28.02.2019 - 00:01 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabSport

Siller und Hacker: Sanfter Rückzug

Vor über einem Jahr kündigten Thomas Siller und Tobias Hacker an, sich aus dem Vorstand des 1. EV Weiden zurückzuziehen. Nach turbulenten Monaten erneuerten beide beim Fanstammtisch ihre Absicht. Siller nannte gar ein Datum.

Zahlreiche Fans kamen nach Altenstadt zum Fanstammtisch der Blue Devils Weiden.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Der Zuspruch war enorm: Zahlreiche Fans strömten am Mittwochabend nach Altenstadt/WN in "D'Wirtschaft" zum jährlichen Fanstammtisch der Blue Devils Weiden. Der gesamte Oberliga-Kader, EV-Vorstand sowie Gesellschafter der Spielbetriebs-GmbH stellten sich ihrem Anhang.

Nach einem zögerlichen Beginn mit wenig offenen Fragen gewann die Veranstaltung erst zum Ende hin an Fahrt, als ein Fan die beiden EV-Vorsitzenden nach ihrer persönlichen Zukunft befragte. "Sie haben beide vor über einem Jahr Ihren Rückzug angekündigt. Und nun sitzen Sie da vorne und sprühen voller Elan und Energie. Dürfen wir das so interpretieren, dass sich Ihre Rückzugsgedanken erledigt haben?", lobte und fragte der Fan den EV-Vorsitzenden und GmbH-Geschäftsführer Thomas Siller sowie Tobias Hacker, stellvertretender EV-Vorsitzender und Gesellschafter in der Spielbetriebs-GmbH.

"Mussten Zugpferde sein"

"Unser Plan war in der Tat anders. Aber wenn wir nach diesem turbulenten Sommer mit Crowdfunding-Aktion und Gründung der Spielbetriebs-GmbH aufgehört hätten, hätte das alles so in der Form nicht geklappt. Wir mussten schon noch die Zugpferde geben", sagte Siller, um jedoch nachzuschieben: "An unserer ursprünglichen Absicht hat sich jedoch nichts geändert. Ich werde zum 30. April den Geschäftsführer-Posten in der GmbH abgeben und befinde mich auch im EV in den allerletzten Zügen." Auch Hacker stimmte in dieses Abschiedslied mit ein: "Auch wenn es anders aussehen mag: Ich bin mindestens genauso platt wie letztes Jahr - nur lasse ich es mir nicht so anmerken." Sowohl Siller als auch Hacker blieben Gesellschafter, doch sei es an der Zeit "andere vorzulassen". "Unser Rückzug bleibt bestehen. Nur ist es eben nun ein langsamer Rückzug und keiner auf die harte Tour", fügte Hacker an. Die Frage zur Nachfolge wollte oder konnte Siller noch nicht öffentlich beantworten. "Das klären wir intern. Wir haben aber schon den ein oder anderen im Auge. Also ruhig Blut", beruhigte er die Anhängerschar.

Trainer Ken Latta (von links), Sprecher Manuel Stöckl, EV-Vorsitzender Thomas Siller sowie stellvertretender Vorsitzender Tobias Hacker standen Rede und Antwort.

Die derzeitige sportliche Situation bewerteten sowohl Siller als auch Chefcoach Ken Latta positiv - trotz des ein oder anderen Durchhängers. "Wir haben endlich wieder eine Mannschaft, die diesen Namen auch verdient", wurde Siller deutlich. Ein paar mehr Punkte hätten es vor allem in der Meisterrunde schon sein dürfen, doch Siller hofft nun auf einen "Endspurt sowie begeisternde Play-off-Spiele".

Latta ist bislang zufrieden. Zwar hätte seine derzeitige Mannschaft vielleicht "nicht so viel Talent wie die der vergangenen Saison", doch habe man nun ein "echtes Team auf dem Eis". Und die Mannschaft wolle jetzt noch mehr. "Ich habe im Training aus den letzten vier Meisterrunden-Spielen drei Siege gefordert. Aber unser Kapitän Ralf Herbst hat mich korrigiert, dass die Mannschaft vier Siege anpeilt", sagte Latta. Die Devils stünden besser da als vergangene Saison. "Wir wollen die erste Play-off-Runde gegen eines der Teams aus Hannover überstehen. Das ist unser Ziel."

"Schwarze Null" wird erreicht

Siller ist mit der im Sommer gegründeten Spielbetriebs-GmbH bislang zufrieden, auch wenn "immer ein Risiko bleibt". Die Verantwortung sei nun auf mehrere Schultern verteilt. "Mit mehreren Gesellschaftern entsteht mehr Dynamik. Das ist ein Prozess, der sich noch weiter verbessern wird." Trotzdem seien finanziell deswegen nicht plötzlich "Zigtausende mehr am Tisch". "Wir werden nicht mehr Geld im Budget haben als letzte Saison. Wir müssen eher mehr sparen und dürfen keine Luftschlösser bauen." Hacker lobte und dankte in diesem Zusammenhang den Fans für ihre Unterstützung nicht nur bei der erfolgreichen Crowdfunding-Aktion und hofft, dass künftig wieder mehr Anhänger den Weg ins Stadion finden. "Wir werden unser Ziel einer schwarzen Null erreichen", beruhigte Siller sogleich.

