Amberg
01.07.2025 - 14:51 Uhr
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Der Banker im Boxring: Werner Köstler vom BC Amberg und seine vielen Episoden als Kampfrichter

Er hat bisher mehr als 4000 Boxkämpfe überwacht und sorgt an den verschiedensten Orten für faire Kämpfe. Werner Köstler vom BC Amberg kam etwas überraschend zu seinem Hobby, bei dem er auch so manch Kurioses erlebt.

Wer möchte schon die ungeliebte Arbeit eines Referees machen und am Ende eines Wettkampfes oft als der Schuldige benannt werden? Oder seine Freizeit an Wochenenden und Feiertagen mit weiten Fahrstrecken bei geringer Aufwandsentschädigung verbringen? Dazu braucht es echte Leidenschaft. Auf die Frage an Werner Köstler, wie er selbst überhaupt zu diesem außergewöhnlichen Hobby – wie er es nennt – als Ring- und Kampfrichter kommt, antwortet er: "Eigentlich war es Zufall. 1995 wurde in Marktredwitz wieder eine Boxabteilung ins Leben gerufen und es galt viele Posten zu besetzen. Kampfrichter wollte keiner machen. So fiel das Los auf mich."

Noch im selben Jahr absolvierte er sämtliche Prüfungen und schon im November des gleichen Jahres begann er Erfahrungen bei Kämpfen zu sammeln. 22 Jahre lang trat der gelernte Bankkaufmann für den Boxclub Marktredwitz und sechs Jahre für Ölsnitz als Punkt- und Kampfrichter an, ehe er sich vor drei Jahren für den BC Amberg als Kampfrichter melden ließ. Damit hat er auch eine Doppellizenz für Sachsen und Bayern. Bei seinem ersten Einsatz in Augsburg durfte er gleich 17 Kämpfe punkten. Beim Wort "Augsburg" fällt Köstler auch schon die erste Episode ein. "Als wir zu Wettkämpfen in die Hauptstadt Schwabens fuhren, stellten wir fest, dass dort zwei verschiedene Festzeltveranstaltungen gleichzeitig stattfanden. Bis wir bei der richtigen landeten, dauerte es etwas und die Kämpfe mussten mit Verzögerung starten." Anfang 1998 legte er seine Ringrichterprüfung ab und Ende 1999 folgte die Prüfung und Zulassung mit nationaler Lizenz.

Bloß kein blaues Auge

Wäre nicht dieser Beruf als Banker gewesen, in dem er genauso erfolgreich arbeitete, hätte er noch viel mehr Möglichkeiten gehabt. Da wies ihm aber schon von Beginn an sein Chef die Richtung. "Wehe, wenn ich dich jemals mit einem blauen Auge erwische!" So blieb dem schon immer überaus sportlichen 73-Jährigen als junger Mann der aktive Boxsport oder ein intensives Sparring verwehrt. Kunden könnten das als unseriös ansehen, wenn ein Banker mit einem Monokelhämatom herumläuft.

Auch mehrtägige Veranstaltungen oder internationale Einsätze fielen dem Beruf zum Opfer. Erst 2021, nach Eintritt in den Ruhestand, konnte er an einer Deutschen Meisterschaft agieren. Die langjährige Sportfreundschaft mit dem Vorstand des BC Amberg, Ruslan Schönfeld, verschlug ihn dann in die Oberpfalz. Hier managt er auch die Boxveranstaltungen der Pfingst- und Michaeli-Dult, insbesondere was die Kampfzusammenstellungen betrifft. Die elf Kämpfe der Pfingst-Dult wuppte er mit links. "Die meisten Kämpfe hatte ich mal bei einem Turnier in Nürnberg. Es waren 57. Und ich war von 13 Uhr bis 0.30 Uhr im Einsatz," erzählt der Hobbygärtner. Ein ganz besonderes Kuriosum erlebte er, als zwei Kontrahenten bei einem Schlagabtausch gleichzeitig K. o. zu Boden gingen. Auch hierfür fand er eine Lösung. "Ich zählte beide gleichzeitig an. Einer stand bei acht wieder kampfbereit da. Der andere war noch am Boden und wurde mit K.o. ausgezählt.

Lob an die Ehefrau

Bei aller Begeisterung für seine Unternehmungen als Kampfrichter, vergisst er doch nicht, dass seine Frau das alles mitgetragen hat. "Eigentlich müsste ihr der Boxsport 'Danke' sagen", weiß er seine Passion auch einzuordnen. Denn das Privatleben fällt bei so viel Engagement schmal aus.

Sein Job als Ringrichter bedeutet auch große Verantwortung, das betont er immer wieder: "Man muss den Unterlegenen gegebenenfalls rechtzeitig durch Anzählen oder auch Abbruch des Kampfes schützen, genauso aber auch den Überlegenen zur Einhaltung der Fairness anhalten, falls er überheblich wird. Die Zurufe von Trainern und Publikum muss man ignorieren können, wenn man dieses Amt bekleiden möchte", sagt er. Köstler wirft nichts um, schon gar nicht im Ring.

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