Die Musik ist es, die die Seele erwärmt und fröhlich macht. Fröhlichkeit, das heißt auch "Frejlachs". Die Melodien - mal hebräisch, mal "jiddisch" gesungen - gehören zur jüdischen Volksmusiktradition. Am Pfingstmontag faszinierten sie das treue Speinsharter Publikum.
Die Internationalität der Begegnungsstätte kennt keine Grenzen. Wesentlicher Bestandteil dieser Grenzenlosigkeit ist das Musikleben. Am Pfingstmontag war es die Gruppe "Shoshana", die die Besucher mit ihrem Repertoire in der Tradition der Aschkenasim, der mittel- und osteuropäischen Juden, begeisterte. Die Hörerschaft erlebte ein Konzert voller Wärme und Leidenschaft.
Nicht umsonst denkt man bei dieser Musik an jubelnde, lachende und weinende Geigen. So versprachen auch die Ensemblemitglieder Leonid Norinsky, Larisa Faynberg und Ina Norinska ein internationales Festival jüdischer Kunst. Und wie: In einem ungewöhnlichen Arrangement bezauberte "Shoshana" mit bravourös interpretierten Stücken und Liedern, die von überschäumender Lebensfreude bis hin zu trauriger Melancholie reichten.
Beides ist in der Tradition der osteuropäisch-jüdischen Kultur untrennbar verbunden. Auch das fast zweistündige Konzert am Pfingstmontag bestätigte in der ungewöhnlichen Besetzung mit Knopfakkordeon, Violine und Gesang diesen Gleichklang. Beispielhaft die "Frejlachs", bei denen die Violine (Larisa Faynberg) mit zärtlichen Tonmalereien begann und Ina Norinska an der Percussion sowie Leonid Norinsky am Knopfakkordeon sich augenzwinkernd immer schnellere Tempi zuwarfen.
Geht es noch schneller? Und noch schneller? Schließlich endeten manche Stücke mit atemberaubenden, furiosen Höhepunkten, begleitet von den Jubelstürmen des Publikums. Zwischendurch überzeugte Ina Norinska auch mit schauspielerischen Fähigkeiten und einem krachenden Feuerwerk an jüdischen Witzen.
Mit viel Lebensfreude, Gestik und Mimik spielten sich die Drei zum Beispiel mit "Baj mir bist du schejn" temperamentvoll in die Herzen der Zuhörer. Musik zu Hochzeiten und neckisch-sketchartige Lieder wechselten sich ab mit Israel-Pop, jüdischen Tangos, untermalt und begleitet von Ina Norinskas Tänzen, Witzen und Zwiegesprächen.
In allseits bekannten Melodien wurde auch das Publikum einbezogen: Mitsingen und -summen war erlaubt. Ohne Textkenntnisse hieß es dann einfach: "Dona dona don", "Lalala", "Bababum" und "Mamama". "Erzählen Sie den Leuten, dass Sie in Speinshart zum ersten Mal 'jiddisch' gesungen haben", scherzte Ina Norinska.
Doch "Shoshana" bot noch viel mehr. Der kleinen Einführung in die "Klezmer-Kunde" mit ihren Mitmach-Effekten folgten feurige, heißblütige Melodien. Es waren Stücke, die an ungarische Tänze ebenso erinnerten wie an orientalische Nächte.
So erlebte das Publikum eine abwechslungsreiche Reise durch die Welt der Klezmer-Musik, immer wieder bereichert durch eindrucksvolle Akkordeon-Soli von Leonid Norinsky, das virtuose Geigenspiel von Larisa Faynberg und das überschäumende, alles bejahende Temperament von Ina Norinksa. Das Ensemble sorgte im restlos besetzten Musiksaal des Klosters für ein musikalisches Spektakel, das mit dem Optimismus verbreitenden und spirituell anmutenden Ohrwurm "Hallelujah" endete, dem Siegerlied von "Milk Honey" beim Eurovision Song Contest 1979.
Virtuos verstand es "Shoshana", die lebensbejahende Stimmung der Musik in "jiddischer" Sprache, die zu 70 Prozent aus Deutsch besteht, zur Geltung zu bringen. In Speinshart feierte ein Stück Kultur Auferstehung, das fast in Vergessenheit geraten ist. Die Zugabe-Wünsche wollten nicht enden - kein Wunder bei so viel Zärtlichkeit, Melancholie, Leidenschaft und guter Laune. Ein unvergessliches Konzert.
Klezmer-Musik
Das Ensemble "Shoshana" wurde im Frühjahr 2004 in Dessau gegründet. Die Veranstaltungen, zu denen die Musiker in ganz Deutschland eingeladen werden, reichen vom Kulturprogramm des Zentralrats der Juden in Deutschland bis zum Internationalen Festival der Jüdischen Kunst "Goldene Hanukkah". Ina Norinska, Leonid Norinsky und Larisa Faynberg haben ihr Programm allerdings nach einem modern-klezmerischen Lied benannt: "Baj mir bist du schejn", dem großen Hit der "Andrew Sisters" aus den 1930er Jahren. Der Begriff "Klezmer" leitet sich aus dem Hebräischen ab und bedeutet so viel wie "Melodie". Außerdem bezeichnet man mit dem Wort auch den ausübenden Musiker. Der Schlüssel der Klezmer-Musik liegt in der Bedeutung der Hochzeit bei den aschkenasischen Juden. Die Wurzeln der Tradition liegen in den jüdischen Siedlungen des Hochmittelalters im Rhein-Main-Donau-Gebiet. Von dort breitete sich die Kultur immer weiter nach Osteuropa aus. (do)














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