07.08.2018 - 16:34 Uhr

Eine Zukunft für das Schaf?

Alte Rassen wie das "Coburger Fuchsschaf" sind selten geworden. Wolle ist nichts mehr wert. Heute werden die Tiere zur Pflege wertvoller Biotope eingesetzt.

Am rötlichen Kopf erkennt man das Coburger Fuchsschaf.  Oberpfälzer Freilandmuseum
Am rötlichen Kopf erkennt man das Coburger Fuchsschaf.

(moh) Rund 1,6 Millionen Schafe gibt es noch in Deutschland, aber nur rund 4500 davon gehören der alten Haustierrasse "Coburger Fuchsschaf" an. Einige davon leben auch im Oberpfälzer Freilandmuseum in Neusath bei Nabburg.

Den seltsamen Namen hat das Tier, weil es als Junges eine rötliche Färbung ähnlich wie ein Fuchs hat. Selbst das erwachsene Tier zeigt die Farbe noch an Kopf und Beinen. Die meisten Schafe in Deutschland sind aber heute Merinoschafe. Diese auf mehr Wollertrag gezüchtete Rasse wurde ab 1750 in Deutschland eingeführt.

Ein Schäfer bekommt nur 45 Cent pro Kilo Schafwolle (Stand 2008), und weil so ein Schaf nur drei Kilo Wolle hat, ist mit der Wolle nichts mehr verdient.

Zur Fleischerzeugung

Heute lebt ein Schäfer vom Lammfleisch. Ein Lamm, das im Herbst zur Welt kommt, wird manchmal schon an Ostern geschlachtet. Sieben Jahre ist die natürliche Lebenserwartung bei einem Mutterschaf, das man leben lässt, damit es sich um die Lämmer kümmert. Heute nutzt man Schafe auch, um wertvolle Biotope zu erhalten. Gerade seltene Pflanzenarten fühlen sich auf nährstoffarmen Standorten wohl.

Die Schafe halten solche Magerwiesen nicht nur kurz, sie verfrachten auch die Nährstoffe: Ihre Ausscheidungen landen erst am nächsten Tag ganz wo anders, am besten auf einem Acker, der die Düngung gut gebrauchen kann. So wird die Magerwiese "ausgehagert". Das Bild vom Schäfer mit der Pfeife, gemütlich auf seinen Stock gestützt, stimmt schon lange nicht mehr. Ein Schäfer hat alle Hände voll zu tun. Ein Tag im Leben eines Schafs ist genau festgelegt. Vor 10.30 Uhr geht es nicht auf die Weide, denn am Morgen lauern gefährliche Parasiten auf den Spitzen der Gräser in der Hoffnung, von einem "Wirt" gefressen zu werden.

Lange Arbeitstage

Bis 13 Uhr hütet der Schäfer seine Tiere, dann geht es wieder in den Pferch, weil es den Schafen mittags zu warm wird. Erst ab 18 Uhr treibt der Schäfer seine Schafe wieder raus auf die Weide, und gegen 20.30 Uhr wieder zurück in den Pferch. Der Arbeitstag des Schäfers ist lang. Aber immerhin gibt es sie noch, die Schäfer. Vielleicht werden die Museums-Schafe in Neusath aber bald die letzten sein.

Im Oberpfälzer Freilandmuseum werden noch stilechte alte Haustierrassen gehalten. Oberpfälzer Freilandmuseum.
Im Oberpfälzer Freilandmuseum werden noch stilechte alte Haustierrassen gehalten.
Auch in der Oberpfalz gibt es noch Schafherden. Harald Mohr
Auch in der Oberpfalz gibt es noch Schafherden.
Aus Schafwolle lässt sich auch Filz machen. Harald Mohr
Aus Schafwolle lässt sich auch Filz machen.
Info:

So entsteht Filz

Aus Wolle können nicht nur gewebte Textilien hergestellt werden, sondern auch Filzprodukte. Wollfasern bestehen aus umeinander gewundenen Fäden aus dem Gerüsteiweiß Keratin.

Die Faser ist nach außen hin von dachschindelartig angeordneten flachen Zellen bedeckt, der Schuppenschicht. Die Spitzen dieser Schuppen zeigen wie beim Dach alle in eine Richtung. Werden die Wollfasern geknetet, verhaken sich die Schuppen ineinander wie Widerhaken, so dass die einzelnen Fasern nur in einer Richtung aneinander vorbeigleiten können. Auf diese Weise bildet sich ein immer dichter werdendes Geflecht, der Filz.

Beim Filzen feuchtet man die Wolle mit Seifenwasser an, weil diese leicht basisch reagiert. Dadurch laden sich die Keratinmoleküle negativ auf und ziehen Wasser an, was die Wolle aufquellen und die Schuppen dadurch mehr abstehen lässt, wodurch sie sich besser verhaken. Filz wird außer im Hobby- und Bekleidungsbereich auch heute noch technisch eingesetzt, etwa für Dichtungen, Schmierfilze oder als Dämmmaterial. (moh)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.