02.06.2020 - 14:54 Uhr
MünchenSport

1860-Trainer Köllner nach starkem Start: "Das wär' erbärmlich schade gewesen"

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die "Löwen" sind auch nach der Corona-Pause weiter giftig und bissig. Das spürt gleich der Spitzenreiter. Für den Trainer ist das keine Überraschung. Dennoch bremst er.

Trainer Michael Köllner zuletzt beim Spiel gegen Duisburg im menschenleeren Grünwalder Stadion: Der Oberpfälzer Trainer hat sein Team zum Re-Start topfit gemacht.
von Josef Maier Kontakt Profil

Was für ein Tag: Trainer Michael Köllner (50) feiert mit seinem Team den Aufstieg - in die Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg war im Mai 2018 wieder ganz oben. Gelingt dem Trainer aus Fuchsmühl (Kreis Tirschenreuth) dieses Kunststück gut zwei Jahre später auch eine Etage tiefer? 1860 München positioniert sich nach dem Re-Start der 3. Liga gleich hervorragend. Köllner erzählt im Interview mit den Oberpfalzmedien von der arbeitsreichen Pause, von Zweifeln, dem Auftritt am Mittwoch (20.30 Uhr) in Kaiserslautern und vom Verhältnis zu ehemaligen Mitarbeitern.

ONETZ: Hallo Herr Köllner, Sie sind mit 1860 seit 15 Spielen ungeschlagen. Wissen Sie eigentlich noch, wie es sich anfühlt zu verlieren?

Michael Köllner: Jeder Trainer weiß, wie sich Verlieren anfühlt, auch wenn ich das bei Sechzig noch nicht erlebt habe. Solche Gefühle gehören dazu. Aber ich bin dankbar, dass wir gegen Duisburg unsere Serie ausbauen konnten.

ONETZ: Sechzig ist nach dem 3:2 Dritter. Jetzt gehören sie aber zu den großen Aufstiegsfavoriten, oder?

Michael Köllner: Das weiß ich nicht und das ist auch unerheblich. Deswegen werden wir gegen Lautern oder am Samstag gegen Würzburg nicht besser spielen. Wir müssen da realistisch bleiben. Realistisch ist, dass wir gegen Duisburg insgesamt ein gutes Spiel gemacht haben. Realistisch ist aber ebenso, dass wir auch schlechte Phasen hatten.

ONETZ: Wenn Fans da gewesen wären, die hätten nach dem 3:2 gegen Spitzenreiter Duisburg wohl das „Grünwalder“ abgebaut...

Michael Köllner: Das Stadion wäre wohl wirklich explodiert mit unseren Fans auf den Rängen (lacht). Es wäre erbärmlich schade gewesen, wenn wir verloren oder unentschieden gespielt hätten. Vor der Coronakrise hätten wir wahrscheinlich 2:2 gespielt. Wir haben in der Krise viel gearbeitet, sind stärker, sind reifer geworden. Das war auch kein gefühlter Lucky Punch wie damals beim 3:2 gegen Unterhaching. Das war ein erzwungenes Tor, weil wir konsequent weiter auf Sieg gespielt haben.

ONETZ: Die Mannschaft tritt als verschworener Haufen auf. Ist da in der Pause noch mehr entstanden?

Michael Köllner: Also, die Coronapause war schon eine sehr schwierige Phase. Da kommen auch neue Prozesse in Gang. Viele Spieler entwickeln das Gefühl, wieder Stammspieler werden zu können. Andere Spieler sehen sich gleichauf mit ihrem Konkurrenten auf der jeweiligen Position. Es gibt neue gruppendynamische Entwicklungen. Es ist nicht so, wie man sich das von außen vorstellt: Die trainieren einfach und dann wird alles besser. Es gehört deutlich mehr dazu. Wichtig am Ende ist, dass jeder in unserem Kader begreift, dass jeder Teil dieser Mannschaft ist.

ONETZ: Sie haben einige Talente im Team. Dazu gehört auch Prince Osei Owusu. War er der Matchwinner gegen den MSV?

