17.09.2020 - 17:12 Uhr
FuchsmühlSport

"Löwenstark": 1860-Trainer Köllner über tolle Neuzugänge, Gehaltsgefüge, Erras und den Disput mit Schwabl

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Am Samstag startet 1860 München in die neue Drittliga-Saison. Die Jungs sind bereit, was sie schon im Pokal bewiesen haben. Für Trainer Michael Köllner ist auch eine Sache außerhalb des Fußballplatzes wichtig.

1860-Trainer Michael Köllner (rechts) klatscht mit seinen Spielern
von Josef Maier Kontakt Profil

Einige "Löwen"-Fans wurden schon nervös, Trainer Michael Köllner nicht. Er und Sportchef Günter Gorenzel haben auch noch geliefert in Sachen Neuzugängen. Mitte der Woche verpflichteten die Münchener "Löwen" mit Martin Pusic (32) und Tim Linsbichler (20) zwei österreichische Angreifer, die auch Kapitän und Sturmführer Sascha Mölders etwas entlasten sollen. Einen weiteren Neuzugang lobt der Oberpfälzer Trainer im Interview mit den Oberpfalzmedien in höchsten Tönen. Und der 50-Jährige aus Fuchsmühl hat auch seine früheren Spieler nicht vergessen, über deren neue Arbeitsplätze er sich freut.

ONETZ: Vor einigen Wochen spielte Frankfurt noch Europa-League. Am Samstag hat Ihre Mannschaft die Eintracht ganz schön ins Schwitzen gebracht. Kann eine Niederlage auch Mut machen?

Michael Köllner: Ja, das hoffe ich doch. Gegen Frankfurt wäre sogar mehr drin gewesen. Wir hatten schon einen guten Matchplan und ich war fast ein bisschen überrascht, dass wir so viele gute Möglichkeiten im Spiel hatten. Da hätten wir den Gegner durchaus empfindlicher treffen können. Aber man hat gesehen, dass noch ein Tick Qualität fehlt.

ONETZ: Die Vorbereitung, die Ergebnisse der Testspiele, lassen Gutes erwarten ...

Michael Köllner: Wir blicken auf sehr, sehr starke Leistungen zurück. Gegen Jahn Regensburg, Bayreuth oder beim Pokalsieg gegen den Zweitligisten Würzburger Kickers haben wir richtig gute Spiele gemacht. Gegen Meppen beim Saisonauftakt am Samstag zählt das aber nicht, auch nicht die gute Leistung gegen Frankfurt.

ONETZ: Mancher Löwen-Anhänger ist schon nervös geworden, als lange Zeit mit Erik Tallig nur ein Neuzugang feststand. Sie sind ruhig geblieben ...

Michael Köllner : Wir haben schon letzte Saison ein paar wichtige Entscheidungen getroffen, etwa mit Stefan Lex und Torhüter Marco Hiller zu verlängern. Das Grundgerüst im Kopf war klar. Günther Gorenzel und ich haben uns dann auf einen klaren Weg für die neue Saison geeinigt, von diesem Weg bin ich überzeugt. Und da muss man auch Ruhe bewahren.

Rückblick auf die vergangene Saison bei 1860

München

ONETZ: Wie sieht diese neue Strategie aus?

Michael Köllner: Wir hatten ja 17 auslaufende Verträge. Mit Sascha Mölders haben wir verlängert. Mit Noel Niemann und Efkan Bekiroglu haben sich nur zwei Spieler für andere Vereine entschieden. Alle anderen Spieler hätten wir weiterverpflichten können, wenn wir schon zu Saisonbeginn über die Etats verfügt hätten, die wir jetzt haben. Wir wollten jedoch jetzt mit den neu zur Verfügung gestellten Mitteln bewusst neue Impulse setzen. Die Neuzugänge haben uns qualitativ nach vorne gebracht. Es geht jetzt auch darum, unsere jungen Spieler nach vorne zu bringen. Die haben uns bisher im Training gut getan. Sie haben das Trainingsniveau, vor allem was die Laufstärke betrifft, enorm angehoben. Den "Löwen"-Fans muss also überhaupt nicht bange sein, auch wenn wir nicht mit den großen Namen auf dem Transfermarkt unterwegs waren. Wir haben richtig gut gearbeitet.

ONETZ: Kam die jüngste Etaterhöhung von 3 auf 4 Millionen Euro zu spät? Leihspieler Tim Rieder wollten sie ja unbedingt halten ...

