29.11.2018 - 16:00 Uhr
Wirbenz bei SpeichersdorfOberpfalz

„Froh, dass es vorbei ist“

Enige Bauspuren sind noch zu sehen. Doch am Sonntag, 2. Dezember, wird der letzte Handgriff bei der Sanierung der evangelischen St.-Johannis-Kirche getan sein. Die Arbeiten begleiten Pfarrer Dirk Grafe fast seine ganze Amtszeit in Wirbenz.

Dirk Grafe, seit 15 Jahren Pfarrer in Wirbenz, an seinem Lieblingsplatz, dem Altar. In frischen Farben glänzt wieder das Herzstück seiner Wirkungsstätte, ein Überbleibsel der Vorgängerkirche mit seinen vier Evangelisten, der der Werkstatt von Elias Räntz zugerechnet wird,
von Autor HAIProfil

Wenn Pfarrer Dirk Grafe am Sonntag den Gläubigen das Portal zum Gotteshaus öffnet, sind seit den ersten Schritten der Beantragung der Renovierung über die ersten Planungen bis zur Vollendung vierzehneinhalb Jahre ins Land gezogen. Bis auf ein halbes Jahr war er dann in seinen 15 Jahren in Wirbenz mit der Sanierung beschäftigt. OM-Mitarbeiter Wolfgang Hübner sprach mit dem Seelsorger über schlaflose Nächte wie auch erfreuliche Fortschritte bei der Umsetzung des 1,7 Millionen Euro teuren Projekts.

ONETZ: Können Sie sich noch an den ersten Tag des Projektbeginns, an die Antragstellung erinnern?

Pfarrer Dirk Grafe: Es war der 18. Mai 2004, ein Dienstag. Ich war gerade ein halbes Jahr im Amt. Ich kann mich an den Antragsbeschluss in der Kirchenvorstandssitzung an das Landeskirchenamt und staatliche Bauamt Bayreuth noch genau erinnern. Behutsam haben wir ihn formuliert. Es sollte mal die Gesamtsanierung innen und außen in Erwägung gezogen werden. Dass es dann doch so lange hin und her ging, hätten wir nicht gedacht. Mal hatte der Staat, mal die Kirche kein Geld.

ONETZ: In das Projekt waren ja mehrere Stellen involviert. Wie klappte die Abstimmung untereinander?

Pfarrer Dirk Grafe: Es war ein komplexes und kompliziertes Gesamtkonzept, mit dem sich ein gemeinsamer, aber schwieriger Abstimmungsprozess mit dem Landesamt für Denkmalpflege Bayreuth-Bamberg, dem Staatlichen Bauamt Bayreuth, der Landeskirche München und der Kirchengemeinde verband. Alle und alles unter einen Hut zu bringen, hat viel Zeit, Kraft und Nerven gekostet. Allein wenn man die letzten drei Jahre Sanierung sieht. Bei so einem baulichen Großprojekt sind ständige Absprache mit den Firmen und zwischen den Firmen untereinander unabdingbar, da der zeitliche Bauplan eng getaktet war. Ein Gewerk ist abhängig vom anderen. Wenn einer nicht fertig wird, kommt der andere in Zeitnot.

ONETZ: Wäre es Ihnen lieber gewesen, die Sanierung schneller abschließen zu können?

Pfarrer Dirk Grafe: Aus der Rückschau bin ich gar nicht undankbar, ja sogar ein bisschen froh, dass wir so lange projektieren konnten. Wir bekamen insbesondere in den letzten ein bis zwei Jahren den Fachkräfte- und Firmenmangel zu spüren. Bis ins Detail schlug der allgemeine Bauboom zu Buche. Die Firmen hätten sicher schneller arbeiten können, wenn sie das Material gehabt hätte. Die Firmen brachten schlichtweg das Spezialmaterial nicht her, das nötig gewesen wäre. Dennoch: Alle Firmen haben sich reingehängt, haben glänzende professionelle Arbeit geleistet. Sie haben es immer geschafft, dass weiter gearbeitet werden konnte, dass der Zeitplan gehalten und zum Einweihungstermin alles fertig sein wird.

Hier Näheres zu den Sanierungsarbeiten

ONETZ: Pfarrer und Kirchenvorstand haben dazu aber auch beigetragen.

Pfarrer Dirk Grafe: Da bin ich meinem Kirchenvorstand sehr dankbar und auf ihn sehr stolz. In der Tat haben wir nicht unwesentlich Anteil, dass der Zeitplan und Einweihungstermin eingehalten wurde. Wir haben uns nicht von dem Termin abbringen lassen.

ONETZ: Was stand am Ende noch an?

Pfarrer Dirk Grafe: In den vergangenen Tagen waren die Restauratoren mit Restarbeiten wie Farbspritzer beseitigen beschäftigt. Die Übergabe Lichttechnik und Lautsprecherübergabe ist erfolgt. Zum Schlussakt mussten dann nur noch die Orgelbauer die Pfeifen stimmen.

ONETZ: Was bleibt über den 2. Dezember hinaus bei Ihnen haften?

Pfarrer Dirk Grafe: Es hat Spaß gemacht, aber ich bin auch froh, dass es vorbei ist. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil das Staatliche Bauamt schlichtweg übersehen hat, dass die Kirche immer alle 25 Jahre zur Sanierung dran gewesen wäre. Denn von 1965 bis 1968 fand unter Pfarrer Deye die letzte große Sanierung der Wirbenzer Kirche statt. Auf den Tag genau, 50 Jahre danach, wird am Sonntag, 2. Dezember, mit der Wiederweihe die Sanierung seinen krönenden Abschluss finden. Dies erklärt letztendlich auch, warum die Bausumme so groß ist. Denn wenn 40 Jahre nichts gemacht wird, dann schlägt sich das unweigerlich in den Kosten nieder. Das dürfte als einmalige Anekdote in die Wirbenzer Kirchengeschichte eingehen.

Hintergrund:

Die Abendmahlsfeier zur Wiederweihe der sanierten und restaurierten evangelischen Kirche Sankt Johannis beginnt am ersten Adventssonntag, 2. Dezember, um 9.30 Uhr. Gast ist dabei auch Regionalbischof Hans-Martin Weiss aus Regensburg. Im Gottesdienst werden zudem die bisherigen Kirchenvorstandsmitglieder verabschiedet und die neuen eingeführt. Neben evangelischen Christen der Kirchengemeinde sowie Behörden- und Firmenvertretern werden auch Vikarin Kathrin Spies und Pfarrer Stefan Fischer, ehemaliger Gemeindepraktikant und jetzt Stadtpfarrer von Hirschau, sowie der Kemnather Stadtpfarrer Konrad Amschl anwesend sein. Die Liturgie begleiten Kirchenchor, Männergesangverein und Posaunenchor musikalisch. Im Anschluss sind Ehrengäste und Kirchengemeinde zum Stehempfang ins Gemeindehaus eingeladen.

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