20.01.2020 - 10:31 Uhr
WinklarnOberpfalz

Impulsgeber für gelebten Glauben

"Lobsinget Sankt Sebastian." Zahlreiche Gläubige setzen am Sonntag in Winklarn ein Zeichen für gelebtes Brauchtum und lebendigen Glauben. Beim Sebastianitag erfüllt die Bevölkerung ein 385 Jahre altes Gelübde.

Frack, Zylinder und weiße Handschuhe tragen die vier jungen Männer, von denen die Statue des heiligen Sebastian durch den Ort getragen wird. Vor 385 Jahren wurde der Heilige um Hilfe vor der Pest angerufen.
von Annemarie MösbauerProfil

Nach alter Tradition wurde das Sebastiansfest gefeiert. Die mit Münzen und Rosenkränzen behangene Statue des Heiligen wurde auf einem Gestell – geschmückt mit Blumen und Tannengrün – von vier jungen Männer in Frack, Zylinder und mit weißen Handschuhen von der Mariensäule zur Kirche getragen. Blasmusikklänge hatten den Zug geleitet, und zu den Klängen der Orgel wurde ins Gotteshaus eingezogen.

Pfarrer Eugen Wismeth hieß viele Vertreter des öffentlichen Lebens aus Markt und Pfarrgemeinde willkommen. Sein besonderer Gruß galt dem Hauptzelebranten und Festprediger, Stadtpfarrer Stefan Wagner aus Neunburg. Wismeth bedankte sich für die gute Zusammenarbeit im Dekanat: Vertretungen aus Oberviechtach und Teunz hatten es möglich gemacht, dass Stefan Wagner zu diesem besonderen Fest nach Winklarn kommen konnte.

Pfarrer Wagner ging in seinen Worten zunächst auf den geschichtlichen Hintergrund des Festes ein. "Es ist nicht Fasching, wenn junge Burschen in Frack und Zylinder schlüpfen, sondern es ist die Erfüllung eines Gelübdes." Als 1635 viele Menschen an der Pest starben, habe die Bevölkerung versprochen, jedes Jahr das Fest des heiligen Sebastian mit Festgottesdienst und Prozession zu begehen. Die Seuche ist verschwunden und die Tradition wird weitergeführt, obwohl diese Krankheit in der heutigen Zeit kein Problem mehr ist.

Den Begriff der Tradition verdeutlichte der Festprediger mit der Geschichte über eine Katze, von der sich die Mönche eines Klosters beim Beten gestört fühlten. Der Klostervorsteher beschloss, das Tier während des Abendgebetes draußen anzubinden. Dies wurde auch weiter praktiziert, als der Klostervorsteher schon gestorben war. Als irgendwann auch die Katze starb, wurde auch die neue Katze wieder angebunden. Diese blieb auch so, als das Abendgebet abgeschafft wurde.

Diese Episode verwendete der Geistliche, um mehrere Frage zu stellen: Sind Traditionen in unserem Leben verwurzelt? Verstehen wir sie oder sind sie nur noch leere Hüllen ohne Sinn? Warum feiern wir noch immer diesen Tag? Die Antwort lasse sich im Vorbild des heiligen Sebastian finden. Er sei zu seinem Glauben gestanden, als das Christentum im römischen Reich verboten war. Diese Standhaftigkeit sei ihm jedoch zum Verhängnis geworden und er erlitt den Märtyrertod.

Die Festlichkeit, die den Sebastianitag begleitet, könne ansteckend wirken und dazu beitragen, zum Glauben zu stehen, so Wagner. "Sind wir keine Oster- oder Weihnachtschristen", appellierte der Geistliche. Er wünschte noch viele Sebastianitage, um die Tradition bewusst weiter zu tragen, "damit sie nicht einmal zu einer angebundenen Katze wird".

Der Abschluss des Festtages bildete die eucharistische Prozession um den Marktplatz. Danach erklang in der Kirche noch das Sebastianslied: „Stimmt Christen froh ein Loblied ein. Lobsinget St.Sebastian! Von Wunderkraft umgeben, Pestkranker Schutz und Leben.“ Pfarrer Eugen Wismeth dankte allen, die zum festlichen Ablauf beitrugen – dem Kirchenchor, der Blaskapelle Kunschir, den Vereinen und allen, die im Hintergrund arbeiteten. Neben zahlreichen Gläubigen und vielen Sebastiansverehrern feierten auch mehrere Kinder den Festtag mit.

Sind wir keine Oster- oder Weihnachtschristen. Lassen wir uns anstecken, Christ zu sein, auch wenn es mal nicht so richtig passt.

Pfarrer Stefan Wagner

Pfarrer Stefan Wagner

Der Festprediger:

Stefan Wagner, Stadtpfarrer in der Pfarrei Sankt Josef in Neunburg vorm Wald, ist aufwachsen in Bernhardswald (Landkreis Regensburg). Nach dem Abitur studierte er in Regensburg, 2008 wurde er zum Priester geweiht. Bisherige Stationen: Kaplan in Eggenfeld (drei Jahre) und in der Pfarrei Herzmarien (zwei Jahre) im Regensburger Westen, seit 1. September Stadtpfarrer in Neunburg. (amö)

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