17.08.2020 - 14:55 Uhr
WinklarnOberpfalz

Thammer Haus als Begegnungsstätte für alle Generationen

Vor acht Jahren kaufte die Gemeinde das Thammer-Anwesen. Nach mehreren Jahren Planung und Umbau erstrahlt das Gebäude nun wieder in neuem Glanz. Im Marktrat werden wegen des zweiten Bauabschnitts aber auch kritische Stimmen laut.

Raimund Karl, Anton Brand, Sonja Meier, Sebastian Besold und Christian Schönberger (von links) informierten bei der Gemeinderatssitzung über den Umbau des Thammer Anwesens.
von Annemarie MösbauerProfil

Großes Interesse zeigte die Bevölkerung an der Marktrats-Sitzung: Im Mittelpunkt stand ein Bericht über das "Thammer-Anwesen". Die begrenzten Zuhörerplätze waren voll besetzt. Bürgermeisterin Sonja Meier umriss zunächst das Ziel der Gemeinde, nachdem sie das alte Gebäude gekauft hatte: Es sollte wieder Leben in das Haus, das früher Gaststätte, Brauerei und Landwirtschaft war, einkehren.

Nach vielen Jahren der Planung und Ausführung war es im Januar diesen Jahres soweit: Das Thammer Haus erstrahlt wieder in neuem Glanz. Gaststube und Saal können laut Bürgermeisterin Meier wieder genutzt werden. Konzerte, Ausstellungen, Tagungen und Seminare finden hier ebenfalls den passenden Ort.

Meier erläuterte bei der Gemeinderatssitzung auch die Aufteilung des ursprünglichen Wohn- und Wirtshauses. Durch den Aufbruch der oberen Durchfahrt und durch eine zusätzliche Einfahrt am Nachbarhaus, die den Marktplatz mit dem Hof beziehungsweise dem Brauereigebäude verbindet, entstanden zwei eigenständige Häuser.

Der Ostflügel dient für Jahreshauptversammlungen, Seniorentreffs, Ausstellungen, Workshops und Seminare. Im Westflügel entstanden drei Wohnungen, von denen laut Meier zwei schon vermietet sind.

400 000 Euro Eigenanteil

Architekt Christian Schönberger zeigte im Anschluss die Kostenentwicklung im Bauabschnitt 1 und deren Förderung auf. Die Marktgemeinde setzte einen Eigenanteil von 400 000 Euro fest. Bei den ersten Planungen 2013 errechneten sich Kosten von rund 1,47 Millionen Euro. Bis zum Projektstart steigerte sich das Finanzvolumen auf 1,9 Millionen Euro. Diese Kosten waren durch die Förderungen des Bezirkes, des Bayerischen Staatsministeriums, der Bayerischen Landesstiftung, des Landkreises Schwandorf, des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen und der Städtebauförderung zu 80 Prozent gedeckt.

636 000 Euro mehr

Die berechneten Kosten konnten aber nicht gehalten werden: Zum 1. August summierten sie sich laut Schönberger auf 2,57 Millionen Euro - 636 000 Euro mehr. 216 000 Euro wurden für den Hausschwamm im Dachstuhl, Unterfangungen, zusätzliche Brandschutzelemente, Gredplatten im Eingang, die Erneuerung des Innenputzes und Natursteinfensterbänke fällig. 131 000 Euro kosteten zusätzliche Maßnahmen wie die Dämmung und der Verputz des Nachbargiebels, Gerüstarbeiten, die Giebelwandverkleidung und die Blechverwehrung am Dach, die Außenanlagen im Gebäudeumgriff sowie die Vorbereitungen für den zweiten Bauabschnit. Durch Baukostensteigerung wurde die Maßnahme weitere 244 000 Euro teurer. 45 000 Euro kosteten Geschirr, Kücheneinrichtung und Bestuhlung.

Die Wartungskosten einschließlich Strom, Wasser und Gas betragen 12 000 Euro jährlich - abzüglich der Mieten im Westflügel und der Garagen sowie der Benutzungsgebühren des Ostflügels. Sebastian Bezold von der Regierung der Oberpfalz betonte, dass es das Ziel der Städtebauförderung sei, alte Ortsbilder und Ortskerne zu bewahren und unnötige Zersiedelung vermeiden. Das Thammer-Haus sei mit 80 Prozent, nicht mit 60 Prozent wie üblich gefördert worden. Auf die Frage von Marktrat Andreas Sorgenfrei, ob die Mehrkosten auch mit 80 Prozent gefördert werden, wie von Christian Schönberger versprochen, konnte Bezold keine verbindliche Antwort geben.

Bauliche Schäden

Oberkonservator Raimund Karl vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege lobte das Vorgehen der Marktgemeinde: "Sie haben sich den Problemen gestellt". Michael Merthan fragte nach, ob sich die Marktgemeinde den zweiten Bauabschnitt leisten könne, wenn die Kostenschätzungen dafür bei sechs Millionen Euro liegen? Das Gebäude habe gewaltige bauliche Schäden, es sei in einem desolaten Zustand und die Technik stamme aus den 60er Jahren. Was sei an dieser Brauerei erhaltenswert, wollte Merthan wissen.

Raimund Karl widersprach dieser Meinung. Das Thammer-Anwesen sei etwas Besonderes. Das ganze Anwesen sei ein geschlossenes Ensemble, es wäre alles vorhanden, was eine richtige Brauerei ausmache. Die Marktgemeinde könne sich das Projekt leisten, denn als geschlossener Komplex stehe es auf gleicher Ebene für Förderungen wie beispielsweise Schloss Linderhof. Karl bot seine Hilfe für die Planung und die Möglichkeiten der Förderung an. Michael Merthan gab dem Herrn aus München noch einen Wunsch mit: "Lassen sie uns nicht allein, vielleicht löst eine Stiftung das Problem, wenn solche Gebäude so gefragt sind."

Feierliche Eröffnung des Thammer-Hauses: Hier der Artikel

Winklarn

Möglicher Lagerraum

Sonja Meier informierte danach über eine mögliche Nutzung: Da alte Handwerkstechniken und dazu passende Baustoffe wieder vermehrt gesucht würden, bräuchte man hierfür Lagerraum. Dafür würden sich die Rückgebäude des Anwesens anbieten. In Zusammenarbeit mit den Städten Plasy in Tschechien und Bärnau könnte dies in Winklarn verwirklicht werden. Auch eine Personalstelle könnte dazu geschaffen werden mit einer Bezuschussung von bis zu 90 Prozent.

Marktrat Merthan schlug vor, diese Maßnahme klar zu überdenken, bevor man in große Planungen einsteige. Auch Kerstin Bauer brachte ihre Bedenken ein, indem sie vorschlug, erst andere anstehende Maßnahmen in Angriff zu nehmen wie den Straßenbau.

Hintergrund:

Der zeitliche Ablauf

2011 gab es erste Kontakte mit Altbürgermeister Hans Sailer und Besitzer Johannes Thammer. Nach einer Machbarkeitsstudie und der Analyse des Wohnhauses erfolgte 2012 der Kauf zu einem symbolischen Preis von einem Euro. 2014 wurde die Städtebauförderung mit in das Boot genommen, die das Projekt in Priorität 1 einstufte. 2015 begann das Architekturbüro mit den Planungen, stellte sie dem Marktrat vor. Zu dieser Zeit waren bereits viele Fördertöpfe abgesprochen. 2016 kam der positive Bescheid, und 2017 erfolgte der Projektstart. (amö)

Im zweiten Bauabschnitt steht die Sanierung des alten Brauhauses und des Stalls an.
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