25.07.2019 - 15:26 Uhr
Wurz bei PüchersreuthOberpfalz

Interview mit Organisatorin der Wurzer Sommerkonzerte Dr. Rita Kielhorn: Musik und Blüten im schattigen Pfarrhof

Die Wurzer Sommerkonzerte sind der Klassikhöhepunkt der Region. Rita Kielhorn organisiert die mehrwöchige Reihe seit 31 Jahren von Berlin aus und erzählt spannende Anekdoten rund ums Fest.

Dr. Rita Kielhorn (Mitte) ist die Organisatorin der Wurzer Sommerkonzerte.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

ONETZ: Sie wohnen ja eigentlich in Berlin, seit wann sind Sie in Wurz?

Rita Kielhorn: Seit 1972. (lacht) Nein, da hab ich das Anwesen erworben. Ich hab ja eigentlich immer in Berlin gelebt und kam durch Zufall in die Oberpfalz. Mein Schwager war damals Studienrat im Augustinum. Der Wurzer Pfarrhof war damals schon eineinhalb Jahre leergestanden, die Abrissbirne drohte. Für die Konzerte dieses Jahr bin ich erst vergangenen Dienstag aus Berlin angekommen. Es war so erstaunlich. Bei der Hitze ist der schattige Hof wunderbar kühl. Viele Konzertgäste werden Angst haben, dass es zu heiß ist. Aber die sitzen im Garten im ehemaligen Wurzer Pfarrhof und da ist garantiert Schatten. Dann gibt es ja noch eine Ausstellung im ehemaligen Marstall, da ist es auch sehr kühl. Die Waldsassener Zisterzienser haben ja 1780 den mittelalterlichen Pfarrhof in einen barocken umgebaut. Die wussten, was sie tun. Die Wände sind einen Meter dick.

ONETZ: Seit 1988 organisieren Sie die Sommerkonzerte im oberpfälzischen Wurz von Berlin aus. Wie schaffen Sie das?

Rita Kielhorn: Fürs Organisieren hab ich einfach ein Talent. Wir fragen nicht die Musiker, sondern die fragen uns. Musiker aus ganz Europa bewerben sich für die Sommerkonzerte. Alle, die da sind, wollen wiederkommen. Ich hab jetzt schon für 2021 alle Termine voll.

ONETZ: Was ist jetzt im Endspurt noch zu tun?

Rita Kielhorn: Gerade habe ich die Musiker aus Prag beruhigt, Harmonia Praga. Die haben mir Mails geschickt, sie haben Angst, dass es zu heiß ist. Aber es ist ja wie gesagt wunderbar kühl im Pfarrhof. Harmonia Praga macht das Eröffnungskonzert am Samstag 27. Juli, mit Liedern des Komponisten Myslivecek, ein Böhme, der damals berühmter war als Mozart. Er war Italiens teuerster Komponist. Die Italiener konnten seinen Namen nicht aussprechen und nannten ihn „Il Boemo“, der Böhme. Die ersten Pressemitteilungen für die Wurzer Sommerkonzerte mache ich übrigens schon zu Weihnachten. Ich hab nie Stress, ich habe Leidenschaft. Wenn man etwas nicht mit Liebe und Leidenschaft macht, dann macht es keinen Spaß.

ONETZ: Was machen Sie in Berlin noch so, praktizieren Sie noch als Ärztin?

Rita Kielhorn: Ich mache nur noch Psychotherapie, im kleinen Rahmen. Und ich leite Kurse für junge Ärzte zur Arzt-Patienten-Beziehung. Außerdem bin ich Ehrenvorsitzende des Berufsverbandes der Allgemeinärzte in Berlin und Brandenburg.

ONETZ: Was hat es mit dem Motto der Sommerkonzerte „Fiori Musicali“ auf sich?

Rita Kielhorn: Das heißt ja übersetzt: Musikalische Blumen. Es ist ein buntes Programm, mit Musik aus unterschiedlichen Zeiten und Ländern, von Bach bis zu Filmmusik von Ennio Morricone. „Fiori Musicali“ ist auch der Titel des Auftritts von Neobarock am 10. August um 18 Uhr, das den Echo-Klassik gewonnen haben. Da können sich die Besucher in die Schönheit barocker Gärten hineinträumen.

ONETZ: Auf was freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

Rita Kielhorn: Auf das Ganze. Natürlich bin ich immer etwas aufgeregt, ob alles klappt. Die ganze Orga geht nicht ohne Helfer, die machen das mit sehr viel Enthusiasmus und kümmern sich, dass sich die Gäste nach den Ohrgenüssen auch den leiblichen Genüssen hingeben könne. Es gibt Zoigl und Wein, sowie ein Buffet gegen Spende.

Das gesamte Programm der Wurzer Sommerkonzerte

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