29.01.2019 - 14:36 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Kommunen nicht beschneiden

Die Initiatoren der "Großen Landstadt Fichtelgebirge" wollen die Stadtoberhäupter in das geplante neue Gebietsgebilde mit einbinden. Die neue Gruppierung stellt sich auch zur Kreistagswahl.

Grob umrissen soll das Gebiet innerhalb des blauen Hufeisens zu einer "Landstadt Fichtelgebirge" gehören, schwebt den Initiatoren vor.
von Autor FPHProfil

Einbinden, nicht ausgrenzen. Nach diesem Motto wollen die Initiatoren der Großen Landstadt Fichtelgebirge handeln. Wie berichtet, haben am Freitag Ideengeber Matthias Popp und sechs Mitstreiter ihr Konzept der neuen Großkommune vorgestellt. Die soll von Regnitzlosau im Norden bis Erbendorf im Süden reichen und um die 160 000 Einwohner haben. Für die dann viertgrößte Stadt in Bayern erhofft sich die neue Wählergemeinschaft unter anderem mehr Gehör in München und eine bessere Infrastruktur für die Region.

Im Artikel über die Präsentation ist eine Passage infolge eines Missverständnisses veröffentlicht worden. "Wahrscheinlich haben wir uns in diesem Punkt nicht klar genug geäußert", schreibt Matthias Popp. Im Artikel stand zu lesen: "Die Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch aus Selb und Oliver Weigel aus Marktredwitz sollten sich schon einmal warm anziehen, wenn Popps Idee eines Tages zünden sollte. Am Ende des Prozesses soll es für die Fichtelgebirgsregion nur noch einen Oberbürgermeister geben."

Diese Aussage wollen die Initiatoren nun richtigstellen. Eine Große Landstadt Fichtelgebirge sei keinesfalls als Konfrontationskurs zu den Bürgermeistern und Oberbürgermeistern der Fichtelgebirgsortschaften zu sehen. "Sollte der Eindruck entstanden sein, dass das unsere Absicht ist, dann bitten wir das zu entschuldigen."

Bei den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern handelt es sich laut Matthias Popp durch die Bank um "auch von uns wertgeschätzte und anerkannte Persönlichkeiten, die sich mit hohem Engagement für ihre Kommunen einsetzen und diese bestmöglich voranbringen". Sie verfügten über politisches Gespür und würden das Vertrauen der Bevölkerung genießen. "Mit der Großen Landstadt Fichtelgebirge sollen die Wirkmöglichkeiten der Bürgermeister und Oberbürgermeister in den Kommunen des Großraums gestärkt und nicht beschnitten werden. Die Große Landstadt Fichtelgebirge wird umso erfolgreicher agieren, je besser die lokalen Bürgermeister und Oberbürgermeister mit dem Oberbürgermeister Fichtelgebirge vertrauensvoll zusammenarbeiten werden."

In der Konsequenz hieße das, dass es drei Oberbürgermeister geben würde: die beiden aus Marktredwitz und Selb sowie den der Landstadt. Wie die Initiatoren konkretisieren, soll der Oberbürgermeister des Fichtelgebirges mit dem Fichtelgebirgsrat und der Großen Landstadtverwaltung die Kommunen dort entlasten und fördern, wo es um die Interessen des Gesamtraums geht und dort mit besseren Handlungsoptionen unterstützen, wo es um die besonderen Stärken der Kommunen geht. "Aus den Orten des Fichtelgebirges soll genau die Inspiration zur Entwicklung der Vielfalt und der Attraktivität des Gesamtraums kommen, die mit den Wirkmöglichkeiten und der Umsetzungsstärke der Großen Landstadt verwirklicht werden können."

Vom direkt gewählten Fichtelgebirgsrat und Fichtelgebirge-Oberbürgermeister sollen demnach die Themen vorangebracht werden, die in der kleinteiligen Struktur überhaupt nicht aufgegriffen werden, für die in solchen Strukturen der Blick auf die Gesamtheit unzureichend ausgeprägt ist und die gemeinsam viel besser, komfortabler, nutzbringender, kostengünstiger und wirkungsvoller für die Bürger gelöst werden können.

Wie Popp auf Nachfrage sagte, wird die neue Wählergemeinschaft nicht nur in möglichst allen 42 Kommunen der Fichtelgebirgsstadt antreten, sondern wahrscheinlich auch im Kreistag. Wie es scheint, erhalten die Landstadt-Macher immer mehr Zulauf. So berichtet Ewald Bauer, dass sich am Wochenende zwei weitere Mitstreiter bei ihm gemeldet haben. "Beide wollen dabei sein." Dem Wunsiedler ist klar, dass die Umsetzung des Konzeptes nicht leicht sein werde, "aber die grundsätzliche Möglichkeit besteht".

