20.08.2020 - 13:46 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Spöttisch-beißend und manchmal radikal

Das Ensemble des Metropoltheaters München brilliert mit „Schuld und Schein“ auf der Luisenburg.

Theater, Aufklärung und Unterhaltung bot das Ensemble des Metropoltheaters München auf der Luisenburg-Bühne.
von Holger Stiegler (STG)Profil

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ So hat es der amerikanische Autopionier Henry Ford vor etwa einem Jahrhundert formuliert. Das Zitat steht am Ende der Inszenierung „Schuld und Schein. Ein Geldstück“ des Metropoltheaters München, das zweimal auf der Luisenburg-Bühne zu Gast war. Ein Zitat, das die Erkenntnisse und Erklärungen des Zwei-Stunden-Stücks pointiert zusammenfasst.

Hier ein weiterer Bericht zum Sommer auf der Luisenburg

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Große Schauspielkunst gepaart mit nachdenklichen, spöttisch-beißenden und marktradikalen Dialogen – das zeichnet das Werk aus. Man könnte meinen, es wäre ganz aktuell im Sog von Cum-Ex und Wirecard entstanden. Weit gefehlt, denn die Uraufführung des Stücks von Ulf Schmidt ging bereits 2013 über die Bühne. Das Finanzen-, Banken- und Geldsystem sowie deren Verschleierungen funktionieren noch immer so wie man es kennt – allen öffentlichen Beteuerungen und Kritiken zum Trotz. Es ist ein Aufklärungsstück mit hohem Erkenntniswert – passend deswegen auch die Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“ zu Beginn des Stücks.

Auf Requisiten wird praktisch verzichtet, das Stück lebt von der Kraft des Wortes und dessen Visualisierung durch die fünf Protagonisten Butz Buse, Paul Kaiser, Marc-Philipp Kochendörfer, Philipp Moschitz sowie Hubert Schedlbauer. Szenenhaft werden einzelne Episoden dargestellt von schemenhaften und austauschbaren Protagonisten wie Sparer, Banker, Anleger und Staatsmacht-Vertreter. So erfährt man, was es mit dem „Naturgesetz“ der Inflation auf sich hat („Wir machen es Schritt für Schritt. Man muss das Wasser nur langsam erwärmen, damit der Frosch nicht merkt, dass er schmort. Jahr für Jahr ein paar Prozent“), warum Krieg ein „ganz besonderes Investment“ ist und weshalb der Handel mit „Unsicherheit“ so erfolgreich ist. Abgerechnet wird mit dem System der Rating-Agenturen, die nach dem Motto „Werte sind sicher, weil ich es sage“ arbeiten und denen es weniger um „Begründung“, sondern mehr um „Verkündung“ gehe.

Der Zuschauer lacht, staunt, durchschaut – und erschrickt. Es gibt wohl nur wenige Stücke, die mit der Finanzbranche ähnlich schonungslos und entlarvend umgehen. „Das kann eigentlich doch gar nicht wahr sein“, mag sich so mancher im Publikum mehrmals an diesem Abend denken. Und registriert kurz darauf: Stimmt trotzdem. So locker und komödienhaft die Thematik auch serviert wird – ergänzt um „Geld“-Lieder von beispielsweise ABBA („Money, money, money“), Pink Floyd („Money“), den Prinzen („Millionär“) und aus dem Musical Cabaret („Money makes the world go around“) sowie passende Choreografien – so brisant bleibt die Botschaft dieses Stückes. Und da soll noch einer sagen, Theater würde nicht bilden. Zum Schluss gibt es Standing Ovations für das formidable Ensemble.

Theater, Aufklärung und Unterhaltung - das bot das Ensemble des Metropoltheaters München auf der Luisenburg-Bühne.
Theater, Aufklärung und Unterhaltung - das bot das Ensemble des Metropoltheaters München auf der Luisenburg-Bühne.
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