13.11.2020 - 17:36 Uhr
AmbergSport

Bayern verbietet Indoor-Sport: „Eine Katastrophe“

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Die Reaktion der Bayerischen Staatsregierung folgt sofort: Kaum gibt ein Gericht einem Fitnessstudio-Betreiber Recht, wird gehandelt. Jetzt darf niemand mehr in der Halle Sport treiben. Die Kritik ist groß.

Nun bleiben auch die Tennishallen geschlossen.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Ein Fitnessstudio-Betreiber klagt gegen die Schließung, der Bayerische Verwaltungsgerichtshof gab ihm Recht. Die Antwort der Bayerischen Staatsregierung: Ab Freitag, 13. November, mussten alle Indoor-Sportstätten geschlossen werden, einzig der Profi- und Schulsport bleiben im November in Innenräumen erlaubt.

"Ein großer Rückschlag für den Sport und eine aus unserer Sicht nicht nachvollziehbare Maßnahme", erklärt Jörg Ammon, der Präsident des Bayerischen Landessportverbandes. "Ein falsches Signal in dieser schwierigen Zeit. Wir haben für diese überhastete Maßnahme kein Verständnis - die Volksseele unserer Sportlerinnen und Sportler, Sportvereine und Sportfachverbände brodelt", erklärt Ammon.

Betroffen sind vor allem Tennishallen, wo Trainer vereinzelt noch Stunden geben durften, bei Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts. "Das ist für uns wieder eine Katastrophe. Wir haben im Sommer versucht, uns von dem ersten Lockdown zu erholen. Und jetzt sind wir wieder betroffen. Diejenigen, die alles machen, die sich an alles halten, werden wieder bestraft", klagt Nicky Marquard von der Tennis Base beim TC Amberg am Schanzl. "Die Eltern unserer Tennisschüler sind fassungslos und wütend, wenn wir jetzt mit Fitnessstudios über einen Kamm geschoren werden."

Sie hätten bei der Tennis Base gerade in den vergangenen zwei Wochen bewiesen, wie vorbildlich man Training geben könne. "Selbst die kleinsten Kinder sind alleine in die Halle gekommen", erklärt Marquard. Keine Eltern seien in der Halle gewesen, alles "war wirklich vorbildlich." Der TC am Schanzl verfügt über eine Dreifachhalle, pro Platz durften zwei Personen spielen plus jeweils ein Trainer. Das heißt, maximal im Training neun Menschen in der Halle. Jeder Schüler auf einer Seite. "Die Grundlinien sind 23 Meter voneinander entfernt, der Trainer in der Mitte steht damit jeweils elfeinhalb Meter von den Schülern weg", erläutert Gerhard Fahlke, der zusammen mit Nicky Marquard die Tennis Base betreibt.

"Der Kläger des Fitnessstudios hat gedacht, er tut etwas Gutes und hat genau das Gegenteil bewirkt, indem er die Schließung der Tennishallen erzwungen hat", sagt Fahlke. "Die Regierung beruft sich auf das Gleichheitsprinzip mit ihrem Verbot", ergänzt Marquard. Doch von Gleichheit kann laut den Schanzl-Trainern nicht die Rede sein: "So groß wie auf dem Tennisplatz ist der Abstand in einem Fitnessstudio nie." Der nächste Unterschied: "In einem Fitnessstudio bezahlt man seinen monatlichen Beitrag, auch wenn Lockdown ist. Nur wir Tennistrainer verdienen jetzt kein Geld. Das ist ein hundertprozentiger Verdienstausfall", erklärt Fahlke.

Was die beiden nervt, ist die Tatsache, dass "wieder alles von heute auf morgen passiert ist." Am Donnerstag habe sie nach 20 Uhr den Trainingsplan für Freitag erstellt, zwei Stunden später kam das Verbot. "Wir sitzen im Büro und organisieren und organisieren, und wieder sind in dem Lockdown die Gleichen betroffen. Wir haben alles gemacht, was gefordert wurde."

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Amberg

"Diejenigen, die alles machen, die sich an alles halten, werden wieder bestraft.“

Nicky Marquard von der Tennis Base des TC Amberg am Schanzl

Nicky Marquard von der Tennis Base des TC Amberg am Schanzl

Hintergrund:

Das Gleichheitsprinzip

Nach dem Verbot des Indoor-Sports in Bayern beraten die Verbände über die Folgen der Entscheidung. Wie der Bayerische Tennis-Verband mitteilte, befindet man sich "in Abstimmung mit anderen Interessenvertretern des bayerischen und nationalen Sports über die weitere Vorgehensweise in dieser Angelegenheit." Die Staatsregierung hat beschlossen, dass wegen der Corona-Krise von Freitag an so gut wie alle Indoor-Sportstätten in Bayern geschlossen bleiben. Nur Schul- und Profisport bleiben im November in Innenräumen erlaubt.

Hintergrund für die Neuregelung ist eine Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Dieser hatte unter Verweis auf das Gleichheitsprinzip am Donnerstag die bisherige Schließung von Fitnessstudios aufgehoben, weil auf der anderen Seite sonstige Sportstätten für Individualsport geöffnet seien. Daraufhin verschärfte die Staatsregierung die Corona-Beschränkungen und verbietet nun den Indoor-Sport.

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