06.03.2020 - 09:42 Uhr
Wollau bei PressathOberpfalz

Wollauer Kapelle braucht Schönheitskur

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Risse, Holzwürmer, ein bröckelndes Fundament. Ein Schmuckstück ist die 200 Jahre alte Kapelle in der Dorfmitte von Wollau nicht mehr gerade. An dem Kirchlein nagt der Zahn der Zeit schon gewaltig. Deshalb soll sich nun etwas tun.

Dreckig und rissig ist das Gemäuer der 200 Jahre alten Kapelle in Wollau.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die kleine Kapelle im Herzen von Wollau hat schon viele Jahre ins Land gehen sehen. 200 Jahre ist sie alt, wie aus einem Pfarrbrief des mittlerweile verstorbenen Pressather Pfarrers Ludwig Bock aus dem Jahr 1996 hervorgeht. Ein Jubiläum, das man dem kleinen Gotteshaus auch ansieht. Denn Spinnweben, abbröckelnder Putz und ein absackendes Fundament zeugen von fehlender Pflege. Obwohl die Kapelle in Privatbesitz ist, können sich die Eigentümer, eine Erbengemeinschaft der Familie Kastner, nicht mehr darum kümmern - teils sind die Erben selbst im hohen Alter, oder leben nicht mehr in der Region. Eine von ihnen ist Anna Fischer.

Die 79-Jährige wohnt in München. Trotz der weiten Entfernung liegt der ehemaligen Wollauerin - selbst eine geborene Kastner - die kleine Kapelle in der Oberpfälzer Heimat noch sehr am Herzen. Das Gotteshaus, das zum sogenannten Adlbauernhof, dem Hausnamen der Familie, gehört, sei immer der Mittelpunkt des Dorfes gewesen - diente als Gebetsraum für Maiandachten, Nachmittagsrosenkränze oder dazu, den Tod eines Einwohners zu melden, sagt sie. Die Sprecherin der Erbengemeinschaft wünscht sich deshalb, dass die Kapelle, die auch unter Denkmalschutz stehe, saniert und somit für die Wollauer wieder zum Schmuckstück und Dorfmittelpunkt werde.

Ihr weitschichtiger Verwandter Norbert Kastl, der in Bayreuth wohnt, will Fischer dabei unterstützen. Der 53-jährige Architekt, der vor einigen Jahren bereits seine Studienarbeit über das kleine Gotteshaus geschrieben hat, findet ebenfalls, dass es schade wäre, das Gemäuer noch weiter verfallen zu lassen. Er sieht darin nicht nur ein historisches Gebäude, sondern auch eine emotionale Vergangenheit der Wollauer: "Dort haben die Menschen geheult und gefleht. Ein Ort, wo Zuversicht und Ängste, alles was zum Leben gehört, gepflegt worden ist." Um die Kapelle erhalten zu können, müsse aber einiges getan werden: "Man muss an die Fenster ran, die Tür, das Gestühl, das Altarbild", zählt der 53-Jährige die Sanierungsarbeiten auf, die zu machen sind. "Die Statuen haben Würmer", berichtet er außerdem. Und auch das Fundament, das auf einer Seite absacke, müsse stabilisiert werden. "Es war ein Statiker da und hat sich das angesehen." Aktuell gebe es keine Einsturzgefahr, sei das Fazit gewesen. Ein Lichtblick für Kastl und Fischer. Dennoch sei viel zu tun. "So eine Kapelle lebt halt nicht von allein. Sie muss getragen werden von den Leuten", sagt er. Ihm und Anna Fischer schwebe deshalb ein Kapellenbauverein bestehend aus Wollauer Bürgern vor, die sich dann gemeinsam um die Kapelle kümmern könnten. Auch ein Verkauf des Anwesens an einen Interessenten aus dem Dorf sei im Gespräch. Doch zunächst müssten erst einmal Fördermöglichkeiten für die Sanierung abgeklärt werden. Fischer hofft nun auf die Bereitschaft der Wollauer, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, damit - auch wenn niemand der Familie Kastner mehr vor Ort ist - zumindest ein Stück des Adlbauernhofs bleibe und Wollau sein Schmuckstück zurückbekomme.

Info:

Aus zwei Gelübden entsteht Kapelle

Dass es die Kapelle in Wollau überhaupt gibt, ist laut Anna Fischer, Sprecherin der Erbengemeinschaft Kastner, zwei Gelübden ihrer Vorfahren zu verdanken. Sie berichtet, dass auf einem Gedenkstein, der über der Eingangstür angebracht ist, Folgendes steht: "Georg Kastner hat das Verlöbnis gemacht mit einer Kappelen." Georg war der Ururgroßvater von Anna Fischer und lebte von 1794 bis 1828. In der Familie sei immer erzählt worden, dass Georg Kastner bei der Getreideernte auf dem Kindlbrunnenacker einen Hitzschlag erlitten und dann versprochen habe, eine Kapelle zu bauen, wenn er wieder gesund wird. Das sei 1820 gewesen. In einem Pfarrbrief des ehemaligen Pressather Pfarrers Ludwig Bock von 1996 heißt es dazu: "Die Kapelle in Wollau wurde um 1820 von Georg Kastner errichtet."

Dass auf der Stirnseite der Kapelle außerdem die Jahreszahl 1874 prangt, erklärt Fischer so: "Um diese Zeit erhielt sie wohl die heutige Größe." Denn es soll einen zweiten Erbauer gegeben haben: Johann Kastner. Kastner, der Großvater von Anna Fischer, habe laut Erzählungen ebenfalls ein Gelübde abgelegt. Er sei durch ein Freilos vom Kriegsdienst 1870/71 verschont geblieben und habe deshalb ebenfalls an der Kapelle Hand angelegt - vermutlich vergrößert, sagt Fischer.

Spinnweben hängen in den Ecken und am Fenster - auch der Innenraum hat schon bessere Zeiten gesehen.
Das Fundament bröckelt.
"Georg Kastner hat das Verlöbnis gemacht mit einem Kappelen", steht an der Stirnseite der Wollauer Kapelle. Darunter die Jahreszahl 1874. Die bezieht sich jedoch auf einen zweiten Erbauer.

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