"Man muss wissen, dass es die letzte Chance ist, die Idee von der Landstadt vor der Kommunalwahl ins Gespräch zu bringen. Immerhin ist zu befürchten, dass in vielleicht zehn Jahren die nächste Gebietsreform kommt", sagt Ewald Bauer.

Die Initiatoren der Landstadt um Popp und Bauer glauben, dass bei einer Gebietsreform das Fichtelgebirge zerschnitten und den benachbarten Mittelstädten zugeschlagen wird. Daher will die neue Wählergemeinschaft schon bald in den Kommunen der Region für ihre Ideen werben und weitere Mitstreiter gewinnen.

Info:

Mitglieds-Gemeinden

Die Landstadt Fichtelgebirge würde aus vielen Städten und Gemeinden in der Region bestehen. Innerhalb des von den Initiatoren gezogenen Halbkreises liegen folgende Orte: Regnitzlosau, Rehau, Schwarzenbach/Saale, Weißdorf, Sparneck, Zell im Fichtelgebirge, Kirchenlamitz, Schönwald, Selb, Marktleuthen, Gefrees, Weißenstadt, Thierstein, Thiersheim, Hohenberg, Arzberg, Schirnding, Wunsiedel, Bischofsgrün, Röslau, Bad Berneck, Goldkronach, Weidenberg, Warmensteinach, Fichtelberg, Mehlmeisel, Nagel, Tröstau, Bad Alexandersbad, Marktredwitz, Konnersreuth, Waldsassen, Mitterteich, Leonberg, Pechbrunn, Waldershof, Neualbenreuth, Fuchsmühl, Wiesau, Friedenfels, Reuth bei Erbendorf, Krummennaab, Erbendorf, Kemnath, Kulmain, Immenreuth, Pullenreuth, Neusorg, Ebnath, Brand in der Oberpfalz, Kirchenpingarten und Speichersdorf.

Zumindest in einer Beziehung wäre die Landstadt in Bayern an der Spitze: Allein die Fläche des Landkreises Wunsiedel ist mit 606 Quadratkilometern größer als die Münchens mit 310 Quadratkilometern. Mit den Teilen aus den Landkreisen Hof, Tirschenreuth und Bayreuth wäre sie sogar größer als Berlin (878 Quadratkilometer).

Info:

Bürgermeister denken über Idee nach

Was für einen Wunsiedler oder Marktredwitzer logisch klingen mag, muss es nicht unbedingt für einen Bad Bernecker oder Neualbenreuther. In der von Matthias Popp und seinen Mitstreitern präsentierten Idee der Großen Landstadt ist das Innere Fichtelgebirge zentral gelegen. Doch wie sieht es in den Orten am Rande des riesigen Stadtgebildes aus?

„Darüber muss man mal reden.“ Der Bürgermeister des Marktes Neualbenreuth, Klaus Meyer, hat sich noch kaum mit der Idee befasst, hält sie aber für „nachdenkenswert“. Allerdings könne er sich derzeit noch nicht vorstellen, wie aus einer Region, die in zwei Regierungsbezirken liegt, eine Stadt werden soll. „Neualbenreuth ist interkommunal bereits sehr gut eingebunden. Wir sind Mitglied in der Ikom Stiftland.“ Der Zusammenschluss der Stiftland-Kommunen habe erst vor Kurzem eine Museumsfachkraft für die nichtstaatlichen Museen in der Region eingestellt. „Wir haben hier in Neualbenreuth den Sengerhof. Für den hätten wir uns alleine keine Mitarbeiterin leisten können.“ Auch die Klärschlammverwertung und als größtes Projekt das riesige interkommunale Gewerbegebiet in Wiesau sei nur durch die Ikom Stiftland möglich gewesen.

Eines verhehlt Meyer keineswegs: „Jeder Vorschlag ist es wert, dass man über ihn diskutiert. Und daher werden wir uns sicherlich auch mit der Idee der Landstadt befassen. Dass sie jemals realisiert werden wird, wage ich zu bezweifeln.“

Bürgermeister Jürgen Zinnert aus Bad Berneck spricht zwar von einer „kreativen Idee“, hat allerdings Zweifel, dass eine derart große Stadt viele Vorteile bringe. „Die Erfahrung zeigt, dass eine Gemeinschaft schwierig wird, wenn zu viele Akteure beteiligt sind.“ Nichts von Popps Vision hält Hansjürgen Kropf, Bürgermeister von Regnitzlosau im Landkreis Hof. Man arbeite interkommunal mit dem Landkreis zusammen, auch in der ländlichen Entwicklung laufe es gut. Der Weg zu einer Großen Landstadt sei schon allein aus rechtlichen Gründen sehr schwierig, weil die Bayerische Gemeindeordnung ein derartiges Projekt nicht vorsehe.

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