Suche nach den Schätzen von Schloss Wolframshof

Museumsleiter Anton Heindl ist auf Spurensuche. Wo sind die vielen früheren Schätze von Schloss Wolframshof? Ein bedeutender Flügel steht zum Beispiel im Steingräber-Haus in Bayreuth

Ein Paravent mit dem Porträt von Herzogin Elisabeth Friederike Sophie (1732 bis 1780) befand sich ebenfalls eine Zeitlang auf Schloss Wolframshof, wie eine wohl vor dem Brand 1920 entstandene Aufnahme (rechts) zeigt.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Kastl/Kemnath.Das Wolframshofer Schloss könnte viel erzählen. Schon allein die Geschichten über die frühere Einrichtung sind ungemein spannend. Der Kemnather Museumsleiter Anton Heindl ist seit einiger zeit auf Spurensuche.

Die Familien derer von Lindenfels sind 1601 erstmals in der Region mit Stammvater Hans Caspar II. auf Nairitz in der Frankenpfalz erwähnt. In der Folgezeit war sie nachweislich auf Adelssitzen in Nairitz, Reislas, Rosenhof, Wolframshof, Erkersreuth und Thumsenreuth ansässig. Das Aussterben der Linien Nairitz (1743), Rosenhof (1816), Reislas (1884), Erkersreuth (1915) und Wolframshof (1982) führte zu einer Überführung von Mobiliar in die im Familienverbund verbliebenen Schlösser Wolframshof und Thumsenreuth. Letzteres ist seit 1661 im Eigentum der Familie von Lindenfels.

Im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum befindet sich eine Urkundensammlung von den Sitzen Höflas und Nairitz von 1665 bis 1825. Abzüge fotografischer Glasplatten, gefertigt wohl vor 1920, vermitteln die Reichhaltigkeit der Innenausstattung des Wolframshofer Sitzes. Vieles fiel dem Großbrand 1920 zum Opfer. Doch es gibt auch noch erhaltene Schätze, wie Anton Heindl herausgefunden hat.

Dazu gehört der Eduard-Steingraeber-Flügel Opus Nr. 1 aus dem Jahr 1852: ein Meisterstück des Gründers, der ab 1820 zunächst in Rudolstadt (Thüringen) beheimateten Firma steht inzwischen im Steingraeber- Haus in Bayreuth und markiert die Wende vom Hammerflügel zum modernen Klavier. Laut der Zeitschrift für Instrumentenbau 1927 war es der Manufaktur kurz zuvor gelungen, den ersten in Bayreuth gefertigten Flügel, genannt Op. 1, anlässlich des 75. Firmenjubiläums zurückzuerwerben. Das freiherrliche Haus von Lindenfels von Wolframshof war wohl der Ersterwerber dieses Stückes Klaviergeschichte.

Ein bemerkenswertes Möbelstück ist auch der "Lemminger-Schrank", der laut Recherchen von Lambert Graf von Oberndorff aus einem der beiden Kulmainer Schlösser stammt. Er schreibt 1929 in den Blättern des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde in seinem Artikel "Die Lemminger auf Kulmain": "Im Schloß Wolframshof befindet sich ein Schrank von ca. 1650/60, offenbar aus Kulmain stammend, und durch eine Gräfin Morawitzky, die Kulmain besaßen, an die Freiherren von Lindenfels kam, mit folgenden vier gemalten Wappen: Lemminger von Kulmain- Rabensteiner zu Wirsberg - Schlamersdorff, - Mendel v. Steinfels - und der von Lindenfels". An der rechten Schranktür ist innen ein handschriftliches Papier angebracht, das über den "Stammbaum" des Schrankes informiert. Seit 2015 steht er bei der Nichte des letzten Wolframshofer Freiherren Max-Wolf von Lindenfels, Maria Gabriele Gräfin Gorcey de Longuyon, in Tutzing.

Mit einem Paravent erwarb im Sommer 2018 die Bayreuther Kunstsammlerfamilie Peter und Ingeborg Rothenbücher für ihre Sammlungen in Schloss Birken ein bedeutendes Kunstwerk aus dem Besitz des Bayreuther Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayern (1711 bis 1763). Das ovale Bild zeigt das einzige Kind des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine, Elisabeth Friederike Sophie (1732 bis 1780). Das Porträt hat Johann Ernst Heinsius aus Thüringen angefertigt. Die Herzogin trägt den 1758 von ihrer Mutter Wilhelmine geerbten Brillantschmuck: ein Diadem, vorne mit einem großen, gelben, tafelförmig geschliffenen Brillanten und einem tropfenförmigen Rubinanhänger. Die aufwendigen Brillantohrringe sind je mit vier großen geschliffenen Rubinen besetzt. Der Schmuck ist eindeutig identifiziert, da er auf einem gleichfalls in Schloss Birken vorhandenen Staatsporträt des Hofmalers Johann Georg Reisse aus dem Jahre 1751 zu sehen ist.

Der aus Holz geschnitzte und vergoldete Paravent war ursprünglich auf Schloss Wolframshof, wie ein Foto, wohl vor 1920, zeigt. Nach dem Tode des Markgrafen erbte den diesen sein Premierminister Carl Christian Freiherr von Lindenfels auf Reislas (1738 bis 1782). Zuletzt war er im Besitz einer irischen Grafenfamilie, die heute in Oberbayern lebt. Dem "Neuen Tag" konnte 1995 entnommen werden, dass der neue Besitzer des Schlosses, Winfried Klann, einen Tabernakelschrank übernommen hatte. Allerdings bestätigten die Familienangehörige dies nicht .

