06.05.2020 - 12:11 Uhr
AmbergSport

Wenn ein Apfelbaum auf der Kegelbahn steht

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Matheaufgaben und Lesetexte kommen von den Lehrern, den Sportunterricht der Schwaiger-Brüder übernimmt Vater Andreas. Der Kegler möchte sich in den Homeoffice-Wochen selbst fit halten und holt dazu auch mal die Kugel vom Dachboden.

Was macht eigentlich ein Kegler in der Coronakrise? Er kegelt im Garten, zur Not auch mit Plastikkegeln. Andreas Schwaiger (Mitte) zeigt seinen Söhnen Timo (links) und Fabian, wie der technisch perfekte Wurf aussieht. Im Hintergrund besagter Apfelbaum.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Gut 20 Jahre spielte Andreas Schwaiger für FEB Amberg in der Kegel-Bundesliga, hatte Einsätze in der Jugend- und Juniorennationalmannschaft. In den vergangenen drei, vier Jahren ließ es der 38-Jährige dann etwas langsamer angehen und spielte überwiegend in der zweiten Mannschaft. Wegen eines Bandscheibenvorfalls - und weil er einfach mehr Zeit mit den Söhnen Timo (9) und Fabian (11) verbringen möchte.

Zeit mit seinen Söhnen hat Andreas Schwaiger momentan viel. "Das ist natürlich schön, aber auch sehr anstrengend mit Homeschooling und Hausaufgaben, dazu die eigene Arbeit im Homeoffice." Seit zehn Wochen arbeitet der Technische Angestellte von zu Hause aus, damals gab es einen Corona-Verdachtsfall in der Firma, seit knapp acht Wochen sind nun auch die Kinder zu Hause.

Intensive Übungen

"Ich schaue, dass die schulischen Angelegenheiten erledigt sind - und dass die Kinder und auch wir Eltern in Bewegung bleiben." Die Söhne, beide Fußballer beim SV Raigering, haben seit Wochen kein Vereinstraining, er selber muss improvisieren, da die gewohnten Einheiten auf der Kegelbahn wegfallen. Andreas Schwaiger suchte nach Alternativen und stellte einige Übungen für den heimischen Garten, Keller oder das Wohnzimmer zusammen und machte davon kurze Videos. Besonders das "HIIT" (High Intent Intervalltraining) gefällt ihm: "Kurz gesagt sind das intensive Übungen mit hohem Effekt bei niedrigem Zeitaufwand." Idealerweise draußen in der Natur oder im Garten. Gerade wenn in Zeiten von Homeschooling und Homeoffice "der Kopf irgendwann mal dicht ist, ist Frischluft das Beste".

Alle Sechse

Mehr als Spaß für die Kinder wurde auch gekegelt. Mit einer Kugel, die seine Frau Doris vor vielen Jahren bei ihren Bundesligaspielen für FEB Amberg im Einsatz und längst auf dem Dachboden eingemottet hatte. Originale Kegel gab es allerdings nicht, sondern welche aus Plastik, und auch nur sechs statt der neun auf einer Kegelanlage. Die Bahnen dort sind knappe 20 Meter lang, in Schwaigers Garten in Witzlhof (Kreis Amberg-Sulzbach) deutlich kürzer. "Da steht bei uns ein Apfelbaum im Weg. Den wollten wir deswegen natürlich nicht fällen."

Sobald es wieder möglich ist, wird Schwaiger öfter zur Kugel greifen. Nicht im Garten. Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, "wieder höherklassig zu spielen".

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Amberg

Zwei Spieltage vor Schluss

Wie die aktuelle Saison, die zwei Spieltage vor Schluss gestoppt wurde, zu Ende gebracht wird, ist noch in der Schwebe. "Denkbar sind einige Szenarien. Vielleicht können die zwei Spiele ja noch ausgetragen werden." Da in der 1. Bundesliga zum Zeitpunkt des Abbruchs der Meister (Rot-Weiss Zerbst) und die beiden Absteiger Rot-Weiss Hirschau und Nibelungen Lorsch bereits feststanden, werde die Saison dort wohl so gewertet und die Liga durch die vier Zweitligameister auf zwölf Teams aufgestockt.

Beginn der neuen Saison ist normalerweise im September. Ob es auch dieses Jahr so sein wird, ist völlig ungewiss. Gewiss ist aber, dass Andreas Schwaiger fit aus der Coronakrise kommen wird. Genau wie seine Söhne.

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