Michael Köllner: Es war wichtig, dass wir von der Bank nachlegen konnten. Wir haben nach dem Rückstand die richtigen Rückschlüsse auch hinsichtlich einer Veränderung in puncto Taktik gezogen, was wir verändern müssen, damit wir zurückkommen können. Das 0:2 war schon eine schwere Hypothek. Auch das 0:1 war ein Wirkungstreffer, nachdem wir vorher gut gespielt haben. Daran haben wir geknabbert. Da müssen wir besser werden, damit wir solche Sachen verkraften.

ONETZ: Wie genervt waren Sie vom Hin und Her vorm Re-Start der 3. Liga? Fortsetzung oder Abbruch? Die Liga hat da kein tolles Erscheinungsbild abgegeben...

Michael Köllner: Ich war von Anfang an extrem optimistisch. Da muss ich ja auch bei der Mannschaft authentisch rüberkommen. Das kauft dir keiner ab, wenn du Bedenken oder Zweifel hast. Ich bin fest davon ausgegangen, dass wir wieder spielen werden. Wenn aber Termine verschoben werden, hat man dann doch leichte Zweifel, aber die waren am nächsten Tag wieder weg. Ich hatte auch darin einen festen Glauben!

ONETZ: Am Mittwoch geht’s zum Traditionsduell nach Kaiserslautern. Leer sollten Sie dort nicht ausgehen ...

Michael Köllner: Wir sind jetzt 15 Spiele ungeschlagen, da werden wir im 16. Spiel die Flinte garantiert nicht ins Korn werfen. Wir haben den Tabellenführer geschlagen, das war kein Selbstläufer. Natürlich müssen wir uns in Kaiserslautern gewaltig strecken. Am Betzenberg ist’s immer schwer. Das habe ich schon mit Nürnberg erlebt. 

Michael Köllner über die Coronakrise in seiner Heimat

München

ONETZ: Sie treffen auf ihren ehemaligen Co-Trainer in Nürnberger Zeiten, Boris Schommers. Er trainiert jetzt den FCK. Gab es da kleine Unstimmigkeiten mit ihm nach ihrem Abschied vom FCN?

Michael Köllner: Das interessiert mich nicht. Wir spielen gegen Kaiserslautern und nicht gegen deren Trainer. Wir haben auch am Sonntag nicht gegen Lieberknecht gespielt. Damit beschäftige ich mich nicht.

ONETZ: Es geht jetzt im Galopp durch die Liga. Mittwoch-Samstag-Mittwoch-Samstag lautet der Spielrhythmus die nächsten fünf Wochen.  Haben Sie sich schon bei Ihrer Frau abgemeldet?

Michael Köllner: Ich habe mich schon vorher abgemeldet. Die Coronazeit war für mich die härteste Zeit. Ich habe am Vormittag das Workout mit der Mannschaft mitgemacht. Nachmittags bin ich selbst gelaufen und habe schon die Gruppentrainings geplant. Ich habe die Gruppentrainings nacheinander geleitet, fünf Stunden am Stück – und das pro Trainingstag. Das waren mit den vielen Vorbereitungen für jede Trainingseinheit am Ende 12- bis 14-Stunden-Tage.

ONETZ: Vor dem Re-Start musste die Mannschaft auch noch eine Woche ins Quarantänetrainingslager ...

Michael Köllner: Ja, da waren wir auch noch in der Nähe von München. Wenn du dann zu Hause jemand hast, der da kein Verständnis hat, wird es schwer. Auch bei den Spielerfrauen funktioniert das nicht ohne Verständnis. Ich bin dankbar, dass dies bis dato sehr gut funktioniert.

Wir sind jetzt 15 Spiele ungeschlagen, da werden wir im 16. Spiel die Flinte garantiert nicht ins Korn werfen.

Michael Köllner vor dem Spiel in Kaiserslautern

Die "Löwen" finden einen neuen Trainer

Fuchsmühl
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.