03.05.2019 - 11:44 Uhr
WinklarnOberpfalz

Auf Weg zum Schmuckstück

Es geht voran bei der Sanierung des ehemaligen Thammer-Anwesens am Marktplatz. Ein „Tag der offenen Baustelle“ lockt eine große Zahl an Gästen an, die aus erster Hand informiert werden.

Noch herrscht Baustellen-Atmosphäre auf dem Areal des ehemaligen Thammer-Anwesens in Winklarn. Im Außenbereich mit Stall und Sudhaus gibt es noch jede Menge Arbeit, aber auch viele Gestaltungsmöglichkeiten.
von Elfriede WeißProfil

Zahlreiche Besucher interessierten sich am „Tag der offenen Baustelle“ für die Sanierung des Thammer-Anwesens am Marktplatz. Architekt Christian Schönberger ging auf die Geschichte des denkmalgeschützten Hauses ein. Nach dem großen Brand in Winklarn Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Der Gewölbekeller, der nicht zerstört war, stammt aus der Zeit des 18. Jahrhunderts. Die Stallungen wurden nach dem Brand nach hinten versetzt aufgebaut, so dass die Landwirtschaft etwas abseits des Hauses praktiziert wurde. Das war auch notwendig, da sich das Haupthaus immer mehr der Gastronomie und Hotellerie zuwandte.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten, die 2017 begonnen haben, wurde das Gebäude wie früher wieder durch eine Hofeinfahrt mit Torbogen geteilt, die Fenster mit Graniteinfassung wurden freigelegt, so dass nun zwei Gebäude erkennbar sind. Im Fleez, dem Hausgang des Haupthauses, mit dem die Räume erschlossen werden, wies Schönberger auf das böhmische Gewölbe hin. Die alte Holzvertäfelung der ehemaligen Wirtsstube im Erdgeschoss wird restauriert und wieder eingebaut.

Auch beim Fußboden finden die früheren breiten Holzdielen wieder Verwendung. Das gesamte Gebäude wird mit Sockelheizung erwärmt, das Gastzimmer mit Wandheizung. Vier Fenstertypen waren im Haus verbaut. Im Erdgeschoss wurden Kastenfenster, sogenannte Wagnerfenster eingebaut. Dabei wurde mundgeblasenes Glas mit Schlieren eingesetzt, um das antike Glas nachzubauen. Der Architekt, der das Gebäude "wie seine Westentasche kennt", erläuterte den diffusionsoffenen Bodenaufbau des Kellers, der verhindert, dass aufsteigende Nässe Schaden anrichtet.

Die angrenzende Küche, die behindertengerechten Toiletten und die Wirtsstube stehen nach Fertigstellung der Allgemeinheit zur Verfügung. Bürgermeisterin Sonja Meier denkt hier an Treffpunkte für Senioren, Familien mit Kindern und Vereine. In der Küche könne sie sich Kochkurse nach alten Rezepten vorstellen. Mittels Aufzug und Treppe gelangt man im Obergeschoss zum großen Saal mit Nebenzimmer. „Hier sind die 120 Jahre alten Fenster restauriert worden, die halten nochmals 100 Jahre“, ist sich Schönberger sicher. Auch die Bodendielen sowie die alten Türen fanden ihre Wiederverwendung. „Veranstaltungen im großen Saal und Musikevents oder Lesungen werden das Obergeschoss mit Leben erfüllen“, betonte die Bürgermeisterin.

Im zweiten Gebäude werden drei Wohneinheiten eingebaut, die zur Vermietung geplant sind. An der Führung, die mit dem Blick ins fachmännisch hinterlüftete, mit imposanter Zimmermannsarbeit gefertigte und verstärkte Dachgeschoss abschloss, nahm auch Landrat Thomas Ebeling mit großem Interesse teil. Er war voll des Lobes ob des Unternehmungsgeists der Winklarner. Auch die frühere Besitzerin Sissy Thammer war extra angereist, um mit Freude die Baufortschritte an ihrem Elternhaus zu begutachten. Bewegt und hocherfreut zeigte sie sich über die Aktivitäten der Marktgemeinde, aus ihrem Geburtshaus einen so wunderbaren und sinnvollen Ort der Gemeinschaft zu machen.

In der Hofeinfahrt zwischen den beiden Gebäuden empfing Architekt Christian Schönberger (rechts) rund 60 interessierte Gäste und gab geschichtliche Hinweise über das Thammeranwesen.
Sehr viel Interesse am Fortschritt ihres Elternhauses zeigt Sissy Thammer (Zweite von links), die mit Landrat Thomas Ebeling (rechts) und Bürgermeisterin Sonja Meier (links) durch das Haus ging.
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