06.07.2020 - 15:52 Uhr
Wutschdorf bei FreudenbergOberpfalz

In der Pfarrbücherei Wutschdorf: Vogelnest im Bücherregal

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Da hat die Pfarrbücherei Wutschdorf einen echten Bestseller im Regal. Aber den kann sich niemand ausleihen: Mitten zwischen den Büchern hat ein Rotschwänzchen seinen Nachwuchs ausgebrütet.

"Eine Reise ins Unsichtbare" heißt der Buchtitel: Direkt neben dem Kinder-Brockhaus, in einem Regal der Pfarrbücherei Wutschdorf, hat ein Hausrotschwanz ein Nest gebaut und auch schon Nachwuchs ausgebrütet.
von Heike Unger Kontakt Profil

Ute Beigel, die Leiterin der Pfarrbücherei Wutschdorf, war "sehr überrascht", als sie diesen speziellen Neuzugang im Bücherregal entdeckte: Zwischen einem Kinder-Brockhaus und einem Feuerwehr-Erklärbuch nistet ein Vogel. Paul Lingenhöhl, Experte beim Kreisverband Amberg-Sulzbach des Landesbund für Vogelschutz, hat in Wutschdorf vorbeigeschaut und bestätigt: Es ist ein Hausrotschwanz, der da mit Futter im Schnabel durch das gekippte Fenster in die Bücherei fliegt. Die Redaktion hatte sicherheitshalber bei der Kreisgruppe Amberg-Sulzbach des Landesbund für Vogelschutz nachgefragt.

Die Pfarrbücherei Wutschdorf hat einen ganz besonderen "Bestseller" im Regal: Das Nest einer Rotschwanz-Familie ist momentan "die" Attraktion in der Einrichtung.

Besucher sollten Abstand halten

Lingenhöhl berichtet, Rotschwänze seien "relativ störungsunempfindlich" und die Bücherei in Wutschdorf habe ja auch "nur" zweimal in der Woche für eine Stunde geöffnet. Insofern sollte auch dieser Brutplatz kein Problem sein - und auch nicht, dass ihn der Altvogel nur über ein gekipptes Fenster anfliegen kann.

"Man sollte vielleicht die Besucher sensibilisieren, dass diese nicht unmittelbar vor dem Nest stehen", regt er an. Der Ausflug nach Wutschdorf habe sich jedenfalls gelohnt, meinte Lingenhöhl: Er hat dort am Montag auch noch Bluthänflinge, eine Finkenart, auf dem Dach der Bücherei beobachtet.

Nachwuchs ist schon geschlüpft

Der Altvogel sei ihr schon ein paar Mal aufgefallen, als er herum geflogen sei, berichtet Ute Beigel im Gespräch mit der Redaktion. "Ich glaub', der hat es im ganzen Haus probiert", scherzt sie. Drei Tage später sei dann schon das Nest fertig gewesen. Und die Vogelmutter machte sich ans Brüten.

Inzwischen ist auch schon der Nachwuchs aus den Eiern geschlüpft: Fünf Vogelbabys hat Ute Beigel gezählt - aus gebührendem Abstand, um die ungewöhnlichen Bücherei-Gäste nicht zu stören. Das sei freilich schon ein bisschen schwierig, wie die Leiterin meint, denn die Wutschdorfer Pfarrbücherei bestehe ja eigentlich nur aus einem einzigen, etwa 20 Quadratmeter großen Raum. Und die Vogel-Mama hat ihren Nistplatz direkt an der Tür und damit ausgerechnet so gewählt, dass jeder Bücherei-Besucher daran vorbei muss. Natürlich seien die Vögel "die" Attraktion, aber die Lesefreunde seien vorsichtig beim Schauen.

Ute Beigel vermutet, dass die Vogel-Mutter durch ein gekipptes Fenster in die Bücherei eingezogen ist. Womöglich gefiel ihr das Plätzchen, "weil es bei uns eigentlich schon schön ruhig ist". Bislang gibt es keinen Grund zur Klage seitens der "Vermieter": Die Vogelfamilie habe bislang noch keine Hinterlassenschaften da gelassen, berichtet Beigel und lacht: "Sogar die Eierschalen sind weg." Bislang sei die gefiederte Familie auch sehr ruhig, sagt die Bücherei-Leiterin, die Kleinen "schlafen viel". Und ihre Mutter lasse sich auch nicht aus der Ruhe bringen.

"Die" Attraktion der Bücherei

"Wir finden das natürlich total süß", schwärmt Beigel und erzählt, dass die Vogelfamilie "die" Attraktion bei den Wutschdorfern ist. Klar, dass die Rotschwänzchen bleiben dürfen. Und dass die Bücher, zwischen denen sie sich eingenistet haben, bis auf Weiteres "nicht zur Verfügung stehen".

Offenbar hat Beigel bis jetzt instinktiv alles richtig gemacht, wie die Nachfrage beim LBV ergab. Deren Landkreis-Repräsentant Christopher Trepesch sagte, ein Umsetzen des Nests "sollte man vermeiden" - auch wenn der Nistplatz skurril sei. "Schwierig wird's, wenn die Jungen flügge werden", meint er: "Dann müsste man das Fenster weiter öffnen." Im schlimmsten Fall werde ein bisschen Vogeldreck in der Bibliothek verteilt.

"Das wird noch spannend"

Ute Beigel sieht auch das gelassen - so sehr freut sie sich über ihre gefiederten Gäste. Jetzt müsse man einfach mal abwarten, wie die Geschichte weitergeht, wenn der Vogel-Nachwuchs seine ersten Flugversuche mache, bevor er endgültig abhebt. "Dann müssen wir halt das Fenster richtig aufmachen." Das, fügt sie lachend hinzu, "wird dann noch spannend".

Hintergrund:

Das sagt der Landesbund für Vogelschutz

  • Der Hausrotschwanz brütet gern im Inneren großer Räume (z.B. Fabriken) oder in Garagen.

  • Die Vögel brauchen hier immer eine Möglichkeit zum Anfliegen des Nestes (gekippte Fenster).
  • Ein Umsetzen des Nests sollte man vermeiden.
  • Schwierig wird es, wenn die Jungen flügge werden: Dann müsste man das Fenster weiter öffnen.
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