Ein barocker Tabernakelsekretär gehörte dem bayerischen Staatsminister Maximilian Graf von Feilitzsch, (1834 bis 1913), Kämmerer, Staatsrat sowie Staatsminister des Innern (1881 bis 1907) unter König Ludwig II. und bayerischer Bevollmächtigter zum Bundesrat des Deutschen Reiches. Er wurde 1880 Präsident der Regierung von Oberbayern und 1913 auf dem Schlossfriedhof in Wolframshof in einer Grabkapelle beigesetzt. Ab 1983 befand sich dessen Tabernakelsekretär im Besitz der Tochter des letzten Wolframshofer Freiherren Max-Wolf von Lindenfels, Tatjana Guth in Minden.

Wie Heindl betont, können seine Recherchen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es bestehe durchaus die Hoffnung, dass im Laufe der Jahre weitere Objekte zugeordnet werden können. Hintergrund

Hintergrund:

Von Grundstücken zum Flügel

Das Interesse bei Anton Heindl am Schloss Wolframshof weckte vor fünf bis sechs Jahren eine Anzeige auf Ebay. Dort stieß er auf ein Familienfideikommiss derer von Lindenfels. Diese Einrichtung des Erb- und Sachrechts besagt, dass das Vermögen einer Familie, in der Regel der Grundbesitz, geschlossen erhalten werden sollte. Nur ein Mitglied hat hier das Nießbrauchsrecht inne. Nachdem sich der Kemnather Museumsleiter Auszuge über die Grundstücke ("an die Hundert") besorgt hatte, nahm er Kontakt mit Hans-Achaz Freiherr von Lindenfels auf. Dessen Informationen verarbeitete Heindl schließlich mit für einen Artikel in der Heimatzeitschrift "Die Oberpfalz".

In der Folge knüpfte er Beziehungen zu weiteren Familienmitgliedern, die ihm ihrerseits Exponate für das Kemnather Museum zur Verfügung gestellt haben. So finden sich dort unter anderem ein Geldtage- und ein Arbeitsbuch, über die er ebenfalls einen 40-seitigen Artikel verfasst hat. Dadurch habe er "das Vertrauen der Familie" gewonnen und so "weitere Einblicke erhalten". Dadurch ist es Heindl möglich, für das Sommernachtsfest 2020 des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Kemnath und Umgebung (HAK) eine Sonderausstellung mit Bildern aus Fotoalben um die Jahrhundertwende auf die Beine zu stellen.

Auslöser für seinen aktuellen Beitrag für "Die Oberpfalz"-Ausgabe war der Steingraeber-Flügel Opus Nr. 1 aus dem Jahr 1852. Damit habe alles angefangen, erinnert sich Heindl. Auf diesen sei er in einer Musikzeitschrift aufmerksam geworden. Die anderen Interieur-Stücke seien ihm mit der "Zeit zugeflogen". An seiner Übersicht habe er nicht durchgehend gearbeitet, so dass von der Idee dazu bis zur Fertigstellung etwa zwei Jahre vergangen sind.

Hintergrund:

Anzeige auf Ebay weckt Interesse

Das Interesse bei Anton Heindl am Schloss Wolframshof weckte vor fünf bis sechs Jahren eine Anzeige auf Ebay. Dort stieß er auf ein Familienfideikommiss derer von Lindenfels. Diese Einrichtung des Erb- und Sachrechts besagt, dass das Vermögen einer Familie, in der Regel der Grundbesitz, geschlossen erhalten werden sollte. Nur ein Mitglied hat hier das Nießbrauchsrecht inne. Nachdem sich der Kemnather Museumsleiter Auszuge über die Grundstücke („an die Hundert“) besorgt hatte, nahm er Kontakt mit Hans-Achaz Freiherr von Lindenfels auf. Dessen Informationen verarbeitete Heindl schließlich mit für einen Artikel in der Heimatzeitschrift „Die Oberpfalz“.

In der Folge knüpfte er Beziehungen zu weiteren Familienmitgliedern, die ihm ihrerseits Exponate für das Kemnather Museum zur Verfügung gestellt haben. So finden sich dort unter anderem ein Geldtage- und ein Arbeitsbuch, über die er ebenfalls einen 40-seitigen Artikel verfasst hat. Dadurch habe er „das Vertrauen der Familie“ gewonnen und so „weitere Einblicke erhalten“.

Dadurch ist es Heindl möglich, für das Sommernachtsfest 2020 des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Kemnath und Umgebung (HAK) eine Sonderausstellung mit Bildern aus Fotoalben um die Jahrhundertwende auf die Beine zu stellen.

Auslöser für seinen aktuellen Beitrag für „Die Oberpfalz“-Ausgabe war der Steingraeber-Flügel Opus Nr. 1 aus dem Jahr 1852. Damit habe alles angefangen, erinnert sich Heindl. Auf diesen sei er in einer Musikzeitschrift aufmerksam geworden. Die anderen Interieur-Stücke seien ihm mit der „Zeit zugeflogen“. An seiner Übersicht habe er nicht durchgehend gearbeitet, so dass von der Idee dazu bis zur Fertigstellung etwa zwei Jahre vergangen sind.

Der von Eduard Steingraeber im Jahr 1852 gefertigte Flügel mit der Bezeichnung Opus Nr. 1 weckte das Interesse on Museumleiter Anton Heindl am vormaligen Interieur von Schloss Wolframshof.
Ein Paravent mit dem Porträt von Herzogin Elisabeth Friederike Sophie (1732 bis 1780) befand sich ebenfalls eine Zeitlang auf Schloss Wolframshof, wie eine wohl vor dem Brand 1920 entstandene Aufnahme (Bild) zeigt.
Der intarisierte Tabernakelsekretär des Maximilian Graf von Feilitzsch.
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