10.05.2021 - 16:02 Uhr
Wutschdorf bei FreudenbergOberpfalz

Landgang eines Wallers: Wutschdorfs gelber Gigant

Jahrelang hat man ihn nicht mehr gesehen, jetzt ist er wieder aufgetaucht: Wutschdorfs gelber Waller hat am Wochenende einen unfreiwilligen Landgang hingelegt und ist dann wieder in den Tiefen des geheimnisvollen Waldweihers verschwunden.

Stefan Bauer ist stolz auf seinen gelben Waller.
von Autor (gri)Profil

In seinem Teich ganz in der Nähe von Wutschdorf darf sich das Tier auch die nächsten Jahre zuhause fühlen: Ein gelber Waller hat es sich dort auf dem schlammigen Boden gemütlich gemacht. Zugegeben - die "Lettn" ist noch nicht richtig fett. Das Wasser ist frisch eingelassen, denn der Weiher hat eine Generalsanierung hinter sich. Es wird noch ein bisschen dauern, bis die Sedimente am Grund ein weiches Bett abgeben. Doch das kümmert den Exoten unter den Fischen hier nicht. Er schlägt ein paar mal mit der Schwanzflosse und taucht ab.

"Ich kenn einen Angler aus Passau, der hätte ihn mir für 1000 Euro abgekauft", sagt Stefan Bauer. "Zuerst hab ich schon überlegt. Aber jetzt gebe ich ihn nicht mehr her. " Der Wutschdorfer Fischzüchter ist ein Weiher-Narr. Rund 50 Teiche in der ganzen Umgebung hat er gekauft oder gepachtet und hergerichtet. Doch so ein schönes Flossentier wie in Wutschdorf tummelt sich nirgendwo in seinen Wassern. 21 Jahre ist der gelbe Waller schon alt. Das weiß Bauer genau, weil der Fisch im Babyalter war, damals, als er diesen Weiher übernommen hat. "Seitdem fühlt er sich hier wohl und wächst und wächst."

Gesehen hat ihn Bauer selten. Trotz seiner grellen Färbung versteckte er sich gerne auf dem Grund. Doch weil sein angestammter Teich jetzt ausgebaggert und die Dämme neu befestigt wurden, musste der Waller für die Dauer der Bauarbeiten in einen Nachbarweiher umziehen. Erst jetzt durfte er zurück. Das Einfangen erledigte Sohn Sebastian zusammen mit einem Kumpel. Nachdem das Wasser fast ganz abgelassen war, schritten sie in der Nähe des Mönches mit einem Betttuch zur Tat. Die beiden zogen das Leinen unter den Fisch durch und hoben ihn damit an. Ein Kraftakt. "Einen Zentner reicht da nicht", keuchte Sebastian, als er den Koloss mit den langen Barteln am Maul an das Ufer zog. Dort musste er nicht lange bleiben. Sekundenschnell ging es zu einem vorbereiteten Zwei-Meter-Bottich und danach in seinen alten Weiher zurück.

Der Zwei-Meter-Bottich war dringend nötig, denn diese Länge hat der Waller bereits erreicht. Natürlich ist das besondere an dem Tier nicht nur Länge und Gewicht, sondern vor allem die auffallende Färbung: Vermutlich eine Laune der Natur, ein seltenes Albino-Exemplar. Normalerweise sind seine glitschigen Artgenossen grau-schwarz mit einzelnen weißen Flecken. Und noch etwas unterschied die Fische beim Umsetzen deutlich: Der Albino war stoisch ruhig, schon fast zahm, seine normal gefärbten Brüder hingegen schlugen wie wild um sich und spritzten die Umstehenden mit Fischwasser voll. Der gelbe Waller hat - wenn alles gut läuft - noch ein langes Leben vor sich. Waller können so alt wie Menschen werden, schwerer und auch länger. Für heute ist Stefan Bauer zufrieden: "Jetzt lass ich ihn wieder in Ruhe. Soll er weiter wachsen und alt werden bei mir."

Oberpfälzer Waller-Experten

Eixendorf bei Neunburg vorm Wald
Info:

Waller

  • Waller (Silurus glanis) heißen auch Wels oder Flusswels und gelten als größte Süßwasserfische Europas.
  • Welse sind vorwiegend nacht- und dämmerungsaktive Raubfische, die sich von lebenden und toten Fischen, aber auch von Wirbellosen und gelegentlich von kleinen Wasservögeln und Säugetieren ernähren.
  • Normalerweise erreichen Waller, abhängig von ihrem Lebensraum, Körperlängen von einem bis eineinhalb Metern und dabei ein Gewicht von etwa 10 bis 50 Kilogramm. Sie können aber auch deutlich größer werden.
  • Waller sind Speisefische. Im Donauraum, am Fluss Po in Italien und an den großen Strömen der Ukraine und Russlands werden sie auch kommerziell befischt.
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