Latta setzt auf die Jugend

Mit viel Wohlwollen registrierten die Fans den vermehrten Einsatz von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs im Oberliga-Team. "Es ist ein riesiger Schritt vom Junioren-Eishockey zu den Herren. Aber die Entwicklung stimmt mich positiv, auch wenn die Integration von fünf, sechs Nachwuchsspielern - so wie bei uns derzeit - immer ein längerer Prozess ist", lobte Latta Valentin Bäumler und Co.. Und der Trainer schickte ein Versprechen an die übrigen Jugendspieler hinterher: "Solange ich hier Trainer bin, werden junge Spieler immer wieder eine Chance bekommen. Aber sie müssen auch was tun. Nur weil einer Schlittschuh laufen oder einen Schläger tapen kann, heißt das noch lange nicht, dass er's drauf hat."

Der komplette Kader des Oberliga-Teams kam zum Fanstammtisch.
Zitate-Mix:

Best of ... Fanstammtisch der Blue Devils

"Das wäre wünschenswert und hilfreich. Die Planungen sind aber ein mühsames Unterfangen und hängen an Personen, die sich kennen und miteinander können müssen." (Thomas Siller über mögliche neue Förderlizenzen)

"Ich habe mit allen Spielern gesprochen. Weitere Entscheidungen wird es aber erst nach den Play-offs geben." (Ken Latta zu den Personalplanungen für die nächste Saison)

"Wir hatten fast keine Probleme im und vor dem Stadion." (Sillers Dank an die Fans)

"Wir unterstützen derartige Aktionen grundsätzlich gerne. Dieser Play-off-Sonderzug war aber unglücklich von hinten aufgezäumt und zu kurzfristig geplant." (Siller über den geplatzten Einsatz eines Sonderzuges zum ersten Play-off-Auswärtsspiel)

"Die Stadtwerke als Eigentümer des Stadions haben die Lautsprecher-Anlage reguliert, weil es ansonsten zu laut wird. Ich werde das beobachten, und vielleicht können wir das neu justieren." (Siller über den Einwand, der Stadionsprecher in der Hans-Schröpf-Arena sei schlecht zu verstehen)

"Man muss erst einmal Gesellschafter finden, die bereit sind diesen Job zu machen - im Wissen, dass es ein Draufzahlgeschäft ist. Das ist keineswegs selbstverständlich." (Tobias Hacker über den langwierigen Prozess zur Gründung der Spielbetriebs-GmbH)

"Ich fühle mich inzwischen sehr wohl hier und verstehe auch alles. Anfangs dachte ich schon ab und zu, ich bin hier in Japan." (Latta über den Wohlfühlfaktor in Weiden)

"Ich arbeite noch in Kaufbeuren, das sind 400 Kilometer einfach. Ich bin also gewiss nicht wegen des Geldes hier in Weiden." (Latta über neue Motivation)

"Eishockey ist für mich wie eine Sucht." (Latta)

"Die jungen Spieler hinterlassen einen positiven Eindruck. Sie bekommen von uns alten Hasen schon öfter was zu hören, aber das gehört dazu." (Kapitän Ralf Herbst über die Nachwuchsspieler im Kader)

"Es wird auch heuer wieder eine Saisonabschlussfeier mit Trikotversteigerung geben - allerdings nicht im Stadion. Wo das stattfindet, werden wir noch kommunizieren." (Siller über die Zeit nach den Play-offs)

"Die Derbys gegen Selb sind die besten Spiele der Saison. Da sind wir immer besonders heiß." (Philipp Siller über seinen Lieblingsgegner)

"Spiele in der U20 sind nicht so anstrengend wie bei den Herren." (Paul Wolf über die Belastung der Nachwuchsspieler)

"Das ist nichts Neues für mich. Ab und zu werde ich etwas geärgert, aber das ist normal." (Torhüterin Lena-Maria Völkl über ihr Dasein unter lauter Männern)

"Wir sprechen jetzt nur noch von Oberkörper- und Unterkörperverletzung. Oftmals ist es zeitlich einfach nicht möglich, detailliertere Auskünfte zu geben." (Latta zum Einwand, die Informationspolitik bei Verletzungen sei zu spärlich)

Thomas Siller (stehend) hatte beim Fanstammtisch gut lachen.
Torhüterin Lena-Maria Völkl (stehend) musste ihr Dasein unter lauter Männern erläutern.

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