Michael Köllner: Was heißt zu spät. Es geht auch um die Rahmenbedingungen, etwa, was ein Spieler verlangt. Man will auch das Gehaltsgefüge nichts sprengen. Und es war ja auch klar, dass eine Etaterhöhung im siebenstelligen Bereich nicht an einem Tag über die Bühne geht. Das muss gut vorbereitet und abgesprochen sein. Da verstehe ich auch die Verantwortlichen. Es ist klar, dass sich die Gremien auch die Zeit nehmen.

ONETZ: Erik wer, fragten sich am Anfang einige. Mit dem 20-jährigen Erik Tallig vom Chemnitzer FC scheinen Sie einen wirklich guten Fang gemacht zu haben ...

Michael Köllner: Für uns war nicht überraschend, wie er sich präsentiert. Erik hat hier in den ersten vier, fünf Wochen einen Raketenstart hingelegt. Er muss jetzt schauen, dass er jetzt auch nicht zu viel von sich erwartet. Bei so einem großen Verein wie 1860 ist die Erwartungshaltung natürlich immer groß. Er soll hier einfach Fußball spielen. Er hat wirklich Perspektive, Potenzial und auch einen guten Charakter. Er passt auch gut zur Art und Weise, wie Sechzigfans ihre Spieler sehen wollen: Sie wollen laufstarke, kampfstarke Spieler und das ist Erik.

ONETZ: Im Verein ist es derzeit ungemein ruhig. Kein Hickhack der Gesellschafter. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Michael Köllner: Ich glaube, alle Verantwortlichen sehen, dass wir einen Weg gehen wollen. Geeint hat 1860 eine große Schlagkraft. Ich bin Trainer von Gesamt-1860. Mit der letzten Saison hat jeder gesehen, was gemeinsam möglich ist. Es geht auch nicht darum, in die Vergangenheit zu blicken. Wir sollten nun alle bei den "Löwen" in die Zukunft schauen.

ONETZ: Als Oberpfälzer hatten Sie in Ihrer Zeit beim 1. FC Nürnberg zwei Talente aus der Oberpfalz mitentwickelt. Was sagen Sie zum Wechsel von Patrick Erras zu Werder Bremen?

Michael Köllner: Ich freue mich, dass er wieder die Möglichkeit hat, Bundesliga zu spielen. Mit seiner ruhigen, zurückhaltenden Art kommt er bei den Norddeutschen sicher gut an. So etwas wird dort wertgeschätzt. Ich denke, er wird viele Bundesligaspiele machen.

ONETZ: Auch Dennis Lippert haben Sie lange begleitet. Nach seiner schweren Verletzung und der jahrelangen Problemen hat er bei der SpVgg Bayreuth jetzt wieder eine Perspektive ...

Michael Köllner: Mit Dennis stehe ich fast jede Woche im Kontakt. In der schweren Coronazeit war es klar, dass es für sehr viele Spieler schwer werden wird, einen guten Verein zu finden. Wir haben viel telefoniert. Ich habe ihm auch zu Bayreuth geraten. Er kann mit einer starken Saison nochmal in den Blickpunkt rücken, auf sich aufmerksam machen. Denn wenn du einige Zeit nicht auf der Bildfläche warst, interessiert sich keiner mehr für dich. Da ist das Geschäft gnadenlos. Mit Bayreuth hat er einen heimatnahen Verein. Für Dennis ist ein heimatnahes Umfeld wichtig. Und mit Timo Rost hat er einen Trainer, der ihm Vertrauen schenkt.

ONETZ: Jüngst hatten Sie einen kleinen Disput mit Manfred Schwabl, dem Präsidenten der Hachinger. Es ging um die Nachwuchsstrategien der Vereine. Da hat der Manni kräftig abgeledert. Haben Sie sich schon ausgesprochen?

Michael Köllner: Nein, noch nicht. Aber das wird sich in der nächsten Zeit sicherlich mal ergeben. Das war ja auch keine Kritik und ist auch medial aufgebauscht worden. Da war das Sommerloch, da konnte man was schreiben. Ich bin am Sonntag wahrscheinlich beim Spiel unserer U19 in Haching, weil da auch einige Jungs aus dem Profikader mitspielen werden. Ich denke, der Manni ist auch da und dann können wir gemeinsam fachsimpeln (lacht).

Den "Löwen"-Fans muss also überhaupt nicht bange sein, auch wenn wir nicht mit den großen Namen auf dem Transfermarkt unterwegs waren.

1860-Trainer Michael Köllner

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