Wale, die kiloweise davon gefressen haben, angeschwemmte Plastik-Berge an Meeresküsten, den Ufern von Flüssen und Seen, ganze Wüstentäler gefüllt damit, zu Mikroplastik zersetzt in Blutkreisläufen: Plastik, die Plage. "Wegwerfhandschuhe im Krankenhaus machen Sinn, zumindest bis die Forschung Besseres erfunden hat, aber an anderer Stelle können und sollten wir als mündige Verbraucher Plastik sparen. So viel wie möglich", beschloss Veronika Peters-Brunner, Juniorchefin auf dem Schwandorfer Brunnerhof. "Ich empfinde Plastik als fremd, es verrottet nicht und fügt sich nicht in den Naturkreislauf ein. Und ich will mich nicht darauf ausruhen, dass Forscher weltweit fieberhaft nach Lösungen suchen."
40 Tage Plastik fasten
"Am Aschermittwoch dachte ich noch, dass ich ohnehin bewusst konsumieren würde, und war ernüchtert, dass meine Alltagswege quasi mit Plastik gepflastert sind. Allein schon morgens: Die Zahnbürste im Zahnputzbecher, das Shampoo und die Tüte mit Kaffeebohnen. Da war ich erst mal bedient." Die 35-jährige Hauswirtschaftsmeisterin, auf deren Familienhof Schweine glücklich in Strohhaltung leben dürfen und im Hofladen frische Produkte aus der Region feilgeboten werden, beschloss die Ärmel hochzukrempeln und Alternativen zu finden. "Das Zeug ist echt überall. Ganz weg bekomme ich es nicht, aber es ist weniger geworden. Ein Anfang und allemal besser als Resignation."
Praktische Tipps
Welche Tipps hat sie? "Die Engländer sagen's mit einer Alliteration: Reduce, reuse, recycle", erzählt Peters-Brunner, "also reduzieren, wiederverwenden und in die Wertstoffkette zurückführen durch Mülltrennung. Möglichst wenig Plastik neu anschaffen. Wir haben die Zahnpasta durch Zahnöl in Glasflaschen ersetzt, verwenden jetzt Seifenstücke und die Trinkflaschen aus Plastik waren ohnehin immer viel zu schnell kaputt und unansehnlich. Bei Dingen, die wir oft nutzen, investieren wir jetzt in Nachhaltiges, hochwertige Glasflaschen zum Beispiel", schildert sie konkrete Neuerungen.
Neue Wege
"Eigene Einkaufstaschen hatte ich privat beim Einkauf ohnehin schon immer dabei, und uns sind Kundinnen und Kunden herzlich willkommen, die ihren Aufschnitt in mitgebrachten Dosen mitnehmen wollen." In ihrem Hofladen gibt es keine Einkaufstüten, auch nicht gegen Gebühr: "Eine ältere Dame näht für uns Taschen aus Stoffresten - die geben wir Kunden mit. Außerdem reichen wir Kartons weiter, in denen wir selbst Ware geliefert bekommen", schildert die Unternehmerin. Und ergänzt: "Statt Tiefkühlfisch einen Karpfen vom Teichwirt nebenan, ein Großeinkauf auf dem Markt statt im Supermarkt - zugegeben, es geht nicht ohne Plastik und manche Alternativen sind vor allem für Familien schnell teuer, aber zumindest weniger kann jeder umsetzen."
Und abgesehen vom moralischen Argument: "Weniger Plastik bedeutet auch ästhetischere Materialien wie Holz, Keramik und Leinen." Ihr Resümee: "Ich bin froh über die 40 Tage, und bleibe dran." (mvs)
Das Eintauchen in ein Leben ohne Plastik – so wie der erste weltweit forschende Naturentdecker Alexander von Humboldt in den Urwald – kann digital auf den Hashtag-Pfaden #zerowaste, #plasticfree, #lessplastic beginnen.
Weitere Tipps zur Plastikvermeidungen gibt es zum Beispiel auch online beim „World Wide Fund For Nature“ (WWF) auf www.wwf.de , beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf www.nabu.de und auf https://nachhaltig-sein.info . (mvs/nd)















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