen Bann gezogen", gibt Neubauer zu. "Das war Ende des Jahres 1963, Anfang 1964."

Ein paar Wochen lang haben die Burschen geprobt, dann folgten die ersten Auftritte beim Hausfasching im "Gockel", in der damaligen Eisdiele Grimaldi oder bei einem Kameradschaftsabend der Feuerwehr. Die junge Band kam an, denn sie sang auf Englisch. "Das war mal etwas anderes." Sogar die erste Gage gibt es: "Fünf Mark pro Mann und Stunde. Das war sehr viel Geld für uns", sagt Neubauer. "Doch technisch konnten wir nicht mithalten. Wir spielten mit Wandergitarren und hatten einen alten Radio zum Verstärker umgebaut", erzählt Neubauer.

Auftritt in der "Silverranch"

Oswald Lindner, damals schon Bäckermeister, schoss schließlich das nötige Geld vor. 15.000 Euro investierte die Gruppe in Mikrofone, Verstärker und E-Gitarren. Die Auftritte ließen nicht lange auf sich warten, auch der Name "Hot Dogs" gefiel dem Publikum. Die "Silverranch" in Holenbrunn, eine damals angesagte Westernkneipe, engagierte die Burschen gleich einen Monat lang für die Wochenenden. Es folgten Engagements im Kastner-Bräusaal in Marktredwitz, in der "Lorettobar" in Lorenzreuth und in der "Bugatibar" in Höchstädt. "Ich war der Jüngste von uns und das war manchmal ein Problem", erinnerte sich Neubauer. Die Polizei hat in der 60er Jahren immer wieder in den Lokalen kontrolliert. "Doch der Ossi hat sich vor mich gestellt, wenn die Polizei kam."

Um zu den Auftritten zu fahren, nutzte die Band den Lieferwagen der Bäckerei Lindner. "Ich saß hinten drin, eingeklemmt zwischen Verstärker und Schlagzeug." Neubauer schwärmt noch immer. "Es waren wilde Jahre. Die Zeit hat mein ganzes Leben geprägt", sagt er. "Ich zehre heute noch davon." Auch bei den legendären Coca-Cola-Bällen in Weiden durften die "Hot Dogs" auftreten. "Da wurde viel geflirtet", schmunzelt Neubauer. "Mädchen standen immer vor der Bühne."

Modisch war diese Zeit geprägt von taillierten Hemden, Schlaghosen, Riesenkrägen und Miniröcken. "Es gab keine Handys, aber auch keine Drogen oder Schlägereien", erinnert er sich. 1968 ging die Bandgeschichte etwas unromantisch zu Ende. "Wir mussten zur Bundeswehr und Oswald hat geheiratet", bedauert Neubauer. "Die Zeit der Freiheit und der langen Haare war vorbei. Das war sehr schwer für uns." Oswald Lindner, der vor ein paar Jahewn verstarb, ist er heute noch dankbar. "Er war wie ein Ziehvater für mich. Ein Vorbild, das uns Jüngeren den Weg gezeigt hat."

Nach der Zeit bei der Bundeswehr arbeitete Neubauer in seinem erlernten Beruf als Starkstromelektriker. 1975 heiratete er, 1980 kamen seine Zwillinge zur Welt. Der Musik blieb Neubauer treu. Er schloss sich der Tanzkapelle "Joheiros" an und spielte später bei den "Countrysect" und den "Black Diamonds" mit. Die Jahre mit den "Hot Dogs" werden aber für immer unvergessen bleiben: "Es war eine geile Zeit", sagt er heute noch.

Sonnenbrille, Haare bis über die Ohren und Schlaghosen: Das Bild vom jungen Helmuth Neubauer entstand in den 60er Jahren vor einem Auftritt mit seiner Band „Hot Dogs“. Bild: exb
Sonnenbrille, Haare bis über die Ohren und Schlaghosen: Das Bild vom jungen Helmuth Neubauer entstand in den 60er Jahren vor einem Auftritt mit seiner Band „Hot Dogs“.
Heute, mit fast 70, blickt Helmuth Neubauer gerne auf die wilde Zeit zurück. Bild: Lowak
Heute, mit fast 70, blickt Helmuth Neubauer gerne auf die wilde Zeit zurück.
 
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