07.01.2021 - 16:41 Uhr
MünchenSport

1860 vor Doppelderby-Auftakt: Michael Köllner setzt auch auf Regionalität

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Weihnachten war er zu Hause in Fuchsmühl, besuchte auch die Christmette. Dann ging's schnell wieder nach München. Auf 1860-Trainer Michael Köllner und den Drittligisten wartet schon am Samstag eine ganz heikle Aufgabe.

Gut gelaunt zur Arbeit, wenngleich es auch manchmal bitterkalt ist, wie 1860-Trainer Michael Köllner sagt.
von Josef Maier Kontakt Profil

Auch für die 3. Liga geht die Terminhatz in Coronazeiten weiter: Vor dem Start nach der kurzen Weihnachtspause am Samstag spricht "Löwen"-Trainer Michael Köllner über blutjungen Nachwuchs, Qualität am Ball und die Voraussetzungen für eine "Top-top-top-Saison".

ONETZ: Vor wenigen Tagen, am 29. Dezember, sind Sie 51 Jahre alt geworden. In Coronazeiten gab es sicherlich keine große Feier?

Michael Köllner: (lacht) An dem Tag haben wir sogar zwei Mal trainiert. Mittags habe ich den Spielern dann ein Essen ausgegeben. Das habe ich auch nicht gedacht, dass ich mal mit meiner Mannschaft Geburtstag feiere. In normalen Jahren haben ja alle Spieler und ich Urlaub zu der Zeit.

ONETZ: Sie gelten als Spieler-Entwickler Zum Trainingsauftakt hatten Sie gleich vier blutjunge Talente, gerade 16 und 17 Jahre alt, dabei. Ist das ein "Zuckerl" für die Jungen oder haben Sie da einen richtigen Kracher in der Hinterhand?

Michael Köllner: Es soll zum einen ein Zuckerl sein, um gute Entwicklung zu honorieren. Zum anderen sind es Spieler, die bei uns in den Profikader reinkommen können. Jetzt sind alle wieder in ihren Junioren-Teams und sollen dort auch einiges weitergeben. Wie ist es bei Profis? Auf was muss man aufpassen? Was wird dort gefordert? Dies sind Sachen, die ihre Mitspieler interessieren. Uns ist wichtig, dass die Jungs trotz Corona die Chance haben, Erfahrungen zu sammeln.

ONETZ: Mit Lorenz Knöferl haben sie noch so einen Jungspund im Team. Gegen den SV Wehen rettete er mit seinem 2:2 einen wichtigen Punkt ...

Michael Köllner: Das war ein Einstand mit Pauken und Trompeten. Wenn man wenige Minuten spielt, gleich ein entscheidendes Tor macht und das auch noch als jüngster Spieler in der Sechziger-Geschichte. Er hatte in den letzten Wochen starke Trainingsleistungen, hat sich die Spielminuten verdient. Aber man muss jetzt abwarten, wie er sich weiterentwickelt.

Das Köllner-Interview vor dem Saisonstart im Spät-Sommer

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ONETZ: Mit Merveille Biankadi haben Sie in der Weihnachtspause einen gestandenen Profi aus Heidenheim ausgeliehen. Hilft er sofort?

Michael Köllner: Wir kennen ihn schon länger. Es hat sich jetzt die Möglichkeit ergeben, ihn auszuleihen. Durch die Abgänge im Sommer von sehr spielstarken Spielern haben wir eine Lücke, was individuelle Qualität am Ball betrifft. Die konnten wir mit Richard Neudecker zum Teil schließen, aber es sind ja mehrere Spieler gegangen. Es war klar, wir brauchen noch jemanden, der noch mehr über den Flügel kommt.

ONETZ: Biankadi ist Münchner, Neudecker auch. Stefan Lex kommt aus dem Münchener Umland wie Marco Hiller, Dennis Dressel oder Philipp Steinhart. Sie haben eine urbayerische Truppe beieinander ...

Michael Köllner: Das ist ein Kriterium, das man nicht unterschätzen darf, dass Spieler in ihrem gewohnten Umfeld sind. Sascha Mölders wohnt ja auch hier in Mering, hat ein Haus hier gebaut und wird wahrscheinlich nicht in den Ruhrpott zurückkehren. Wenn Spieler wie Biankadi oder Neudecker in ihre Stadt zurückkommen, brauchen sie keine lange Anlaufzeit, sie wissen, wie München tickt. Und Spieler mit bayerischen Wurzeln sind natürlich eine perfekte Kombination mit Sechzig München. Regionalität ist ein starker Trumpf.

ONETZ: Das Auftaktprogramm nach der Weihnachtspause hält gleich zwei Derbys bereit: Am Samstag gegen Bayern II, gut eine Woche später gegen Ingolstadt ...

Michael Köllner: Da geht es gegen den amtierenden Meister und eine Mannschaft, die vor uns ist. Ingolstadt hat für einen Drittligisten tolle Möglichkeiten. Wenn man da punktet, gäbe das schon einen Kick für die nächsten Wochen. Siege sind einfach auch extrem wichtig wegen der derzeitigen Begleitumstände: Der Lockdown wird verlängert, es sind weiterhin keine Zuschauer im Stadion, im Training ist es bitterkalt, wenn man rausgeht. Das sind alles so Begleiterscheinungen, die man nicht unterschätzen darf. Deswegen sind Erfolgserlebnisse sehr wichtig.

ONETZ: Die Drittliga-Tabelle war lange schief. Jetzt ist Sie nicht mehr so schief und 1860 ist Dritter.

Michael Köllner: Wir sind zufrieden, mit dem was wir 2020 hingelegt haben. Speziell auch mit den bisherigen 17 Spielen in dieser Saison, aber wir haben noch nicht mal die Vorrunde hinter uns. Natürlich wünschen wir uns, dass wir so gut wie möglich abschneiden. Wir gehen ja nicht in die Saison und wollen dann Achter werden. Aber wir kennen unsere Möglichkeiten, haben einen mittelmäßigen Spieleretat. In dem Punkt sind wir einfach Mittelmaß. Wir können nicht so einfach große Qualität zukaufen. Wir müssen viel mit jungen Spielern arbeiten.

ONETZ: Was erwarten Sie?

Michael Köllner: Wenn wir die nächsten Wochen dranbleiben können und uns weiterentwickeln, können wir eine Top-top-top-Saison spielen, derzeit spielen wir eine gute bis sehr gute Saison. Uns hat natürlich die englische Woche kurz vor Weihnachten mit sieben Punkten gut getan, die haben uns auf Platz drei gehievt. Hätten wir nur drei geholt, wären wir vielleicht Zehnter. Das zeigt auch die Enge der Tabelle.

Info:

Die bisherige Saisonbilanz von 1860 München in der 3. Liga

  • Tabellenplatz 3
    17 Spiele, 27 Punkte: 7 Siege, 6 Unentschieden, 4 Niederlagen; Torverhältnis: 35:19
    1. Dynamo Dresden: 17 Spiele/35 Punkte: 2. FC Ingolstadt 16/28
  • Nächste Spiele
    9. Januar (Samstag) beim FC Bayern München II; 18. Januar (Montag) gegen den FC Ingolstadt; 24. Januar (Sonntag) gegen den SV Meppen; 27. Januar (Mittwoch) beim 1. FC Magdeburg
  • Beste Torschützen
    Sascha Mölders (12); Dennis Dressel (6)

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