28.10.2018 - 15:55 Uhr
Wöllershof bei StörnsteinOberpfalz

Einsamkeit ein Zukunftsthema

Zukunftsforscher blicken nicht in die Glaskugel, sondern rechnen Wahrscheinlichkeiten aus. Dabei kann auch das Unberechenbare berechnet werden, sagt Professor Opaschowski

Im Podiumsgespräch erläuterten die Referenten nochmals ihre Vorträge (von links) Professor Dr. Siegfried Jedamzik, die Moderatoren Thomas Fehr und Dr. Markus Wittmann sowie Professor Dr. Horst Opaschowski
von Siegfried BühnerProfil

Um Menschen helfen zu können, die bereits heute im Leben nicht mehr zurecht kommen, muss man auch wissen, wie die Zukunft aussieht, dachte man im Bezirksklinikum Wöllershof und lud zu den Wöllershofer Gesprächen ein. "Werden wir in der Lage sein, Lösungen zu finden", fragte der ärztliche Direktor des Bezirksklinikums Dr. Markus Wittmann.

Zusammen mit der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) und der VHS Weiden Neustadt wurde ein Blick in die Zukunft geworfen. Einer der bekanntesten deutschen Zukunftsforscher, Professor Dr. Horst Opaschowski zeigte in seinem Vortrag auf "wie wir morgen arbeiten und leben". Bevor der Wissenschaftler und Buchautor seine Zukunftsprognosen im Einzelnen formulierte, stellte er zusammenfassend fest: "Massenvereinsamung wird zum Zukunftsparadoxon". Und mehr Wohlstand wird nicht automatisch zu mehr Zufriedenheit führen.

Die Sorge vor sozialem Unfrieden sei größer als die Angst vor Terror. Einige seiner Zukunftstrends haben längst begonnen. So zum Beispiel "Leben in Krisenzeiten, Sicherheit wird die neue Freiheit" oder "Die Zuwanderung als Konfliktpotential, Toleranz als Standortfaktor". Ähnliches gilt für die These "Total digital, total normal" und "die Arbeitswelt wird weiblicher". Doch dann folgen Prognosen, die sich derzeit allenfalls erst andeuten. So zum Beispiel "Die neue Lust auf Familie" und "Gesundheit wird zur neuen Zukunftsreligion und zum Megamarkt von morgen".

Opaschowski prognostiziert auch ein Jahrhundert der Senioren und der neuen Wohngemeinschaften als Alternativen zum Altersheim. Und erfreut werden die Eltern der heute Neugeborenen hören, dass jeder zweite Neugeborene in 100 Jahren noch am Leben ist. Ein starkes soziales Netz würde die Lebenserwartung steigern, bemerkt der Zukunftsforscher, und er hält "Generationen-Beziehungen für wichtiger als die Partnerbeziehungen". Glaube und Religiosität würden als "politisches Element" zurückkommen. Und die Zuwanderung mache das gesellschaftliche Leben konfliktreicher, verstärke aber andererseits gegenseitigen Respekt und Toleranz.

Jeder Mensch müsse sich fragen "will ich persönliches Wohlergehen und nicht nur materiellen Wohlstand?". Dann gab Opaschowski seinen Zuhörern Ratschläge, um zu diesem Wohlergehen zu kommen. Auch unter Bezugnahme auf die Handy-Nutzung sagte er "Schalt mal ab". Die Verbesserung des Lebensstandards solle nicht mit mehr Lebensqualität verwechselt werden. Ein soziales Netz, die Familie und Genuss nach Maß sind weitere Bestandteile der Liste der Lebensregeln. Dazu gehört auch "heb dir noch unerfüllte Wünsche auf".

Einen ganz anderen Zukunftsblick trug der Allgemeinarzt Professor Dr. Siegfried Jedamzik von der Bayrischen TelemedAllianz in Ingolstadt vor. Für den Referenten ist die Gesundheitsbranche "die letzte Branche, die sich digitalisiert". Er zeigte die besten Anwendungsbeispiele dafür auf. Sie sollen vor allem dem Patienten nützen, denn "heutzutage ist das System organisationsbezogen und nicht patientenbezogen". Telemedizin ermögliche wohnortunabhängige Versorgung, verhindert Wege- und Wartezeiten, Arztbesuche und ermöglicht schnellere Therapieeinleitung, sagt Jedamzik. Er freut sich auf die demnächst kommende Telematik-Infrastruktur, bei der alle Arztpraxen an ein Gesundheitsnetz angeschlossen werden. Allerdings sagt er auch "wenn die Amazon-Logistik kommt, geht die Hälfte der Apotheken pleite". Vorgestellt wurden Datenbrillen, und künstliche Intelligenz in der Medizin, Tele-Reha, die "Pillenfee" anstelle des Papierrezepts, das Schmerznetz "Rise-uP" und die online-Videosprechstunde doccura.

Zukunftsforscher Professor Dr. Horst Opaschowski
Professor Dr. Siegfried Jedamzik

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