21.08.2018 - 14:27 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Seriendieb stiehlt auf "Bestellung"

Ein Arbeitsloser nimmt einen Obdachlosen bei sich auf und „beschäftigt“ ihn als Dieb. Daher sitzen beide wegen räuberischen Diebstahls vor dem Amtsrichter in Wunsiedel.

Symbolbild.
von FPHSProfil

(fphs) Eigentlich ist es eine gute Tat, wenn man einen Obdachlosen bei sich aufnimmt und ihm ein Dach über dem Kopf und etwas zum Essen anbietet. Eine gute Tat aber hatte ein ehemaliger Geschäftsmann aus dem Landkreis Wunsiedel, inzwischen arbeitslos, nicht im Sinn. Im Gegenteil. Er nahm einen jungen Mann aus Tschechien zwar bei sich zu Hause auf, nutzte ihn aber als Seriendieb, vor allem für hochwertige Fahrräder, die der junge Mann im Raum Marktredwitz stahl. Für die „Vermarktung“ sorgte der frühere Geschäftsmann.

Auf der Anklagebank vor dem Amtsgericht Wunsiedel saßen nun der junge Tscheche mit seiner Freundin sowie der frühere Geschäftsmann. Die Anklage ging von räuberischem Diebstahl aus. Und was der Staatsanwalt längere Zeit vortrug, war eine ganze Reihe von Diebstählen, vor allem im Raum Marktredwitz, teilweise in Selb.

Die Liste der Diebstähle reichte zurück bis ins Jahr 2014. Der junge Tscheche war damals zu Fuß von Asch bis Selb gelaufen – völlig mittellos und ohne jeglichen Plan, wovon er hier leben will. Das nutzte ein ehemaliger Geschäftsmann, inzwischen von Hartz IV lebend, aus. Er lernte den jungen Tschechen über einen gemeinsamen Bekannten kennen und bot ihm an, dass er bei ihm wohnen könne.

Das mildtätige Angebot wandelte sich aber schnell. Nach der Devise „umsonst ist nur der Tod“ verlangte der Mann bald eine Gegenleistung für seine gar nicht so gute Tat. Der junge Mann sollte in seinem Auftrag hochwertige Fahrräder, in erster Linie der Marke Cube oder Ghost, stehlen. Vor allem im Raum Marktredwitz waren die beiden dann auch aktiv.

Besonders in der Nähe des Schulzentrums setzte der Angeklagte den jungen Mann ein. Dort gebe es besonders viele hochwertige Fahrräder – gesichert oder nicht. Für schwerere Fälle hatte sich der Geschäftsmann sogar noch zusätzlich in Kosten gestürzt und einen Bolzenschneider gekauft, mit dessen Hilfe der junge Tscheche Sicherungen leicht durchknipste.

Mehr als ein Dutzend Fahrräder, vorwiegend Mountainbikes von Cube oder Ghost, stahl der Mann dann. Nicht nur im Schulzentrum. Auch in der Leopoldstraße in Marktredwitz, in der Thölauer Straße oder beim KEC. Fahrradsicherungen waren kein Hindernis. Mit dem Bolzenschneider war das kein Problem. Oft wartete der „Auftraggeber“ mit dem Auto in der Nähe, lud das Fahrrad mit ein und fuhr davon.

Das Interesse weitete sich bald noch aus. Im Rosenthal-Outlet in Selb stahl der junge Mann zusammen mit seiner Freundin eine wertvolle Figur, „die Liegende“, limitiert auf 199 Stück im Wert von 1983 Euro, aber auch Rosenthal-Aschenbecher von Versace im Wert von 389 Euro. Bei einem Wiederverkäufer in einer Nachbarstadt vertickte der ehemalige Geschäftsmann die Sachen. Ein Ladendiebstahl in Selb und der Verkauf gebrauchter Autoräder, die nie geliefert worden waren, spielten da kaum noch eine Rolle.

Vor Gericht räumten der junge Tscheche und seine Freundin die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang ein. Eigentlich habe er gedacht, er solle dem Mann nur einige Fahrräder stehlen und habe das auch aus Dankbarkeit getan, sagte er aus. Dann aber musste er immer wieder ran. Geld dafür aber habe er nie gesehen. Und als ihnen dann die Polizei auf die Schliche kam, musste er bei dem Geschäftsmann ohnehin wieder ausziehen.

Während die beiden geständig waren, stellte der ehemalige Geschäftsmann einige Vorwürfe der Anklage infrage und bestand auf einen weiteren Zeugen, der sich derzeit in Saudi-Arabien aufhalte. Deshalb wurde sein Verfahren abgetrennt und wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen.

Der Staatsanwalt forderte für den jungen Tschechen unter Einbeziehung von zwei Vorstrafen zur Bewährung eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könne, sowie eine Geldstrafe von 4200 Euro und 150 gemeinnützige Arbeitsstunden. Die Verteidigerin des Paares führte das umfangreiche Geständnis an und meinte, der Mann habe durchaus noch eine Chance verdient. Sie plädierte auf eine mildere Strafe.

Das Urteil: ein Jahr und zehn Monate Gefängnis für alle Straftaten, zur Bewährung auf drei Jahre ausgesetzt für den Mann. Außerdem muss er 150 soziale Arbeitsstunden leisten. Die Frau muss für die beiden Diebstähle 4200 Euro Strafe bezahlen. Außerdem müssen die beiden eine finanzielle Wiedergutmachung an die Geschädigten leisten. Zugunsten der beiden Angeklagten wertete der Richter das Geständnis.

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