27.09.2020 - 11:20 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Miteinander für mehr Artenschutz

Der Spagat zwischen der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und dem Artenschutz ist schwer. Ein Forschungsprojekt soll nun helfen, dass er besser gelingt.

Projektbetreuer Oliver Kreß (links) und Stefan Schürmann (rechts) erläutern Landrat Peter Berek das Forschungsprojekt zur Artenvielfalt.
von Externer BeitragProfil

Es ist das größte Forschungsvorhaben zur Artenvielfalt, das es in Oberfranken je gegeben hat. Und es ist auch in Bayern einzigartig, informiert das Landratsamt Wunsiedel in einer Pressemitteilung. Im Landkreis Wunsiedel wird unter dem Projektnamen InseGdA (Artenvielfalt im Eger- und Röslautal – Anwendung insektenfreundlicher Bewirtschaftungsmethoden im Verbund von Gewässer und Aue) in den kommenden sechs Jahren intensiv geforscht. Das Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit zwei Universitäten, zahlreichen Verbänden und Bildungsstätten sowie den Bürgern durchgeführt wird, umfasst ein Finanzvolumen von rund 1,7 Millionen Euro.

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von 550 Hektar. Es reicht vom Weißenstädter See bis in den Süden über Röslau nach Schönbrunn und von dieser Linie jeweils nach Osten bis hin zur tschechischen Grenze.

Ein Kompromiss

Ziel ist, in den vier Projektgebieten zu erforschen, wie eine land- und wasserwirtschaftliche Nutzung aussehen kann, die ein Kompromiss zwischen der Bewirtschaftung von Gewässern und Wiesen einerseits und dem Artenschutz andererseits ist. Denn der Rückgang der Arten liegt am Verlust geeigneter Lebensräume, wofür sowohl die Bewirtschaftung des Grünlands als auch die Veränderungen der Strukturen in den Gewässern Gründe sind, so das Landratsamt.

Mit seinem sogenannten integrierten Ansatz geht das Forschungsprojekt neue Wege. Alle Fäden laufen dabei in der Koordinationsstelle des Landkreises bei Dr. Oliver Kreß zusammen, der für die Durchführung des Projekts eingestellt wurde. Für die wissenschaftliche Betreuung und der Insekten im Wasser wurde Dr. Michael Seidel von der Uni Magdeburg verpflichtet. Stefan Schürmann, der die Idee zum Projekt hatte, hat damit ein kleines Forschungsteam aufgebaut, das selbst Untersuchungen anstellen, sich darüber hinaus aber auch eng mit den zahlreichen anderen Partnern vernetzen wird. Diese sind Landnutzer und Pflegeverbände, ökologische Bildungsstätten, Naturschutzverbände, Fachexperten diverser Hochschulen (Universität Bayreuth, Universität Magdeburg), Behörden und die Kommunen, erläutert Anke Rieß-Fähnrich vom Landratsamt.

Über den Tellerrand blicken

„Gerade von dieser interdisziplinären Arbeit erwarten wir uns wertvolle Erkenntnisse. Es ist immer gut, über den Tellerrand des eigenen Tuns hinauszuschauen. Hier kann der eine vom anderen lernen. Auch von der Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger versprechen wir uns viel. Denn nur, wenn das, was wir tun, bei den Partnern und der Bevölkerung auf Akzeptanz stößt, werden die Forschungsergebnisse auch nachhaltig in der Praxis umgesetzt werden und so zum Erhalt und der Verbesserung der Artenvielfalt beitragen können“, erklärt Schürmann.

Landrat Peter Berek: „Das Fichtelgebirge als Naturpark und als Landkreis, der sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht der Nachhaltigkeit verschrieben hat, ist der perfekte Ort für solche Forschungen. Ich bin mir sicher, dass wir hier große öffentliche Unterstützung erfahren werden. Und es freut mich, dass wir mit diesem Projekt einmal mehr Vorreiter für Bayern und ganz Deutschland sein dürfen. Denn Ziel ist auch, die Ergebnisse aus unserem Landkreis entsprechend zu verbreiten.“

Größter Geldgeber ist das Bundesamt für Naturschutz (BfU), aber auch der Bayerische Naturschutzfonds oder die Stiftung Natur- und Kulturlandschaft Fichtelgebirge tragen einen kleineren Anteil zur Finanzierung bei. Der Landkreis selbst nimmt rund 65.000 Euro für die Umsetzung in die Hand.

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